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Kino Review: „Under the Skin“

Under the Skin – Tödliche Verführung (Under the Skin, Jonathan Glazer, UK 2013)

Einen Tag vor dem DVD-Release von Under the Skin hatte ich das… naja, nennen wir es Glück, den Film auf Leinwand zu sehen. Der kleine Hype, den ich zuvor von einigen Kritikern und Blogs aufschnappte, hatte bei mir einige Erwartungen geweckt. Under the Skin sei mutiges Kino und zumindest dieser Beschreibung schafft es der Film, zu entsprechen. Dennoch habe ich den Kinosaal eher missmutig verlassen.


Quelle: graffitiwithpunctuation.net

Der Plot von Under the Skin ist schnell zusammengefasst: Eine Außerirdische (Scarlett Johansson) sammelt in Schottland Männer von der Straße auf und lockt sie mit dem Versprechen nach Sex in ihre Behausung, um sie dort zu „fangen“. Einer der Männer sorgt schließlich jedoch dafür, dass sie ihren Auftrag aufgibt. Wer nun Hoffnung auf einen SciFi-Horror-Film hat, der könnte enttäuscht werden: Under the Skin ist freizügig, stilsicher und auf einer subtilen Ebene unheimlich – aber definitiv kein Horror. Viel eher nähert sich der Film mit seinen inneren und äußeren Konflikten einem Drama an.
Problematisch – wenn man es so bezeichnen will – ist, dass Under the Skin diese Konflikte nur erahnen lässt. Fast schon verzweifelt versucht man als Zuschauer, sich in die Figuren hineinzufühlen, ihre Motive zu verstehen und einen Sinn hinter all dem zu finden. Regisseur Jonathan Glazer setzt nämlich auf Minimalismus: gerade Johanssons Rolle hat nur wenig zu sagen, andere Figuren bleiben gänzlich stumm.

Informationen muss man stattdessen in den Bildern suchen, die in all ihrer symbolischen Fülle und minimalistischen Überstilisierung ganz klar auf Glazers Vergangenheit als Musikvideoregisseur verweisen. Einen Kontrast dazu stellen die überwiegende Abwesenheit von Musik und die teils sehr langen Einstellungen dar.
Under the Skin verweigert sich damit einer Hollywoodästhetik, die hauptsächlich der Informationsvermittlung an den Zuschauer dient und ihm Handlung, Motivationen und Emotionen aufdrückt. Glazers Werk nötigt den Zuschauer stattdessen dazu, die Figuren selbstständig zu hinterfragen und zu interpretieren und sich seinen eigenen Reim auf das zu machen, was dort passiert.

Doch dazu – und das ist mein größtes Problem mit Under the Skin – liefert der Film einfach zu wenig Inhalt. Zu lange verbleibt Glazer an vielen Stellen mit der Kamera auf dem selben Bild, zu oft verliert er sich in seiner (durchaus starken) Symbolik, zu selten passiert tatsächlich etwas, das den Zuschauer aus dem trägen Wahrnehmungs- und Gedankenfluss reißt. Und damit droht permanent Gefahr, dass der Film das Interesse des Zuschauers verliert. Oder – drastischer ausgedrückt – ihn einzuschläfern.

Man muss sich bewusst machen: Under the Skin ist eher Experimental- statt Spielfilm, vielmehr ästhetisches Statement statt ergreifender Geschichte mit interessanten Figuren. Glazer war sich sicher bewusst, dass sein dritter Film nur ein kleines Publikum erreichen dürfte und das ist natürlich auch sein gutes Recht. Wer mit diesen Unkonventionalitäten jedoch klar kommt, der könnte große Freude an Under the Skin finden. Einem Film, den man sich am besten mit ein paar Freunden anguckt, um im Anschluss darüber zu diskutieren. Denn erst dann zeigt sich, welches erzählerische Potenzial möglicherweise doch in diesem Werk steckt.

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