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Kino Review: „5 Zimmer Küche Sarg“

5 Zimmer Küche Sarg (What we do in the Shadows, Jemaine Clement & Taika Waititi, NZ 2014)

Einige Monate zuvor: Der Trailer von 5 Zimmer Küche Sarg läuft auf meinem Laptop. Meine Augen fangen an zu leuchten. Grandiose Idee. Das wird der lustigste Film des Jahres (trotz 22 Jump Street). Muss er einfach werden. Kino-Pflicht.
Schnitt.
Letzte Woche: Ich verlasse die Vorstellung von 5 Zimmer Küche Sarg. Ich habe keine Lust, über den Film zu reden – weder mit jemand anderem, noch mit mir selbst. Ich gehe einfach nur nach Hause.


Quelle: moviepilot.de

Fangen wir von vorn an: bei der grandiosen Idee. Es geht um fünf Vampire. Genauer gesagt um fünf Vampire, die zusammen in einer WG in irgendeinem Kaff in Neuseeland wohnen. Da muss es natürlich zu Reibereien kommen. Vor allem, wenn das ganze im Stile von Daily Soaps / Reality-TV-Trash wie Jersey Shore (oder in der deutschen Ausgabe Berlin – Tag & Nacht) gefilmt und präsentiert wird. Ein Mockbuster also: dokumentarische Ästhetik, aber offensichtlich fiktiv.
Wie gesagt: das ist eine grandiose Idee, bietet so unglaublich viel Potenzial für komische Augenblicke. Wenn sich die WG-Mitglieder beispielsweise auf eine Party vorbereiten, sich aber beim Einkleiden nicht im Spiegel betrachten können. Oder wenn sie nicht in die angesagten Clubs reinkommen, weil sie als Vampire ja in ein Haus eingeladen werden müssen, um es betreten zu können. Das funktioniert am Anfang (mit der Einführung der Figuren und deren Geschichten) noch wunderbar. Ein bisschen habe ich geschmunzelt, ein bisschen gelacht, stets in der Hoffnung, dass gleich der erste große Kracher kommen müsse. Der kam aber nicht.

Zugegeben: Humor ist etwas sehr subjektives; durch deutsche Snychro kann viel verloren gehen; und Hirnies in der hinteren Reihe, die bei jedem kleinen Gag gleich losbrüllen, können einem den Film auch ganz schön madig machen. Aber 5 Zimmer Küche Sarg ist nicht besonders lustig – zumindest nicht im klassischen Sinne. Keine großen Pointen, nichts was wirklich reißt. Es ist eher diese absurde Atmosphäre, die sich aus der Prämisse und den Situationen ergibt, welche den Film zu einer Komödie macht.
Was ihm aber fehlt – und dies ist der wirkliche Knackpunkt – ist eine klare Dramaturgie. Auch das funktioniert anfangs noch. Im weiteren Verlauf dümpelt die Handlung jedoch nur vor sich hin, zwar mit einigen netten Wendepunkten, doch ohne nennenswerten Höhepunkt oder ein klares Ziel, auf das sie zusteuert. Das liegt wohl am (inhaltlichen) Anspruch des Dokumentarstils. Doch auch Mockbuster wie Cloverfield oder District 9 schaffen es trotz dieser Bedingungen, eine fesselnde und stringente Geschichte zu erzählen – 5 Zimmer Küche Sarg leider nicht.

Das soll jetzt nicht als Verriss verstanden werden: die neuseeländische Produktion ist zweifellos gut gemacht, angenehm kurzweilig, mit tollen Hauptdarstellern ausgestattet und (selbstverständlich) auch witzig. Aber es ist schade, dass dieses (man verzeihe mir die Wiederholung) grandiose Konzept und dessen Möglichkeiten nicht genutzt werden, um den Film zu machen, der daraus hätte entstehen können. Am Ende ist 5 Zimmer Küche Sarg leider nur ein weiterer Beweis dafür, dass eine gute und mutige Idee nicht automatisch einen guten Film macht.

 

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