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Kino Review: „Nightcrawler“

Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis (Nightcrawler, Dan Gilroy, USA 2014)

Nightcrawler – das sind die Menschen, die nachts auf den Straßen großer Städte unterwegs sind, um mit ihrer Kamera möglichst zeitig Bilder und Videos von Unfällen und Verbrechen zu machen um diese dann an Nachrichtenredaktionen zu verkaufen. Louis Bloom (Jake Gyllenhaal) möchte in dieses Geschäft einsteigen und damit seinem halbkriminellen Leben entfliehen. Nightcrawler zeigt seine Geschichte auf höchst faszinierende Weise.

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Quelle: indiewire.com

Dabei ist es nicht unbedingt die Optik, die den Film auszeichnet. Diese ist eher nüchtern, weshalb mir schleierhaft ist, warum der Film gerne mit Drive verglichen wird. Dennoch wertet die gesamte Ästhetik – insbesondere der packende Soundtrack – den Film sichtlich auf. Nachtszenen kann man eben auch ohne die herausragende, aber deutlich artifizielle Licht- und Farbarbeit eines Winding Refn stilsicher inszenieren. Dan Gilroy – der hier das erste mal Regie geführt hat – hat das mit diesem Film bewiesen. Bekannt war der Mann bisher eher für durchschnittliches Drehbuchmaterial; diesen Part hat er auch in seinem neuesten Werk übernommen und diesmal tatsächlich sehr gute Arbeit geleistet.

Nightcrawler beginnt langsam. Und bleibt dies auch über den Großteil der 2 Stunden Spielzeit. In kleinen Stritten lernte ich Louis Bloom kennen – sein Alltag, seine Motive, seine Probleme, sein Ziel. Die detaillierte und ausgehnte Charakterzeichnung erzeugt Zweifel: Bloom ist kein Protagonist, den ich nach 15 Minuten genauestens einschätzen konnte. Immer wieder überraschte er mich, immer wieder war ich verwundert über ihn und wusste nicht, was als nächstes passieren würde. Und das führt zu dem Punkt, der Nightcrawler wirklich sehenswert macht: Jake Gyllenhaal als Hauptfigur.

Dass Gyllenhaal Potenzial zum Charakterdarsteller hat, war ja schon seit einiger Zeit ersichtlich – diese Rolle könnte sein Druchbruch sein. Eine so vielsagende Mimik und Gestik, eine solche Wortwahl, so eine Verschmelzung mit der Figur habe ich lange nicht mehr gesehen – wahrscheinlich seit Christoph Waltz als Hans Landa. Bloom hat eine dermaßen faszinierende Ausstrahlung, dass ich anfangs noch gelegentlich über den tiefschwarzen Humor des Film und die teils absurden Äußerungen lachen musste. Am Ende jedoch waren solche Sätze wie „Er ist tot – ich brauche die zweite Kamera.“ für mich ziemlich normal. Ich war kurz gefangen in der morbiden Welt von Louis Bloom, in der Leid und Tod radikal kapitalisiert werden. Und in der es sich kaum ein Beteiligter leisten kann, moralisch zu sein.

Damit eröffnet Nightcrawler nicht nur einen interessanten Einblick in den (US-amerikanischen) Sensationsjournalismus, sondern steht auch stellvertretend für das, was aus dem Versprechen der freien Marktwirtschaft geworden ist. Zumindest eine Oscar-Nominierung sollte für Gyllenhaal dabei drin sein.

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