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Kino: „Inherent Vice“

Inherent Vice – Natürliche Mängel (Inherent Vice, Paul Thomas Anderson, USA 2014)

Der Grund dafür, warum es diesmal keine richtiges Kino Review gibt, ist, dass ich einen fatalen Fehler gemacht habe: als ich mir gestern Inherent Vice im Kino angesehen habe, war ich müde. Und das ist definitiv kein Film, den man sich in einem solchen Zustand antun sollte.

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Quelle: screenrant.com

Nun könnte ich es mir einfach machen und sagen: „Inherent Vice ist einfach langweilig. Dem Film ist nicht das gelungen, was ein Film tun sollte – nämlich mich abzuholen und meinen Fokus ganz auf das Geschehen auf der Leinwand zu richten.“ Aber das wäre nur eine Ausrede. Denn Inherent Vice ist ein Film, der zum einen enorme Aufmerksamkeit vom Zuschauer verlangt und es zum zweiten vielleicht auch gar nicht darauf anlegt, beim ersten Anschauen wirklich begriffen zu werden.

Dabei könnte der Film eigentlich eine recht einfache Krimi-Komödie sein: im Los Angeles von 1970 untersucht der Vollzeit-Hippie und Teilzeit-Detektiv Larry „Doc“ Sportello (Joaquin Phoenix) auf Bitten seiner Exfreundin eine Verschwörung, die ihren Geliebten – einen Baumagnaten – zum Ziel hat. Natürlich steckt mehr dahinter. Und so deckt Doc, stets unter dem Druck der lokalen Polizei stehend, auch allmählich die Machenschaften eines Drogenhändlerrings auf.
Trotz dieser simplen Prämisse gibt sich Regisseur Paul Thomas Anderson aber alle Mühe, die Geschichte möglichst komplex und schwer verständlich zu gestalten. Das Figuren-Ensemble ist nicht nur unheimlich groß (und wartet mal nebenbei mit einer ganzen Reihe bekannter Gesichter wie Josh Brolin, Benicio Del Torro, Reese Witherspoon oder Owen Wilson (und Omar!!) auf), sondern ist auch auf komplizierteste Weise ineinander verwoben. Auch das wäre noch okay, schließlich sorgen die bekannten Gesichter dafür, dass man sich doch einigermaßen gut zurechtfinden kann.

Was die ganze Sache aber so schwierig – oder eher: herausfordernd – macht, sind die wirren Dialoge und die fast poetische Erzählerin. Deren Texte sind teilweise derart indirekt und durch die Blume geschrieben, dass es schon einer gehörigen Interpretationsleistung bedarf, wenn man als Zuschauer dranbleiben und das Gezeigte zu einer logischen Kette verknüpfen will. Die Belohnung dieser oft vergeblichen Mühen sind jedoch eine wirklich gute Lacher.
Eines muss man mal festhalten: Inherent Vice ist verdammt witzig. Nicht auf eine Seth Rogen/James Franco-Weise, sondern vielmehr wie – ein besserer Vergleich fällt mir nicht ein – Fear and Loathing in Las Vegas. Dazu passt dann auch die drogenvernebelte Atmosphäre, aus der sich die mal mehr, mal weniger subtilen Gags speisen. Dazu kommen dann noch schauspielerische Leistungen, die durchaus mit Birdman mithalten können. Gerade Joaquin Phoenix und Josh Brolin (den ich ja eigentlich äußerst ungern sehe) gelingt es, ihre Rollen als paranoider Hippie bzw. irrer Proll-Cop auf’s Fantastischste darzubieten. Verstärkt wird das dann noch durch Andersons Inszenierung, bei der gerne einfach mal draufgehalten wird: immer wieder gibt es minutenlange Einstellungen mit minimalsten Kamerabewegungen, in denen die Darsteller reden und reden und reden… mit Sicherheit zum Großteil improvisiert – aber wer kann, der kann halt.

Inherent Vice – zumindest das wollte ich deutlich machen – ist kein einfacher Film. Er ist komplex, kompliziert und im Zusammenspiel mit seiner sehr ruhigen Inszenierung auch anstrengend bis ermüdend. Ein endgültiges Urteil in Form von gut oder schlecht will ich aufgrund meines übermüdeten Zustandes deshalb noch nicht fällen – das muss bis zum zweiten Durchlauf warten, der mir aufgrund des Humors und des Schauspiels sicher nicht wehtun wird. Aber sehenswert ist Inherent Vice in jedem Fall.

 

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