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Serien-Tipp: „The Knick“

The Knick (Steven Soderbergh, Cinemax, USA 2014-…)

Krankenhausserie, zum Zweiten: auch The Knick bedient – wie das letztens von mir vorgestellte Hospital der Geister – ein prototypisches Seriengenre, und auch hier gibt einen kleinen Kniff, der das eigentlich verbrauchte Szenario immens aufwertet. Raus aus der modernen Medizin, hinein in eine Zeit großer Veränderungen.

https://i0.wp.com/d1oi7t5trwfj5d.cloudfront.net/e0/2f/6ee472da4475ad1777f1851b5387/the-knick-s1-character-thac.jpgQuelle: cloudfront.net

The Knick spielt im New York des Jahres 1900. Drogen und Prostitution bestimmen den Alltag auf den Straßen, Seuchen und andere Krankheiten sind eher Regel als Ausnahme, die Lebenserwartung ist gering. In diesem Sumpf steht das Knickerbocker – eines der renommiertesten Krankenhäuser NYCs – als medizinische Festung. Als sich der Chef-Chirurg des Knick nach einer fehlgeschlagenen Operation umbringt, muss Dr. Thackery (Clive Owen) dessen Rolle übernehmen. Es ist eine Zeit, in der es wöchentlich neue Entwicklungen in der Medizin gibt. Und schon früh zeigt sich, dass Thackery, der zudem noch kokainabhängig ist, eher von Ruhm als dem Bedürfnis, Menschenleben zu retten, getrieben ist.
Die zweite Konfliktebene in The Knick ist der Rassismus, was zwar ebenso zeitgeistig wie die erste Ebene ist, zugleich aber auch eine moderne Note in die Story bringt. Die Behandlung von Schwarzen wird im Knick prinzipiell abgelehnt – und ausgerechnet in diesem Krankenhaus soll der Afro-Amerikaner Dr. Edwards (André Holland) neuer stellvertretender Chef-Chirurg werden. Trotz seiner Fähigkeiten und Expertise trifft er besonders bei Thackery zunächst auf wenig Akzeptanz.

Löblich ist, dass die gesamte Serie nur unter der Regie eines Mannes steht: und das ist niemand geringes als Steven Soderbergh, der mit seinen bisherigen Werken (u.a. Ocean’s-Trilogie und Magic Mike), zwar nicht immer ins Schwarze getroffen hat, in der Regel aber doch abliefern konnte. Seine Inszenierung von The Knick ist, gelinde gesagt, äußerst kühl. In den Bildern dominieren braun und grau. Die Kameraarbeit ist ruhig und lässt den Schauspielern entsprechend Platz und Zeit, sich zu entfalten. Und die bedrohlich wummernde, sphärische Elektro-Musik stellt einen interessanten, wenn auch stellenweise anstrengenden Anachronismus dar.
Apropos „anstrengend“: The Knick ist keine seichte Abendunterhaltung. Konstante Aufmerksam ist gefordert, ebenso wie eine hohe Ausdauer, denn die Serie ist nicht nur nüchtern, sondern auch äußerst subtil und ruhig erzählt – zum Teil etwas zu ruhig. Und einen starken Magen braucht es auch. Die nicht gerade seltenen Operationen sind oftmals so blutig und unangenehm, dass man auf den Snack zwischendurch besser verzichten sollte.

Das alles kreiert im Ergebnis eine Atmosphäre, die gut und gerne mit der eines Boardwalk Empire mithalten kann. The Knick liefert kein romantisiertes Bild der damaligen Zeit. Der menschliche Körper – seien es Frauen oder Leichen – ist hier eine Handelsware, das Leben eines normalen Arbeiters nur einige Dollar wert und so etwas wie Empathie wollen wir hier bitte auch nicht aufkommen lassen. Das überschreitet des öfteren auch schon mal die Grenze zur Kaltherzigkeit – aber genau das ist es, was die Serie so gut macht. Kostüme, Make-Up und Kulissen – allesamt alles andere als Hochglanz – tragen ihr übriges dazu bei.

The Knick wird hierzulande wohl noch einige Zeit unter dem Radar laufen. Das Ende bisher einzigen Staffel mit zehn ca. 50 Minuten langen Folgen verspricht jedoch einige Veränderungen für die Ende 2015 anlaufende zweite Season. Sollten die Bedingungen gleich bleiben und noch etwas am Erzähltempo geschraubt werden, könnte da Großes auf uns zukommen.

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