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Kino Review: „Mad Max: Fury Road“

Mad Max: Fury Road (George Miller, USA/AUS 2015)

Seit dem ersten Trailer war ich von Mad Max: Fury Road vollkommen angefixt. Dabei muss man sich vor solchen Action-Blockbuster-Trailern eigentlich in Acht nehmen. Auch beim vierten Teil / Reboot der Mad Max-Reihe hätte vieles schief gehen können. Ist es glücklicherweise aber nicht.


https://i2.wp.com/www.shockya.com/news/wp-content/uploads/MMFR_TeaserPoster.jpgQuelle: shockya.com

Fury Road ist ein (Sommer-)Blockbuster im allerbesten Sinne: angesiedelt in einem postapokalyptischen Szenario erzählt er eine einfache, kompakte Geschichte, tut dies aber alles andere als anspruchslos und zeichnet sich vor allem durch Tempo aus. Das heißt auch: schneller, direkter Einstieg in die Story.
Denn bereits nach 2 Minuten wird der titelgebende Held von den Mitgliedern einer Überlebenden-Kolonie gefangenen genommen – wenig später entbrennt eine Verfolgungsjagd, die bis zum Ende des Filmes nicht mehr aufhört. Da findet man sich auch als Nichtkenner der älteren Serienteile, zu denen ich bis vor ein paar Tagen ebenfalls noch gehörte, sofort zurecht (als Kenner der Mel Gibson-Filme kann man zumindest zahlreiche optische und narrative Anspielungen entdecken). Ebenso wenig komplex wie die Geschichte sind dann auch ihre Figuren: der Anti-Held, der von seiner Vergangenheit verfolgt wird (der großartige Tom Hardy); der Clanführer, der sein Volk unterdrückt (Hugh Keays-Byrne); und die Rebellin, die ihn aus guten Gründen hintergeht (Charlize Theron).

Im Ausgleich dafür bietet Mad Max zum einen ein Szenario, das von den Machern höchst faszinierend gestaltet wurde. Wenn V8-Motoren gottgleich angebetet werden, wenn das Lenkrad zum sakralen Symbol wird oder wenn sich der Antagonist eine solch hohe Stellung gibt, dass seine Untergebenen lediglich den Rang „Imperator“ tragen, dann kann man nicht nur den Staub, den Wind und die Hitze, sondern auch den Wahnsinn in dieser Welt hautnah spüren und ihm einige Male eine gewisse Komik abgewinnen. Dennoch nimmt der Film sich sehr ernst, was ihm auch äußerst gut tut. Für die selbstironischen Gags der aktuellen Marvel-Filme gibt es bei Fury Road keinen Platz.
Hinzu kommt, dass das Ganze unglaublich detailliert ausgearbeitet wurde: in Kostümen, Requisiten, Kulissen und den Maschinen steckt stets so viel individuelle Handarbeit, dass man sicherlich noch bei der dritten und vierten Sichtung neue Einzelheiten entdecken kann.

Zum anderen überzeugt Fury Road auf voller Länge bei dem, worauf es in diesem Genre wirklich ankommt: der Action. Dabei gelingt nicht nur die nahezu optimale Mischung aus (sehr viel) praktischen Effekten und (dem vergleichsweise dezentem, aber wirkungsvollen Einsatz von) CGI. Es wird auch – und das, obwohl es sich fast ausschließlich um Verfolgungsjagden handelt – niemals langweilig, da sich in jeder Szene die Umgebung verändert hat und/oder neue Taktiken/Waffen zum Einsatz kommen.
Der Film nimmt sich an den richtigen Stellen ausreichend Zeit, um kurz zu pausieren, dabei die Geschichte voranzutreiben und seine Figuren zu entwickeln. Zudem – das muss heutzutage ja ebenfalls gelobt werden – kommt er gänzlich ohne Wackelkamera aus: der optisch-räumliche Überblick ist selbst im größten Chaos gewährleistet.
Untermalt wird das Ganze durch einen treibenden Soundtrack, der für sich genommen okay ist, im Zusammenspiel mit der grandiosen Inszenierung und der Bildgewalt jedoch perfekt funktioniert und damit einen Adrenalinrausch erzeugt, den sonst nur die besten Werke dieses Genre erreichen. Wer nach dem Kinobesuch mit dem Auto nach Hause fährt, sollte auf jeden Fall seinen Tacho im Auge behalten.

Mad Max 4 ist sicherlich kein Film, an dem sich die Geister scheiden werden. Wer derartigen Werken – das heißt Action- und/oder Endzeit-Filmen – auch nur ein bisschen abgewinnen kann, wird hier allerfeinste Unterhaltung und wahrscheinlich sogar den heiligen Genre-Gral dieses Kinojahres finden. Fury Road fällt dabei (im besten Sinne) aus der Zeit: ruhige Kameraarbeit, viel handgemachte Action, keine schlecht geschriebene, erzwungene Charakterentwicklung oder Romanze und – höchstbeachtlich – starke Frauenfiguren, die ihm sogar einen feministischen Anklang geben.

Dass ein alter Hase wie George Miller noch einen solch bombastischen Film inszenieren konnte, ist demnach nicht nur beachtenswert, sondern auch extrem positiv zu bewerten. Mad Max: Fury Road ist ein puristischer, moderner Action-Streifen mit dem Besten aus Alt und Neu, welcher sich – Gott sei Dank – nicht beim aktuellen Blockbusterstil anbiedert. Ein Film, den man am Tag nach dem ersten Kinobesuch direkt noch einmal sehen möchte und der damit eine ähnlich starke Wirkung hat, wie es damals 300 oder The Raid bei mir hatten. Ich kann einfach kein anderes Urteil fällen als „Unfassbar gut“.

8 Kommentare zu „Kino Review: „Mad Max: Fury Road“ Hinterlasse einen Kommentar

  1. Ich war nach dem Trailer alles andere als begeistert. Wieder einer dieser unnötigen Reboots, habe ich gedacht. Doch der Film hat mich positiv überrascht. Auch ohne Vorkenntnisse versteht man schnell worum es geht. Auch die ansonsten im Actiongenre als hübsche Kleiderständer fungierenden Frauenrollen machen -nicht zuletzt wegen der aktuellen „Frauen im Film“-Debatte – wirklich Spaß.

    Hier meine Review: https://filmkompass.wordpress.com/2015/06/05/mad-max-fury-road-o-2015/

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  2. Um mal eine Gegenstimme abzugeben (jaja etwas spät ich weiß). Ich verstehe die Jubelarien überhaupt nicht. Einer der ganz wenigen Filme bei denen ich mich hinterher richtig geärgert habe über die verschwendete Zeit. Für mich einer der miesesten Filme die ich lange gesehen habe. Alleine optisch kann ich den Kritiken recht geben.Die Inszenierung als solche ist großes Kino zugegeben. Ansonsten ist der Film eine dermaßen sinnlose Aneinanderreihung völlig sinnloser Actionszenen dass ich geistig irgendwann nur noch ausgestiegen bin und gehofft habe dass der Mist bald rum ist. Und das will was heißen, ich kann mir sonst auch ohne Kopfschmerzen Sachen wie Transformers oder Pacific Rim anschauen. Der „Großartige“ Tom Hardy tut zu 95% nichts anderes im Film als grimmig in die Landschaft zu gucken. Die starken Frauenfiguren werden gleich mit einem sinnlosen Wet-T-Shirt Contest vorgestellt. Der ganze Plot generell ist ein verfilmter Hirnriss. „Lass uns in die Wüste fahren ins gelobte Land – oh doch nicht, na gut fahren wir eben wieder zurück“ ernsthaft!?

    Aber wahrscheinlich habe ich nur den großartigen künstlerisch wertvollen Aspekt nicht verstanden das mag sein.
    https://derfuchsi.wordpress.com/2018/06/16/mad-max-fury-road/

    Gefällt 1 Person

    • Dass der Film irgendeinen künstlerisch wertvollen Aspekt hat, hat glaube ich niemals irgendjemand behauptet. Dass Story und Figuren sehr einfach gestrickt ist, stelle ich auch nicht in Frage – sie sind absolut rudimentär. Aber genau deshalb passt es ja! Gegenbeispiel Transformers: Da werden auf Krampf irgendwelche pseudo-komplexen und epischen Handlungsstränge aufgemacht, die aber einfach nur Quark sind. Und die Figuren sollen zwar Profil haben, sind aber unsympathische Volldeppen (Mark Wahlberg und sein „Du fasst meine Tochter nicht an“-Syndrom…).
      Und genau das macht Fury Road in meinen Augen so großartig: Dass er das, worauf es in einem Actionfeuerwerk nur am Rande ankommt (Story, Figuren) auch nur sehr rudimentär, aber ausreichend ausschmückt. Der wahre Wert liegt in der bombastischen Action und ihrer brillanten Inszenierung.

      Gefällt 1 Person

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