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Kino-Review: „Fack ju Göhte 2“

Fack ju Göhte 2 (Bora Dagtekin, DEU 2015)

Nach dem immensen Erfolg von Fack ju Göhte war es nur logisch, dass es früher oder später – wohl eher früh als spät – einen Nachfolger geben würde. „Solange die Kuh noch Milch gibt…“ ist kein neues Motto in der Filmindustrie – und insbesondere bei Constantin Film nicht. Nun könnte man natürlich ein Pamphlet über die Sequelmaschinerie schreiben, entscheidend ist doch aber nur die Frage, ob dabei ein guter Film herausgekommen ist. Um es kurz zu machen: bei Fack ju Göhte 2 das ist nicht der Fall.

Fack-Ju-Goehte-2-Poster

Immerhin Schauwerte
Trotz monatelanger Verweigerung meinerseits sah ich mir Teil 1 doch noch irgendwann an. Und ich bereute es nicht. Fack ju Göhte war 2013 eine erfrischend freche Komödie, die als einzelne, filmische Einheit ziemlich gut funktionierte. Die Geschichte des Kleinkriminellen, der aus Versehen zum Lehrer einer Schulklasse von Prolls, Versagern und Idioten wird, obwohl er nur an das unter der Schule vergrabene Geld herankommen möchte, war zwar nicht herausragend, aber irgendwie passte das alles schon sehr gut zusammen.

Für den zweiten Teil schnappte man sich nun einfach das Originaldrehbuch, schrieb es ein wenig um und, voilà, fertig ist ein Nachfolger: Zeki Müller (Elyas M’Barek)  ist immer noch Lehrer der selben Klasse, findet einen Teil der Beute aus seinem altem Raubzug und versteckt diese – natürlich – in einem Stofftier, das dann – natürlich – im Zuge einer Spendenaktion nach Thailand geschickt wird. Zeki schafft es, eine Klassenfahrt nach Thailand zu organisieren, und will sich dort seinen Anteil zurückholen.

Sofort fällt auf, dass man wohl nicht allzu kreativ werden wollte (oder konnte?). Das Ziel war es, das Geschehen aus dem deutschen Unterdurchschnitts-Klassenzimmer in ein gänzlich anderes Szenario zu packen, und dieses Ziel wird auch erreicht. Fack ju Göhte 2 liegt viel – leider zu viel – daran, mehr optische Schauwerte als sein Vorgänger zu liefern. Das gelingt ihm mit den ansehnlichen Landschaften Thailands auch ganz ordentlich.
Doch das ist es schließlich nicht, was eine Komödie ausmacht: Es kommt in aller-allererster Linie auf den Humor an. Und da versagt Fack ju Göhte 2 nahezu auf ganzer Linie.

#Witzefrei
Nun weiß ich nicht, ob ich einfach an einem schlechten Tag oder in der falschen Stimmung erwischt wurde, aber ich persönlich musste kein einziges mal lachen – auch wenn ich damit scheinbar allein im Kino war. Aber wirklich: kein einziges mal. Lediglich einige Schmunzler konnte Fack ju Göhte 2 aus mir herauskitzeln, doch einen wirklichen Brüller suchte ich vergebens. Zudem wurden die wenigen Stellen, die dazu Potenzial besessen hätten, bereits in zahlreichen Trailern und Teasern verbraten. Humoristisch operiert der Film im absoluten Klischee-Bereich, was – wie zahlreiche Beispiel zeigen – ja durchaus funktionieren kann. Wenn das jedoch derart ausgereizt wird wie hier und nicht einmal der Versuch unternommen wird, irgendwann damit zu brechen, ist man ganz schneller genervt denn amüsiert. Dass die haarsträubende Dummheit der Schüler die größte der verstaubten Gag-Fundgruben ist, aus der sich die Macher bedienen, war bereits klar. Gleiches gilt für die vielfachen YouTube-Persiflagen. Beides geschenkt.
Aber diese unerträgliche Anbiederung an die Big Bang TheoryWelle in Form des bis zur Fremdscham überzogenen Nerds, der im Urlaub am liebsten Elbisch lernt, braucht kein Mensch; ebenso wenig wie die kläglichen Versuche, möglichst lustige Pöbeleien und Beleidigungen auf die Leinwand zu bringen. Anstatt Farid Bang, dem es selbst in einer halben Minute gelingt zu beweisen, dass er immer noch nicht schauspielern kann, ein weiteres mal vor die Kamera zu setzen, hätte man ihm lieber mal diese Aufgabe übertragen sollen…

Abgesehen von den stellenweise recht seltsamen (sprich: schlechten) Schnitten und den Deutschfilm-typischen Tonproblemen (sprich: einige Textzeilen habe ich schlicht nicht verstanden), fällt auf, dass die Verantwortlichen offenbar nicht wirklich wissen, wie man Pointen filmisch inszeniert. Ist aber auch egal, wenn gefühlt jede zweite davon „Chantal, Halt die Fresse!“ lautet.

Fazit
Fack Ju Göhte 2 versagt an genau jenem Sprung, der den Machern von 21 Jump Street zu 22 Jump Street so elegant gelungen ist: statt offen darzulegen, dass man genau das gleiche ein zweites Mal macht, dabei aber noch bessere Witze liefert, gaukelt man hier vor, irgendetwas Neues machen zu wollen, liefert eine aufgepumpte Kopie des ersten Teils ab, schnappt sich dessen vermeintlich beste Gags und verteilt sie in größtmöglicher Flach- und Überzogenheit über 105 Minuten Laufzeit. Fack ju Göhte 2 ist vielleicht kein absoluter filmischer Fehlschlag – aber ein Musterbeispiel für eine überflüssige Vorsetzung, die einem sogar den Vorgänger madig macht.

Video & Bilder: (c) Constantin Film

4 Kommentare zu „Kino-Review: „Fack ju Göhte 2“ Hinterlasse einen Kommentar

  1. Das klingt wirklich gar nicht berauschend. Mir ging es schon bei Teil I wie Dir bei Teil II, deswegen hätte ich so oder so um Teil II einen großen Bogen gemacht. Mich freut aber, dass es ein paar Augsburger Kulturveranstaltugns-Plakate in den Film geschafft haben: irgendwo müssen bezaubernde Brecht- und ähnliche-Plakate zu sehen sein 🙂

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