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Trailerpark #4 [Trash-Edition]: „Bruder vor Luder“

Ich weiß, es ist höchst unmoralisch von mir, diesem Machwerk auch nur einen Funken Aufmerksamkeit entgegenzubringen. Aber ich muss jetzt einfach mal die ganze Abscheu loswerden, die sich durch den folgenden Trailer in mir aufgestaut hat.

Nur wenige Monate nach Kartoffelsalat, dem – wie das Internet entschieden hat – schlechtesten Film aller Zeiten, kommt bereits der zweite YouTuber-Spielfilm in die deutschen Kinos. Nun gibt es ja nicht wenige Trailer, die schlecht beginnen, nur um in ihrem Verlauf noch schlechter zu werden. Aber selbst unter denen bildet der zu Bruder vor Luder ein Extrem.

Dabei ist die Tatsache, dass die Hauptrollen hier von deutschen YouTube-Stars übernommen werden, ja nur die Spitze des Eisbergs. Selbst wenn man nicht zu deren Zielgruppe gehört, krankt es bei diesem Film (für den dieser Trailer vermutlich vollkommen repräsentativ ist) an allen Ecken und Enden. Das Drehbuch wurde entweder von einem 14jährigen verfasst oder von einem 40jährigen, der mit dem Ende der Backstreet-Boys auch aufgehört hat, sich neue Filme anzuschauen.
Diese Boygroup-Aufstiegsstory ist ja per se nichts schlechtes, hat bei Straight outta Compton schließlich auch funktioniert. Gruselig wird sie erst dadurch, dass sie in ihrer Grundlage so realistisch (man sehe sich die riesigen Fan-Aufmärsche bei YouTuber-Auftritten an), in ihrer filmischen Umsetzung dann aber so widerlich fiktiv-verklärt und klischeebeladen ist.

Gepaart wird das Ganze mit unfassbar unterirdischem Schauspiel, aber zumindest eine Sache scheint Bruder vor Luder wirklich zu gelingen: nämlich die ganze Grässlichkeit der YouTube-Ästhetik und die Plattheit ihres „Humors“ auf Leinwand zu bannen. Man beachte das Wackeln des Bildes in Kombination mit dem verbrauchten Comedytrailer-Scratch-Geräusch, wenn das Mädchen aus dem Rollstuhl gestoßen wird. Oder den Satz „Ich bin deutscher als Hitler“, gefolgt von der grandiosen Pointe: „Und Hitler ist Österrreicher gewesen.“ Oder den Gag mit dem Abführmittel. Oder einfach nur Oliver Pocher.

Ich kann mir bildlich vorstellen, wie die Vertreter von Mediakraft den Verantwortlichen von Constantin Film dieses Konzept schmackhaft gemacht haben: „Kaum Kosten“, „große, werberelevante Zielgruppe“, „an Weihnachten werden die ganzen Familien reinrennen“, „wird sich auf jeden Fall refinanzieren“ und „Netzwerkeffekte“ werden da die ganz großen Schlagworte gewesen sein.

Lasst uns hoffen, dass das Projekt rote Zahlen schreibt, damit die Welle billig produzierter, unglaublich schlechter YouTuber-Filme verebbt noch bevor sie richtig anschwellen kann.
Sorry für diesen Rant, aber über Scheiße vor der eigenen Haustür darf man sich ruhig mal aufregen.

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