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Filme gesehen #62

Das Jahr neigt sich dem Ende und deshalb kriechen allmählich die Weihnachtsfilme aus ihren Sommernestern. Neben James Bond – Goldfinger und Housebound diese Woche deswegen mit Schöne Bescherung und Das Wunder von Manhattan.

Goldfinger (Guy Hamilton, UK 1964)
Der dritte Sean Connery-Bond scheint auf den ersten Blick nicht an Liebesgrüße aus Moskau heranzukommen. Okay, der Titelsong ist eine Wucht, aber der Bösewicht ist ein ziemlicher Lappen, der Bondgirl-Verschleiß unangenehm hoch und wie unbedeutend Gadgets sind, wird spätestens dann klar, wenn jedes davon innerhalb einer einzigen Sequenz genau einmal zum Einsatz kommt.  Und doch wird Goldfinger stets besser und besser, fühlt sich immer runder ein und sogar der Plan des Antagonisten ist letztlich erstaunlich kreativ und smart. Am Ende bleibt als einziger wirklicher Makel stehen, dass die Erklärung des finalen Storytwists absolut beiläufig und unbefriedigend stattfindet.
imdb / Trailer

Housebound (Gerard Johnstone, NZL 2014)
Wenn eine Kleinkriminelle zu einem achtmonatigen Hausarrest bei ihrer dezent verrückten Mutter verurteilt wird, dann klingt das zunächst nach einer perfekten Prämisse für einen Horror-Thriller: Die Protagonistin wird zum Verbleib an einem eng abgesteckten Ort verdammt und der Schrecken kann seinen Lauf nehmen. Doch anstatt sich konsequent daran zu halten und vielleicht sogar ein Kammerspiel zu inszenieren, bricht Housebound immer wieder mit dieser Formel. Und das tut dem Spannungsaufbau leider alles andere als gut. Das gelungene Finale macht dann zwar noch einiges gut, der Gesamteindruck kommt allerdings nicht über „Okay“ hinaus.
imdb / Trailer

Hilfe, es weihnachtet sehr (Christmas Vacation, Jeremiah Chechik, USA 1989)
Wie oft ich gehört habe, dass dies der perfekte Weihnachtsfilm sei! Die Griswolds sind ein kleiner Kult, den ich mir nach Hilfe, es weihnachtet sehr aber nicht wirklich erklären kann. Natürlich ist Humor stets etwas vollkommen subjektives und darüber hinaus ein Produkt seiner Zeit. Und zugegeben: Hilfe, es weihnachtet sehr ist auch kein humoristischer Reinfall. Aber eben auch kein Brüller. Dafür überzeugt wenigstens die Geschichte. Die zeigt nämlich, wie herrlich chaotisch so ein familiäres Beisammensein zur schönsten Zeit des Jahres sein kann – und wie man das trotzdem genießen und wertschätzen kann und sollte.
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Das Wunder von Manhattan (Miracle on 34th street, Les Mayfield, USA 1994)
Nach Das Wunder von Manhattan steht eine Sache fest: Richard Attenborough ist wirklich der perfekte Weihnachtsmann. Seine Performance ist aber auch die einzige wirkliche Qualität dieses Films. Das Wunder von Manhattan will den Zuschauer berühren – um jeden Preis. Und gleitet mehrfach in puren Kitsch ab. Die weibliche Hauptfigur und deren Tochter sind un-fass-bar nervig und unausstehlich, die Gerichtsverhandlung gegen Ende wirkt wie eine Parodie. Am unangenehmsten ist jedoch, dass dieser Film unfreiwillig und trotz gegenteiliger Absichten die Verwebung von Kapitalismus und Weihnachten aufdeckt. Ein im wahrsten Sinne des Wortes modernes Weihnachtsmärchen also: nur genießbar, wenn man sich von jeglicher kritischer Haltung frei macht.
imdb / Trailer

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