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„Star Wars Episode VII: Das Erwachen der Macht“: Kritik (Leichte Spoiler)

Ich gehöre zu derjenigen Generation, die den Beginn der neuen Star Wars-Trilogie noch als Kind erlebt hat. Der kulturelle Schock, den die älteren mit Episode I erfahren haben, ist an mir also vorbeigegangen. Vor einigen Tagen nun lief also Star Wars Episode VII im Kino an und es wäre durchaus möglich gewesen, dass sich das Ganze wiederholt. Ein Glück, dass das nicht passiert ist.

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Endlich wieder Star Wars!

Das Erwachen der Macht beginnt selbstverständlich so, wie ein Star Wars beginnen muss. Nach einer gefühlt unendlich langen Werbe- und Trailershow ist es im Kinosaal endlich still. In dem Moment, in dem der Titel erscheint und von der charakteristischen Musik begleitet wird, weiß man: die lange Wartezeit ist endlich vorbei. Und jetzt wird sich zeigen, ob der Hype gerechtfertigt war.

Die Handlung setzt auf dem Wüstenplaneten Jakku ein. Poe Dameron (Oscar Isaac), Pilot beim Widerstand, soll dort eine Karte auftreiben, die den Aufenthaltsort des seit Jahren verschwundenen Luke Skywalker zeigen soll. Die Erste Ordnung, hervorgegangen aus den Überresten des Imperiums und angeführt von Kylo Ren (Adam Driver) und Genereal Hux (Domhnall Gleeson), ist ihm jedoch auf den Versen. Die Karte gelangt schließlich über den Droiden BB-8 in die Hände der jungen Schrottsammlerin Rey (Daisy Ridley) und des Deserteurs Finn (John Boyega), die Poes Auftrag zu Ende bringen wollen.
Falls diese Ausgangssituation dem einen oder anderen bekannt vorkommt, dann ist das kein Zufall: Das Erwachen der Macht gleicht in seiner ganzen grundlegenden Struktur dem allerersten Star Wars-Film. Selbiges gilt für die Schauplätze, die Figurenkonstellation und die grundlegende Thematik der Konflikte. Ein Gefühl der Vertrautheit stellt sich ein. Man merkt, dass J.J. Abrams die Wurzeln der Reihe achtet, ihnen treu bleiben und keine bahnbrechend neue Richtung einschlagen will. Das bedeutet allerdings auch, dass Das Erwachen der Macht insgesamt recht ideenlos wirkt. Der Film ist eine schlichte und konsequente Fortführung des Endes von Episode VI – eine zeitgemäße Neuinterpretation einer erfolgreichen Story-Blaupause, aber kein Gamechanger.

Abrams hat auf Nummer sich gespielt. Man kann ihm also Mutlosigkeit attestieren – bei einem solch enormen öffentlichen Druck ist das allerdings auch verständlich. Und sicher war ein innovatives Story-Konzept nicht das, was die Qualität der Alten Trilogie ausgemacht hat. Das waren vielmehr die Figuren, die Gestaltung der Welt und die Atmosphäre. Und in all diesen drei Punkten kann Abrams Werk überzeugen.

Gute Figuren gut, Böse Figuren schlecht

Das Protagonisten-Pärchen aus Rey und Finn funktioniert tadellos. Es sind keine tiefgezeichneten Figuren und ihr Zusammenspiel mag stellenweise an eine Buddy-Komödie erinnern. Aber sie sind sympathisch und greifbar genug, um ideale Star Wars-Hauptakteure zu sein. Auch BB-8 ist als mobilere, moderne Version von R2D2 ein würdiger Ersatz für den ikonischen Droiden. Besonders aber Han Solos Part (Harrison Ford) ist ein absoluter Pluspunkt des Films, denn der schaut nicht – wie anfangs befürchtet – nur für einen kleinen Gastauftritt vorbei, sondern eine gewichtige Rolle ein.
Andererseits lässt sich unter den Figuren auch der absolute Schwachpunkt des Films finden: nämlich den Antagonisten. Kylo Ren ist bewusst als Darth Vader 2.0 angelegt: Seine innere Zerissenheit, seine Gnadenlosigkeit, seine Kraft und natürlich sein Aussehen. Die selbstauferlegte Rolle als Erbe Vaders hätte einen starken Bösewicht hervorbringen können – bis zu dem Moment, in dem Kylo Ren seine Maske abnimmt und damit der fatalsten Fehler des Films begangen wird. Nicht nur, dass das Mysterium, das im Falle Darth Vader für drei Filme fesselte und mit einem grandiosen Reveal endete, einfach so verpufft. In diesen Moment wird außerdem klar, welch eine Fehlbesetzung Adam Driver ist. Kylo Ren verliert mit einem mal alles, was einen guten Antagonisten ausmacht.

Immer dieser Blockbuster-Humor…

Bei der Gestaltung der Welt stellt sich J.J. Abrams durchweg besser an. Die Schauplätze stammen aus dem Star War-Standardrepertoire, sind dafür aber auch absolut stimmig und glänzen mit tollen Designs. Außerdem erhebt Abrams die Sturmtruppler vom totalen Kanonenfutter zur tatsächlichen Bedrohung. Von der Ersten Ordnung (btw: was für ein miserabler Lokalisationsfehlgriff) geht eine spürbar stärkere Gefahr aus als vom alten Imperium – die Parallelen zum Dritten Reich sind noch einmal deutlicher gezeichnet.
Auch die Reminiszenzen an die Alte Trilogie sind überwiegend gut gewählt. Wenn man kurz General Ackbar oder diesen seltsamen Kerl, der neben Lando Calrissian im Milleniumfalken saß, erblickt, dann gelingt der Brückenschlag zum Vorgänger. An anderer Stelle jedoch, nämlich dann wenn eine Pointe draus gemacht werden soll, wirkt das Ganze wie plattes Fanpleasing. Zum Glück halten sich diese Fälle in Grenzen.

A propos Humor: Das Erwachen der Macht macht keine Ausnahme vom aktuellen Blockbuster-Trend, trotz allen Ernstes immer wieder kleine Gags einzustreuen. Episode VII ist besonders in der ersten Hälfte ein ziemlich witziger Film, witziger als sämtliche Vorgänger. Zum Glück aber nicht albern. Jar Jar Binks-Momente bleiben uns erspart und insgesamt trägt der Humor eher positiv denn negativ zur Atmosphäre des Films bei.
Dass beim Soundtrack nichts falsch gehen konnte, versteht sich von selbst. Was aber durchaus hätte schief gehen können, war der Einsatz digitaler Effekte. Hier kann man beruhigt entwarnen: zwar ist auch die Welt von Episode VII gefüllt mit vollständig computeranimierten Figuren und Objekten (wie bzw. wieso sollte man heutzutage auch komplett darauf verzichten?). Das hält sich allerdings die Waage mit der Zahl maskierter Statisten, echter Kulissen und Modellen. Abrams hat hier ein angenehmes Gleichgewicht zwischen digital und analog gefunden.

Fazit

Das Erwachen der Macht ist eine ansehnliche Fortsetzung der Alten Trilogie und ein würdiger Start für eine neue geworden. Wer sich wenigstens halbwegs vor dem Hype geschützt hat, der wird das Kino in keinem Fall enttäuscht verlassen. Dafür sind all die Versatzstücke in Abrams Werk zu gut. Und dennoch kommt Episode VII nicht über dieses „gut“ hinaus und kratzt leider nur an der Grenze zu „sehr gut“. Streng genommen ist das für einen neuen Star Wars eigentlich zu wenig. Es liegt nun in der Hand ganz anderer Leute, aus J.J. Abrams Grundstein etwas zu machen, was den Namen Star Wars mit Würde tragen kann. Möge die Macht mit ihnen sein.

6 Kommentare zu „„Star Wars Episode VII: Das Erwachen der Macht“: Kritik (Leichte Spoiler) Hinterlasse einen Kommentar

  1. Ganz meiner Meinung! Adam Driver ist die totale Fehlbesetzung für einen Bösewicht! Er sieht nicht nur aus wie eine Lusche, er spielt auch so! Im letzten Teil der Star Wars Saga soll Dieter Hallervorden den neuen Kylo Rem spielen, habe ich gehört!

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