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Kritik: „A War“ – Krieg an zwei Fronten

A War (Krigen, Tobias Lindholm DNK 2015)

Im dänischen Beitrag zur Oscar-Nominierung bekommt ein Offizier die Folgen seiner Befehle zu spüren. Eine moralische Kluft tut sich auf – sowohl beim Protagonisten als auch beim Zuschauer. Einer der besten Anti-Kriegsfilme der jüngeren Vergangenheit.

a war plakat 2

Um die Antwort auf die obligatorische Frage, ob es denn überhaupt so etwas wie Anti-Kriegsfilme gäbe, gleich zu beantworten: A War ist nicht so „Anti“, wie man es vielleicht erwarten würde. Dieser Film ist kein flammendes Plädoyer gegen den Krieg. Keine Zurschaustellung von Grausamkeiten oder Wahnsinn. Kein James Ryankein Full Metal Jacket, kein Apocalypse Now. A War wirft stattdessen ein viel tiefgreifenderes Dilemma auf.

Die Handlung, die dafür die Grundlage liefert, dreht sich um den dänischen Offizier Claus Michael Pedersen (Pilou Asbæk), der in Afghanistan das Kommando über eine kleine Truppe Soldaten hat. Außeneinsätze beschränken sich zumeist auf Minenräumung und die Unterstützung der ansässigen Bevölkerung. Als es zu einer Notsituation kommt, erteilt Pedersen einen Befehl mit weitreichenden Folgen.

Toller Sound, nervöse Kamera
A War 
punktet ab Minute eins damit, dass er sich wahnsinnig authentisch anfühlt. Das betrifft nicht nur Kulissen und Kostüme, sondern auch das Tempo. A War ist ein äußerst ruhig erzählter Film, viel Munition kommt hier nicht zum Einsatz. Stattdessen wird überwiegend gewartet, patroulliert und mit der Zivilbevölkerung kommuniziert. Die wenigen Momente, in denen Schüsse fallen, sind dafür umso intensiver, auch dank der guten Soundkulisse. Also: der herausragend guten, absolut intensiven Soundkulisse, die einen bei ordentlicher Anlage ein ums andere Mal zusammenzucken lässt.

Wo die auditive Ebene überzeugen kann, gibt es auf visueller leider einige Probleme So sehr der kriegsreporterähnliche Kamera-Einsatz der Intensität und Glaubwürdigkeit vieler Szenen zugute kommen mag (wodurch das Ganze einen fast schon dokumentarischen Anstrich erhält) – so störend ist oftmals die Tatsache, dass die Kamera einfach nicht stillhalten will. Selbst in vielen ruhigen Momenten wackelt und zuckelt es.

A WAR

„Papa, ist es wahr, dass du Menschen getötet hast?“
A War nimmt sich eine ganze Stunde Zeit, um Handlung und Spannung sukzessive aufzubauen und uns seine Figuren nahezubringen. Der Schauplatz wechselt immer wieder zwischen Afghanistan und Dänemark, wo Pedersens Ehefrau an einer ganz eigenen, privaten Front zu kämpfen hat. Zwischen all dem Betrübenden und Bedrückenden streut Regisseur Tobias Lindholm immer wieder Momente der Menschlichkeit ein, die die Figuren umso greifbarer und vielschichtiger machen. Ganz ohne emotionalen Holzhammer.

Die Sequenzen in der Heimat fühlen sich zunächst ein wenig zäh bis überflüssig an, doch das Ganze geht in der zweiten Hälfte vollkommen auf. Dann wird A War zu einem Familiendrama, das aus diesem langsamen, detaillierten Aufbau profitiert – und zum Portrait eines Soldaten, dessen Kampf noch lang nicht vorbei ist, wenn er das Schlachtfeld verlassen hat.

Und dann sind sowohl Protagonist als auch Zuschauer gefangen in einem Dilemma, auf das es keine einfache Antwort gibt. Hin- und hergerissen zwischen Familie und Sühne, zwischen Empathie und Gerechtigkeit. A War ist hochgradig ambivalent. Ein Film, der schwere Frage aufwirft, ohne sich in simple Lösung zu flüchten. Oder ohne überhaupt nur irgendeine zu geben, denn am Ende bleibt er eine endgültige Antwort schuldig. A War lässt einen nicht befriedigt, sondern genau so nachdenklich und zwiegespalten zurück wie seine Hauptfigur.

Fazit
Krieg wird in A War weder legitimiert, noch gänzlich verachtet. Der Film nimmt stattdessen eine elegante Position zwischen diesen beiden Extremen ein. Seine Geschichte ist nur eine von vielen, vielen tragischen, die im Krieg geschrieben werden – eine intime, glaubwürdige und höchst authentisch inszenierte, die einen moralischen Zwiespalt kreiert und es dem seinem Publikum überlässt, seine eigene Antwort darauf zu finden. A War ist der bessere American Sniper. Und ja, auch ein Anti-Kriegsfilm. Und zwar ein sehr guter.

A War startet in Deutschland am 14. April 2016 in den Kinos.

5,0

Bilder & Trailer: (c) Studiocanal

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