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Kritik: „Central Intelligence“

Central Intelligence (Rawson Marshall Thurber, USA 2016)

Überraschend gute Action-Agenten-Comedy mit Dwayne „The Rock“ Johnson und Kevin Hart.

Gerade einmal zwei Wochen nach dem Kinostart scheint Central Intelligence schon wieder aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden zu sein. Eine kurze Lebensspanne für einen kurzweiligen Film, könnte man sagen. Okay, das ist vielleicht ein bisschen zynisch – Central Intelligence wird in den kommenden Tagen sicherlich noch einige Zuschauer ins Kino und in wenigen Monaten auch zum Verkaufstisch im Supermarkt locken. Denn obwohl er alles andere als ein filmischer Meilenstein ist, können  Freunde gepflegter Actionkomödien definitiv einen Blick riskieren.CE Poster

Komplexe und Kontraste
Das sich das durchaus lohnen könnte, wird bereits beim ersten Blick auf das Filmposter klar. Mit Dwayne „The Rock“ Johnson (wird er diesen Beinamen irgendwann nochmal los-werden?) hat Central Intelligence zumindest schon mal einen sicheren Garanten für gute Unterhaltung zu bieten. Der ehemalige WWE-Cham-pion hat in den letzten vier Jahren ein gutes Gespür für Rollen bewiesen, die er perfekt ausfüllen und immer wieder zu den eigentlichen Highlights des Films machen konnte – siehe Hercules, Pain & Gain oder Fast & Furious.

Central Intelligence markiert einen weiteren Stern auf diesem Brett, denn Johnson ist das absolute Glanzlicht dieses Films. Im Prolog bekommen wir ihn zunächst (im wahrsten Sinne des Wortes) in gänzlich ungewöhnlicher Form zu sehen. Als 250 Pfund schwerer, adipöser Jugendlicher Robbie Weirdicht wird er Mitte der 90er von seinen Mitschülern gemobbt und im Adamskostüm in der Sporthalle vor der gesamten Schule bloßgestellt, während Calvin Joyner (Kevin Hart) gerade als Jahrgangsbester und Schüler mit der vielversprechendsten Zukunft geehrt wird. Als sie sich 20 Jahre später wiedersehen, hat sich all das ins genaue Gegenteil gekehrt: Calvin ist als einfacher Buchhalter auf der Karriereleiter stecken geblieben, Robbie hingegen ist zum Muskelpaket und CIA-Agenten geworden, der seinen neu gewonnen Freund sogleich in seine aktuelle Mission einspannt.

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Dabei könnte bei Robbie der Kontrast zwischen Körperlichkeit und Charakter kaum größer sein. Bob Stone, wie er sich nun nennt, gibt sich als sympathisch-naiver Gutmensch par excellence und könnte damit kaum weiter vom üblichen Stereotyp des coolen Agenten entfernt sein. Mit beinahe jedem Satz und jeder Geste ringt er dem Zuschauer einen Lacher oder zumindest ein Lächeln ab. Seine Begeisterung für Bauchtaschen und Einhörner (die er mittels T-Shirt öffentlich zur Schau stellt), liebevoll-dümmliche Sprüche und nicht zuletzt dieses bezaubernde Lächeln – Johnson reißt mühelos jede seiner Szenen an sich, und wenn er einmal wenige Minuten nicht zu sehen ist, vermisst man ihn schmerzlich. Er ist damit das Beste, was Central Intelligence passieren konnte.

Im krassen Gegensatz dazu steht sein unfreiwilliger Komplize, der zwar als liebenswerter Loser und Langweiler angelegt ist, dem im Endergebnis aber vor allem eines gelingt: Zu nerven. Nun konnte mich Kevin Hart bisher in keiner seiner Filmrollen begeistern, denn wer vom Stand-Up kommt, taugt nicht automatisch als Spielfilmdarsteller. Natürlich mag der Mann (speziell im O-Ton) auch seine Qualitäten haben. In Central Intelligence aber verkommt seine Figur nach der ersten halben Stunde zu einem hibbeligen, nerven-strapazierenden Quälgeist, der jede Szene ohne seinen Partner zu einer wahren Geduldsprobe macht. Der Kern einer jeden Buddy-Geschichte ist der Kontrast zwischen seinen Protagonisten – in Central Intelligence wird das auf die Spitze getrieben, was nicht immer zum besten Ergebnis führt.

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„So sexy wie ein schwarzer Schwanz“
Der Humor von Central Intelligence mag nicht das Maß aller Dinge sein, funktioniert (bis auf Kevin Harts strapazierende Energieausbrüche) aber über weite Strecken gut bis sehr gut. Der Film verwehrt sich angenehmerweise dem typischen Pointen-Schema, stattdessen speist er seine Komik vor allem aus Johnsons Verschrobenheit und den dynamischen wie absurden Dialogen. Wenn Robbie seinen ehemaligen Mitschüler mit „Du bist so sexy wie ein schwarzer Schwanz“ begrüßt, dann kommt das ebenso unerwartet wie skurril daher und verleiht dem Film einen ganz eigenen, komödiantischen Vibe. Selbst in den visuellen Details verstecken sich immer wieder gute, kleine Gags.

Schön auch, dass sich das Agentensetting nicht als bloßes Gimmick herausstellt. Stattdessen hat man sich beim Drehbuch spürbar darum bemüht, dem Film zumindest halbwegs Substanz zu verleihen. So wirklich kommt die Handlung zwar erst nach einer knappen Stunde in Fahrt, wird gegen Ende aber überraschend komplex und legt bis dahin ein paar gewiefte falsche Fährten aus. In Central Intelligence sind die Gags um die Handlung herum gebaut, nicht wie sooft umgekehrt.
Und wenn es um Agenten geht, dann darf natürlich auch eine ordentliche Prise Action nicht fehlen. Hier offenbaren sich aber doch größere Schwächen, denn zum einen wird hier das Potential für visuelle Gags leider zu selten genutzt, zum anderen sind diese Sequenzen viel zu schnell geschnitten. Das macht die Kämpfe eher zur visuellen Strapaze als zu ästhetischen Höhepunkten.

Fazit
Central Intelligence 
reicht nicht an die Qualität moderner Genre-Highlights wie Hot Fuzz oder 21 und 22 Jump Street heran – konnte mich aber trotzdem positiv überraschen. So durchschnittlich, wie der Trailer es vermuten lässt, ist der Film keinesfalls. Die Handlung ist überraschend vielschichtig, der Humor stimmt. Vor allem aber Dwayne Johnson stellt sich als absoluter Casting-Glücksgriff heraus und schafft es sogar, Kevin Harts unfassbar nervtötende Rolle zu kompensieren. Kurzweiliger Spaß, auf den man notfalls auch noch bis zum Home-Release warten kann.

4,0

Bilder & Video: (c) Universal

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