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Kritik: „BFG – Big friendly Giant“

BFG – Big friendly Giant (The BFG, Steven Spielberg, USA/UK/CAN 2016)

Ein Animationsfilm mit riesigen Kreaturen in einer unbekannten Welt – werden da Erinnerungen an Jurassic Park wach? Ein solch großer Wurf ist Spielbergs The BFG  jedoch nicht.

Ich behaupte mal, dass die ganz großen Zeiten des Steven Spielberg vorbei sind. Der König der Traumfabrik ist immer noch ein großartiger Produzent und Regisseur, doch seit einigen Jahren folgt auf einen guten Film ein mäßiger. Nach dem gelungenen Spionage-Thriller Bridge of Spies  müsste es sich bei The BFG nach dieser Regel also um einen seiner schlechteren Filme handeln. Ich sehe mich bestätigt.bfp poster

Der freundliche Riese in der Nachbarschaft
Erneut bedient sich Spielberg einer Buchvorlage, die er zu einem cineas-tischen Spektakel machen will. The  BFG vom britischen Autor Roald Dahl (im Deutschen Sophiechen und der Riese) erschien 1982 und schildert die Geschichte des Waisen-mädchens Sophie, das eines nachts aus dem Fenster schaut und einen Riesen erblickt, der auf leisen Sohlen durch London schleicht. Als er sie bemerkt, ergreift er Sophie, um sie in seine Heimat mitzunehmen. Doch der big friendly giant ist bei weitem nicht so bedrohlich, wie er zunächst wirkt – sondern ein ganz Lieber, der sogar von seinen menschenfressenden bösen Nachbarn im Land der Riesen regelmäßig drangsaliert wird. In Sophie findet der BFG genau das, was ihm bisher gefehlt hat: einen Freund. Das kleine Mädchen verhilft ihm zu charakterlicher Größe.

The BFG schafft es, seine Handlung in schöne, bisweilen wunderschöne Bilder zu übersetzen. Die sind zwar zum Großteil digital erzeugt, doch bei einem solchen Namen wie „Spielberg“ versteht es sich von selbst, dass die Animationsechnik auf allerhöchstem Niveau ist. Mark Rylance, der Anfang des Jahres (nicht wirklich verdient) einen Oscar für seine Leistung in Bridge of Spies abgreifen konnte, diente als analoges Vorbild für den namensgebenden Riesen und kann ihm mit starker Mimik und einem herrlich trotteligen Slang erfolgreich Leben und Charakter verleihen. Besonders in der Heimat der Riesen fährt der Film einige beeindruckend hübsche Szenen und verspielte Kulissen auf. Dennoch haben wir noch lange nicht den Punkt erreicht, an dem sich digital und echt vollkommen vertragen. Wenn Sophie das einzige reale Element im Bild ist, fällt das stets negativ auf – auch weil das arme Mädchen deshalb viel zu oft einfach nur herumstehen muss, anstatt sich wie ein echtes Kind zu benehmen.

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Zwischen infantil und Fremdscham
The BFG 
ist ein Film für Kinder. Überflüssig zu sagen, dass das nichts verwerfliches ist. Die Frage ist jedoch, ob auch das ältere Publikum seine Freude haben kann. Abseits der Technik muss man hier leider mit einem klaren „Nein“ antworten. Weder wartet der Film (bzw. sein Setting) mit sonderlich kreativen Einfällen auf und kann dementsprechend selten überraschen, noch bietet er auf inhaltlicher Ebene irgendetwas, das auch Erwach-sene aus dem Kino mitnehmen könnten. Universale Werte wie Freundschaft, Respekt und Empathie funktionieren immer – doch The BFG vertritt sie mit einer derart gutmütigen Naivität, dass sie schon an Infantilität grenzt. Selbiges trifft auch auf den Humor zu: Der ist über weite Strecken okay, aber zu keiner Zeit herausragend und wird gegen Ende, wenn alle Anwesenden in einer Szene ihren Körpergasen freien Lauf lassen müssen, sogar sehr platt und fremdschämig.

Und so kann The BFG die Hürde zwischen reinem Kinderfilm und einem Kinderfilm, der auch für Erwachsene geeignet ist, nicht überschreiten – jene Grenze also, die erfolgreich von Zoomania, den meisten Pixar– und allen Ghibli-Filmen bewältigt wird. Da hilft auch die wie üblich superbe inszenatorische Kraft eines Steven Spielberg mit seinen langen, verspielten Kamerafahrten und einem verträumten Soundtrack wenig: The BFG wird beim Publikum jenseits der 14 kaum auf Begeisterung stoßen.

Fazit
Der Spielberg-Algorithmus hat sich ein weiteres Mal bewahrheitet: Nach Bridge of Spies kommt erneut ein mäßiger Film des Mannes hinter den größten Blockbustern der letzten Jahrzehnte in die Kinos. Dabei ist es gar nicht verwerflich, dass The BFG als Kinderfilm eine spezifische Zielgruppe ansprechen will – und trotzdem schade, dass er sich auf diese beschränkt, anstatt ein Film für die ganze Familie zu sein. Dennoch: Den Kleinen sollte The BFG sehr viel Spaß machen. Wer also überlegt, seine Kinder in den Film zu schicken, kann das bedenkenlos tun und auf die untere Wertung noch gute eineinhalb Punkte draufpacken.

BFG – Big friendly Giant startet am 21. Juli 2016 in den deutschen Kinos.

3,0

Bilder & Trailer: (c) Constantin Film

3 Kommentare zu „Kritik: „BFG – Big friendly Giant“ Hinterlasse einen Kommentar

  1. Vielen Dank für diese Kritik! Ich hatte schon Unterschiedliches gelesen bzw. gehört und hatte mir lediglich den Trailer zu Gemühte geführt (…hat mich aber auch nicht gefesselt).
    Ich finde seit Catch Me If You Can 2002 ist Spielberg kein größerer Erfolg in der Regie gelungen. Negativ Punkt dieser Abwärtsspirale war, meiner Meinung nach, der vierte Indiana Jones Teil :/

    Gefällt 1 Person

    • Jap, der Mann hat definitiv seine besten Zeiten hinter sich. Als Produzent hat er noch einiges auf dem Kasten. Als Regisseur kommt er aber nicht mehr an seine Klassiker ran.
      „Bridge of Spies“ war wie gesagt nochmal recht gut, „Lincoln“ wollte ich mir auch noch mal ansehen.

      Gefällt 1 Person

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