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Kritik: „Suicide Squad“

Das Stelldichein der DC-Superschurken entpuppt sich als einfallsloses und ödes Sammelsurium (unter)durchschnittlicher Szenen und Figuren mit geringem Unterhaltungswert.

Nach derart vielen schlechten bis vernichtenden Kritiken wollte ich für Suicide Squad eigentlich kein Geld an der Kinokasse lassen. Einerseits muss man sich aber eben manchmal dem Gruppenzwang beugen, andererseits gibt’s ja auch sowas wie Kinogutscheine, die man irgend-wann mal einlösen muss. Sei’s drum, ich bin ohne irgendwelche Erwartungen in Warners und DCs nächsten Versuch, Fuß im Superhelden-Genre zu fassen, gegangen. Als guter Film wird mir Suicide Squad  deshalb aber noch lange nicht im Gedächtnis bleiben – ja nicht mal als okayer.Suicide Poster

Feuer mit Feuer bekämpfen
Wer in den letzten Monaten nicht völlig hinterm Berg gelebt hat, dem dürfte die Prämisse von Suicide Sqaud schon aus einem der gefühlt zwei Dutzend Trailer bekannt sein: Die Regierungsagentin Amada Waller (Viola Davis) versammelt einige der gefährlichsten und talentier-testen Verbrecher und bildet aus ihnen die „Task Force X“, die sie zu einem pro-baten Gegenmittel für künftige Bedro-hungen durch sogenannte „Metawesen“ wie Superman und Co. machen will. Der Auftragskiller Deadshot (Will Smith), die verrückte Joker-Geliebte Harley Quinn (Margot Robbie), der Pyromane El Diablo (Jay Hernandez) und weitere werden mittels implantierter Sprengladungen zwangsrekrutiert und sehen sich sogleich mit ihrem ersten Auftrag konfroniert: irgendwo will mal wieder jemand die Menschheit vernichten. Die Hexe Enchantress (Cara Delevigne) verwandelt die Einwohner von Midway City in Zombies und muss gestoppt werden, bevor das auch noch mit dem Rest der Welt geschieht.

Puh, wo fängt man hier am besten an? Zunächst mal zur Handlung generell: die entspringt dem Standard-Drehbuchratgeber für Superheldenfilme und ist insofern weder innovativ, noch ein kompletter Fehlschlag. Vielmehr ist sie einfach nur vollkommen belanglos und unspektakulär – ein Vorwurf, den sich auch jeder andere Aspekt dieses Films gefallen lassen muss. Das fängt bei der hektischen und meist viel zu schnell geschnittenen Action an, die tatsächlich nur in einem einzigen Moment aus ihrer Mittelmäßigkeit herausragen kann – und setzt sich fort bis zu den Figuren.

Suicide 05

Figuren – zwischen flach und überflüssig
Und damit wären wir schon beim größten Knackpunkt von Suicide Sqaud: Seinen Figuren. Mit Will Smith und Margot Robbie werden uns zwei eindeutige Hauptrollen geboten, die ihre Sache auch ganz ordentlich machen. Besonders Smith, von dem ich seit dem desaströsen Hancock überzeugt war, dass er nicht zum Bösewicht resp. Anti-Helden taugt, füllt seine Rolle mit einer ordentlichen Portion Charisma aus. Robbie tut das, was sie tun muss, nämlich die wahnsinnige Harley Quinn mit expressivster Körpersprache und viel nackter Haut zu mimen – was mich persönlich nach einer halben Stunde aber einfach nur noch genervt hat. Schuld daran hat allerdings nicht unbedingt sie, sondern in erster Linie das Drehbuch.
Der einzige Charakter, der wirklich gefallen konnte, ist der menschliche Flammenwerfer El Diablo, der die heimliche Hauptfigur des Films ist und eine (gerade im Kontext des übrigens Casts) geradezu erholsame Mystik und Ruhe ausstrahlt. An dieser Stelle auch Respekt an die MakeUp-Artists, die Jay Hernandez mit äußerst imposanten Tattoos versehen haben.

Der Rest des Figurenarsenals schwankt zwischen flach und überflüssig. Die Antagonisten – Enchantress und Amanda Waller – sind stereotype Bösewichte ohne einen Hauch von Individualität und Anziehungskraft. Killer Croc (Adewale Akkinuoye-Agbaje), der anfangs noch herrlich bullig, gegen Ende aber seltsamerweise recht schmächtig erscheint, darf ein paar mal zuhauen, sorgt dann jedoch für einige der peinlichsten One-Liner, die ich seit langem erlebt habe. Captain Boomerang (Jai Courtney), der als Comic Relief immerhin für ein paar nette Momente sorgt, wirkt nutzlos und deplatziert. Letzteres gilt ebenso für die Schwertschwingerin Katana (Karen Fukuhara). Rick Flag (Joel Kinnaman) ist der perfekte, vollkommen langweilige 08/15-Soldaten-Stereotyp. Und dann gibt’s auch noch diesen Typen, der in letzter Sekunde zum Squad stößt und einzig dazu dient, die Wirkung der Sprengimplantate zu verdeutlichen – „lazy filmmaking“ in Reinform.

Suicide 03

Method act the shit out of this, Leto!
Die größte Enttäuschung ist allerdings der Joker. Zum einen ist er mit seiner minimalen Screentime für die Handlung absolut überflüssig – einzig, dass die Schilderung von Harley Quinns Vergangenheit nicht ohne Mr. J funktioniert, verleiht der Rolle eine gewisse Berechtigung, aber auch diese Szenen können nicht packen. Zum zweiten ist Jared Letos Performance schlicht enttäuschend. Wer die Rolle des Jokers annimmt, der kann sich der Heath-Ledger-Vergleiche nicht entziehen – und im Lichte dessen erscheint Letos Interpretation des klassischsten aller Batman-Antagonisten als geradezu lächerlich krampfhaftes Method Acting. Weder kann er sich ausreichend entfalten, noch ansatzweise die Faszination und Intensität erreichen, die diese Figur verdient hätte. Vor allem aber fehlt ihm ein würdiger Held als Gegenspieler – der Joker funktioniert einfach nicht im luftleeren Raum, sondern nur im Zusammenspiel mit (s)einem Nemesis.

In Summe treffen hier also drei brauchbare Figuren auf vier unterdurchschnittliche und drei überflüssige. Und diese Masse wird dann auch noch in gerade einmal zwei Stunden Laufzeit gestopft – kein Wunder also, dass hier ein extremes Ungleichgewicht herrscht. Von der nahezu perfekten Balance eines Avengers 1 oder Civil War kann Suicide Squad nur träumen. Spätestens jetzt zeigen sich die Schwierigkeiten, mit denen Warner und DC bei ihrer Marvel-Aufholjagd konfrontiert sind: alles muss ganz schnell passieren, was auf Kosten eine angemessene Exposition geht. Wo Batman v Superman zu viel Storyballast trug, ist es bei Suicide Squad der umgekehrte Fall – hier werden lediglich kleine Storyhäppchen um zu viele Charaktere herumgeschrieben. Das Ergebnis ist ein inkohärenter Streifen, ein filmischer Flickenteppich. Umso schlimmer, dass dabei kaum etwas fürs Auge geboten wird: die letzten 70 Minuten spielen allesamt in einer nächtlichen und verwüsteten Stadt – ästhetische Monotonie vom feinsten.

Fazit
Die einzige Erwartung, mit der man mittlerweile noch an Sommer- und/oder Superhelden-Blockbuster herantreten kann, ist, dass sie wenigstens gut unterhalten. Batman v Superman ist das noch halbwegs gelungen – Suicide Squad schafft aber nicht einmal das. Stattdessen ist hier alles so mau, so durch- bis unterdurchschnittlich, so fragmentarisch, so forciert und so lieblos, dass ich schlicht keinen Spaß hatte. Dabei ist David Ayers neueste Ausgeburt noch nicht einmal die komplette Vollkatastrophe, zu der sie von einigen Stellen gemacht wird. In erster Linie ist dieser Streifen einfach nur langweilig und zieht am Zuschauer vorbei, ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. In zweiter Linie versagt er an der einzigen Stelle, an der er nicht versagen durfte: den Figuren. Ich sage es nochmal: Wenn Warner und DC auch langfristig Kapital aus der Superhelden-welle schlagen wollen, muss besonders an einer Stelle deutlich mehr investiert werden: beim Drehbuch.

2,0

Bilder & Trailer: (c) Warner Bros.

 

13 Kommentare zu „Kritik: „Suicide Squad“ Hinterlasse einen Kommentar

  1. Ich habe gestern „Suicid Squad“ im Kino gesehen. Ich war auch enttäuscht. Das schlimmste waren die Logikfehler, die schlechte Darstellung der Beziehungen zwischen den Charakteren. Ich bin ein wirklicher DC Fan und ich kenne die meisten Figuren und deren Bezug zueinander. Es ist schade, dass man an diesem Universum so schlechte Arbeit leistet. Der Vorteil, den DC gegenüber Marvel hat, sind die cooleren Bösewichte und diese werden so verharmlost in einen Film ohne Sinn und Verstand gesteckt. Ich bin auch enttäuscht. Bleibt abzuwarten ob und wie weit es einen Extended Cut auf DVD oder Blu-Ray geben wird.

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    • Ich kenne die Vorlagen leider nicht – und trotzdem war ich enttäuscht, da in der grundlegenden Idee ja durchaus Potential steckt. Warner kann sich einfach nicht entscheiden, ob sie ihre eigene Schiene fahren wollen oder sich doch lieber am Erfolgsrezept von Marvel orientieren…
      Ich denke auch nicht, dass ein Extended Cut da noch irgendwas rausreißen kann. Zumal es ja die Pflicht eines Kinofilms ist, im Kino zu überzeugen, und nicht erst ein halbes Jahr später auf DVD 😉

      Gefällt 2 Personen

  2. 1997 (oh Gott, bald 20 Jahre her) überzeugte mich ein Kumpel ‚Batman & Robin‘ zu schauen, mit der Begründung, wenn der ein Flop werden sollte gäbe es vielleicht keine Batman/Superheldenfilme mehr, um das zu verhindern kann man doch 2 Stunden Batnippel und Eis-Wortspiele in Kauf nehmen. Diese Gefahr besteht seit etwa 15 Jahren nicht mehr und so kann ich ganz getrost auf die Skwad verzichten.
    Warners Versuche Marvel/Disney hinterher zu hecheln waren bisher leider allesamt daneben. Angefangen bei ‚Green Lantern‘. Den Verlust von Nolan konnten sie nie wirklich ausgleichen. Aber hey, BvS:DoJ und die Skwad machen ja anscheinend immerhin Geld. Die Frage ist wirklich, ob es für die Zukunft förderlich ist die Linie krampfhaft weiterzufahren.
    Deine Anmerkung zum Joker, dass er ohne Batman nicht wirklich funktionieren kann ist sehr schön beobachtet, wenn Batman allerdings da ist, ist er ein wunderbar dehnbarer Charakter. Ob er eine Zirkuskasse klaut, als Meisterkrimineller auftritt oder ein psychosexuelles Zerrbild von Batman darstellt alles funktioniert und man weiß nie welchen Joker man bekommt, das macht ihn so effektiv. Jared Letos „hey, schaut mal, ich hab meiner Kollegin ein totes Schwein geschickt, lol“ wirkte allerdings von Anfang an nur wie social-media-shitstorm-generierendes Dämel-Marketing.

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    • Jaja, so schnell werden uns die Superhelden- und speziell Batman-Filme nicht ausgehen. Hat ja auch alles seine Berechtigung, solange es gut gemacht ist – aber letzteres trifft auf Suicide Squad leider überhaupt nicht zu. Man spürt ja, dass das DCEU zunächst deutlich düsterer und dreckiger angelegt war, als das MCU, und das ist gut so. Wir brauchen nicht zwei Comicuniversen, die sich nur in ihren Figuren unterscheiden. Der finanzielle Erfolg ist offenkundig auch da, aber dann doch nicht groß genug, deswegen muss man jetzt der erfolgreicheren Konkurrenten kopieren…
      Diese gnazen Joker-„Skandälchen“ vom Set habe ich erst jetzt im Nachhinein mitbekommen. Ist aber vermutlich auch besser so, sonst hätte ich die Rolle schon im Voraus dämlich gefunden. Ich kann an dieser Joker-Verkörperung nichts finden, dass mich irgendwie begeistern oder faszinieren könnte – außer das Grinse-Tattoo auf der Hand, das war ganz cool.

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    • Danke für das Video, Wisecrack ist sowieso immer sehenswert. Und ja, von all dem war in diesem Film nichts zu sehen. Das ist echt ein großes Versäumnis, zumal die Version des Jokers aus Suicide Squad ja jetzt wohl so auch in den künftigen Warner-Filmen auftauchen wird…

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      • Stimmt. Da ist es aber vermutlich wie mit dem Hobbit. Wirkliche Fans können auch nicht nicht reingehen und so wird die Maschine wieder bestätigt werden und weitere Filme folgen. Ein Dilemma!

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