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Filme gesehen #99

Diese Woche mit Schlaflos in Seattle, Die durch die Hölle gehen, The Jungle Book und Bullhead.

Schlaflos in Seattle (Sleepless in Seattle, Nora Ephron, USA 1993)
Meg Ryan und Tom Hanks haben sich nicht nur in e-m@il für dich, sondern bereits fünf Jahre zuvor in Schlaflos in Seattle ineinander verliebt. Der entpuppt sich als gute, beinahe sehr gute Romantic Comedy und besticht vor allem durch das Zusammenspiel von Hanks‘ und dessen Sohn. Vielmehr als seinem Kind fällt hier nämlich dem weiblichen Konterpart Meg Ryan die dezent unsympathische, nervenstrapazierende Rolle zu, was jedoch immer noch vertretbar ist. Schlaflos in Seattle ist durchweg gelungen, bietet einige grandiose Momente (Stichwort: Filme, die einen zum Weinen bringen) und einen ordentlichen Abschluss – atmosphärisch am ehesten vergleichbar mit Harry & Sally, ohne jedoch dessen humoristische oder amouröse Klasse zu erreichen.
imdb / Trailer
4,0Die durch die Hölle gehen (The Deer Hunter, Michael Cimino, USA 1978)
Die Bezeichnung „Vietnam-Kriegsfilm“ ist eine, die auf Die durch die Hölle gehen nur bedingt zutrifft. Vielmehr ist dieser Film, der seinem Regisseur Michael Cimino alle Türen in Hollywood öffnete (bevor sie ihm durch Heaven’s Gate wieder verschlossen wurden), ein astreines Drama, das eigentlich auch nur zufällig zu Zeiten des Vietnamkrieges spielen könnte. Cimino kommt es auf die Charaktere an – und wie wichtig ihm seine drei Haupt- sowie die diversen Nebencharaktere sind, erkennt man schon daran, dass es erst nach einer einstündigen Exposition ins Kriegsgebiet geht, welches 50 Minuten später auch schon wieder verlassen wird. Und dennoch ist Die durch die Hölle gehen ein waschechter Anti-Kriegsfilm. Keine großen Schlachten, kein Heroismus, keine Verherrlichung des Krieges. Im Gegenteil: nacktes Leid, innerliches wie äußerliches ist das, was hier porträtiert wird. Ein herrlich subversives, bedrückendes Ende entschädigt dann auch für die etwas zu langen drei Stunden Laufzeit. Nicht der ganz große Wurf, als der er immer gefeiert wird, dennoch ein sehr sehenswerter Film für Freunde tiefgezeichneter Charakterstudien.
imdb / Trailer
4,5The Jungle Book (Jon Favreau, USA 2016)
Was einem nach den ersten zehn Minuten der neuesten Realverfilmung des Dschungelbuchs bereits klar wird: Dieser Film sieht in 3D und auf großer Leinwand mit Sicherheit absolut phänomenal aus. Auch zu Hause ist The Jungle Book noch immer ein wunderschöner Film, was besonders auf die Tiere zutrifft, deren Bewegungen und Felle unglaublich realitätsnah wirken, sodass man immer wieder bewusst machen muss, dass mindestens 95% dieses Films aus dem Computer stammen. Das geht allerdings auch damit einher, dass das einzige reale Element – der Darsteller von Mogli – regelmäßig wie ein Fremdkörper wirkt. Abgesehen von seiner Optik hat Jon Favreaus neuester Streich dann auch herzlich wenig zu bieten: Action und Humor sind maximal Standard, die Handlung bietet (natürlich) nichts neues und hat mit zwei Sequenzen zu kämpfen, die im Grunde überflüssig, aber einfach nur da sind, weil unbedingt noch Kaa und King Louie auftauchen müssen. Obendrein gibt’s auch eine der unpassendsten musikalischen Einlagen, die ich bisher erleben durfte. Technisch beeindruckend, alles andere ist bestenfalls Mittelmaß.
imdb / Trailer
3,0Bullhead (Rundskop, Michaël R. Roskam, BEL/NLD 2011)
Belgische Filme sind Raritäten, haben mich bisher aber noch nie enttäuscht. So auch nicht Bullhead, in dem ein testosteronabhängiger Rinderzüchter in die Machenschaften einer dubiosen Hormonmafia und damit ins Fadenkreuz der Justiz gerät. Ein langsam, aber verdammt intensiv erzählter Thriller, dessen bulliger Protagonist stets auf dem schmalen Grat zwischen Sympathie und Antipathie wandelt und der eine mehr als denkwürdige Performance abliefert. Manch einen wird es stören, dass so viele Storyfäden am Ende einfach fallen gelassen werden – doch genau das verstärkt den ohnehin schon unfassbar authentischen Gesamteindruck von Bullhead nochmals. Nihilistisches Anti-Gute-Laune-Autoren-Kino aus Europa mit bedeutungsschweren Bildern und sozialkri-tischen Tönen – eigentlich eher un(v)erträgliche Kost, aber das hier ist einfach nur ein verdammt guter und eindrücklicher Film.
imdb / Trailer
5,0

7 Kommentare zu „Filme gesehen #99 Hinterlasse einen Kommentar

  1. Mann, ich muss endlich mal ‚Die durch die Hölle gehen‘ schauen. Das will ich bestimmt schon seit 5 Jahren aber immer kommt irgendwas dazwischen. Meistens ein Film der weniger. . . fordernd klingt (immerhin hab‘ ich in der Zeit ‚Heaven’s Gate geschaut, öh yay?).

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