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Filme gesehen #110

Diese Woche mit Hudsucker – Der große Sprung, Die Straßen Harlems und Spring Breakers.

Hudsucker – Der große Sprung (The Hudsucker Proxy, Ethan & Joel Coen, UK/DEU/ USA 1994)
Als sich der Chef einer großen Firma aus dem 44. Stock stürzt, wird Tim Robbins – eigentlich nur ein frischer Mitarbeiter in der Poststelle – zum Boss erklärt, um den Aktienkurs der Firma zu drücken, damit der Vorstand die Anteile des Ex-Chefs billig aufkaufen kann. Mit Hudsucker wollen die Coen-Brüder die moralischen Grauzonen des Kapitalismus parodistisch ausleuchten, was ihnen auch halbwegs gelingt. Was hingegen nicht gänzlich einstellen will, ist die typische Coen-Atmosphäre, die sich zwar im subtilen Humor und den zahlreichen unerwarteten Wendungen wiederfindet. Doch so wirklich will der Funke hier nicht überspringen. Trotz einiger netter Ansätze kommt Hudsucker nicht an die großen Werke in der Karriere der Brüder heran – eher gehobenes Mittelfeld.
imdb / Trailer
3,5Die Straßen Harlems (Paid in Full, Charles Stone III, USA 2002)
Am Namen lässt sich bereits erahnen, was dieser Film zeigt: Den Aufstieg und Niedergang eines Kokaindealer-Trios im Harlem der 80er. Der Zeitgeist wird hier – dank Musik, Klamotten und Kulissen – sehr gut eingefangen, die Figuren sind gelungen. Die Handlung hingegen beginnt stark, will am Ende jedoch zu dramatisch sein, sodass diese Wirkung letztlich ein wenig zu gewollt daherkommt. Als Tales-from-the-hood-Film macht Die Straßen Harlems seine Sache aber sehr gut, sodass Genre- und Hiphopfans problemlos einen Blick riskieren können.
imdb / Trailer
4,0Spring Breakers (Harmony Korine, USA 2012)
Die ersten Minuten von Spring Breakers zeigen genau das, was man bei diesem Titel erwarten würde: Partywütige, halbnackte Jugendliche gehen – à la Project X – zu brutalstem Dubstep am Strand Floridas ab. Die kommenden 30 Minuten setzt sich das genau so fort, dann jedoch wird aus Spring Breakers plötzlich ein psychedelischer Crimethriller, der mit Namen wie James Franco, Selena Gomez und Gucci Mane (!) zum ersten einen ungewöhnlichen Cast auffährt und zum zweiten mit einer brillanten Optik punktet: Refn-artige Neonlichter in allen Farben, ungewöhnliche Kamerafahrten, Bild-Ton-Kontraste en masse. Gewalt, Sex, Drogen – alles drin. Was genau einem dieser Film sagen will, ist schleierhaft, Subtext ist überbewertet. Ein adäquates Portrait der modernen Jugend? Nein. Ein Film, der tief in die Psyche seiner durchgeknallten Protagonisten abtaucht? Schon eher. Ein außergewöhnliches Filmexperiment, das erzählerisch wie ästhetisch herausragt? Auf jeden Fall. Spring Breakers ist unfassbar sehenswert und sei jedem, der Unterhaltung abseits des Mainstreams sucht, absolut empfohlen. Ob ich diesen Film nun aber nur okay oder fantastisch finde, dessen bin ich mir bis jetzt nicht ganz sicher. Deshalb setze ich nur widerwillig eine (vorläufige Kompromiss-)Wertung unter diesen Text.
imdb / Trailer
4,5

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5 Kommentare zu „Filme gesehen #110 Hinterlasse einen Kommentar

  1. Bei Spring Breakers bin ich mir auch nach Jahren immer noch nicht sicher, ob ich den nun gehasst habe oder ziemlich gut fand. Weiß auch nicht ob ein nochmaliges Ansehen das eindeutiger machen würde. Schon von daher ein außergewöhnlicher Film.
    Spring Break, Spring Break Forever??

    Gefällt 2 Personen

  2. Spring Breakers habe ich selbst erst kürzlich gesehen. Gut möglich, dass ich nicht ausreichend bei der Sache war, aber sonderlich faszinierend fand ich den Film zumindest nicht, obschon ich einige Erwartungen hatte. Korines Frühwerk Gummo gehört nämlich zu meinen Alltime-Favorites (und Kids sowieso, aber da hat er ja nur das Drehbuch geschrieben). Wobei, Parallelen in der Erzählstruktur gibt es zwischen Gummo und Spring Breakers allemal.
    Und jetzt hab ich plötzlich Lust auf Gummo…

    Gefällt 1 Person

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