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Filme gesehen #113

Diese Woche mit RoboCop, Salvador und Guilty of Romance.

RoboCop (Paul Verhoeven, USA 1987)
Früher galt dieser mechanische Polizist als gnadenloser Vertreter des Gesetzes, heute ist er vielen nur noch ein müdes Lächeln wert: RoboCop hat den Status des Trashs inzwischen zur Gänze erreicht – verdientermaßen. Doch da hier noch ein Paul Verhoeven auf dem Regiestuhl saß, lassen sich wenigstens einige nette sozialkritische Untertöne finden. Die treffen besonders Großkonzerne und die Privatisierung von Sicherheitskräften – Themen, die heute nicht weniger aktuell sind. Was der alte RoboCop seinen modernen Genrekollegen außerdem voraus hat, sind seine extrem expliziten Gewaltdarstellungen, die dem Zuschauen auch noch in 2016 wehtun. Wenn nur diese Steifheit nicht wäre, mit der der zum Androiden gemachte Polizist hier seine Widersacher niederstreckt – die lässt ihn nämlich tatsächlich ziemlich alt aussehen…
imdb / Trailer
4,0Salvador (Oliver Stone, USA 1986)
Oliver Stone hat es als Regisseur noch nie an politischer Schärfe gemangelt. In Salvador schickt er James Woods und James Belushi als Journalisten nach El Salvador, und das zu Zeiten großer politischer Unruhen: Ein von den USA unterstütztes Gewaltregime kämpft Anfang der 80er gegen kommunistische Rebellen und die eigene Bevölkerung. Ein wenig dauert es, bis dieser Film seine Linie findet, dann aber entfaltet sich ein packender Journalistenthriller mit greifbaren Figuren, vielen überraschenden resp. schockierenden Momenten und einer (vergleichsweise) ambivalenten Konfliktzeichnung. Einzig die Hauptfigur wirkt in ihrer gesamten Erscheinung sehr sprunghaft und teflonartig – der Verlust seiner Freunde scheint bei ihm keine nachhaltige mentale Belastung zu erzeugen. Nun ja, immerhin gibt es da unten genug Drogen, um sich diese Sorgen wegzutrinken beziehungsweise wegzurauchen.
imdb / Trailer
5,0

Guilty of Romance (Koi no Tsumi, Sion Sono, JPN 2011)
Ein seltsam ironischer Titel, den sich Sono da für seinen Film ausgesucht hat, denn von einer „Romanze“ könnten hier sämtliche handlungstragenden Figuren kaum weiter entfernt sein. In Guity of Romance geht es stattdessen um alle anderen Formen der sexuellen Zusammenkunft: Affären, Porno-Drehs, Prostitution. Lust statt Liebe, Promiskuität statt Treue. Zwei Handlungsstränge – eine Mordermittlung und eine Anti-Liebesgeschichte – werden hier gekonnt ineinander verwoben, mit trefflichen Bildern ausgeschmückt und schließlich zu einem runden Abschluss gebracht. Und das ist mal tatsächlich etwas neues im Kosmos Sono: Das Ende ist schlüssig und verliert sich diesmal nicht (oder zumindest nicht so sehr) in einem blanken Exzess aus Sex und Gewalt. Ein cineastischer Rausch, der neben Tokyo Tribe nun zu meinen Lieblingsfilme des japanischen Kultregisseurs gehört.
imdb / Trailer
5,0

8 Kommentare zu „Filme gesehen #113 Hinterlasse einen Kommentar

    • Für den muss man wahrscheinlich recht HipHop-affin sein. Bei mir ist das zum Glück der Fall, weswegen ich den Film großartig fand. Aber soweit ich mitbekommen habe, finden den auch viele nicht-HipHopper sehr gut.

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  1. Ich weiß noch, dass ich den Original-Robocop das erste Mal im Fernsehen gesehen habe und mich fragte, warum alle den so heftig finden… bis zu dem Zeitpunkt als ich ihn dann auf Blu-ray sah und wusste warum. Im TV hatten sie mal allein aus dieser ersten Szene, wo sie ihn halb tot ballern und die ja gefühlt 10 Minuten geht, 30 Sekunden gemacht… 😉

    Guilty of Romance muss ich mir mal merken, der klingt sehr interessant.

    Gefällt 1 Person

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