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Filme gesehen #123

Diese Woche mit Findet Dorie, Imperial Dreams und Tangerine L.A.

Findet Dorie (Finding Dory, Andrew Stanton, USA 2016)
Dass die Köpfe von Pixar am besten sind, wenn sie eine Idee zum ersten Mal auf die Leinwand zaubern, ist eine Binsenweisheit. Bis auf Toy Story 2 und 3 konnte bisher keine Fortsetzung der Animationskönige mit dem Original mithalten. Findet Dorie ist ein weiterer Beleg dafür. Nicht falsch verstehen: Das ist hier alles andere als ein schlechter Film, sondern eine konsequente Weiterführung des sehr guten Erstlings – stilistisch wie emotional. Die vergessliche Dorie begibt sich auf die Suche nach ihren Eltern, wird also vom Sidekick zur Hauptfigur erhoben und bekommt mit Oktopus Hank einen ebenbürtigen neuen Begleiter zur Seite gestellt. Das geht allerdings zu Lasten der beiden Protagonisten des ersten Teils, die zwar anwesend sind, aber vollkommen marginalisiert werden. Seine größte Schwäche: Findet Dorie kann der emotionalen Tiefe und dem inhaltlichen Kern seines Vorgängers nichts hinzufügen. Das macht ihn zu einer netten Fortsetzung, die es aber nicht wirklich gebraucht hat. Der Eindruck der Zweitverwertung überstrahlt hier den kreativen Anspruch, für den das Studio sonst so bekannt ist.
imdb / Trailer
4,0Imperial Dreams (Malik Vitthal, USA 2014)
Geschichten aus dem Ghetto: John Boyega (Finn aus Star Wars 7) als Kleinkrimineller aus L.A., der sich nach einem Gefängnisaufenthalt um seinen kleinen Sohn kümmern muss und ihm zuliebe das Leben zwischen Drogen, Gewalt und Gangbangern aufgeben will. Imperial Dreams zeichnet ein intimes Bild dieser Vater-Sohn-Beziehung im Dschungel der Gewalt und zeigt, wie schwer es ist, diesem Leben zu entfliehen: Wer einmal in den Teufelskreis von Gangs von Justiz geraten ist, kommt kaum noch heraus, der Gang zu den Behörden wird zur verzweifelten Odyssee. Warum es diese kleine Netflix-Produktion erst nach zweieinhalb Jahren nach Deutschland schafft, kann ich zwar nicht verstehen, macht aber auch nix: Das Thema ist nach wie vor aktuell, die Darsteller sind toll bis großartig, die emotionale Ebene packt. Ghetto-Poesie in Filmform – sehr sehenswert.
imdb / Trailer
4,5Tangerine L.A. (Tangerine, Sean Baker, USA 2015)
Nochmal Los Angeles, diesmal aber ein ganz anderes Milieu: Transsexuelle Prostituierte. Von denen scheint es, wenn man Tangerine L.A. glauben darf, ein ganze Menge zu geben. Eine davon, Cin-Dee, ist nach vier Wochen Haft auf der Suche nach ihrem Verlobten (zugleich ihr Zuhälter), weil der angeblich untreu war. Diese dünne Prämisse ist nur der Aufhänger für eine chaotische Tour durch die verschiedenen Subkulturen der Stadt der gefallenen Engel. Ein Meisterwerk ist das nicht, trotzdem interessant und sehenswert. Erstens, weil Figuren und Sprache vollkommen authentisch daherkommen (die Frequenz, mit der hier das Wort „Bitch“ fällt, kann locker mit der „Fuck“-Dichte von Scarface mithalten). Und zweitens, weil dieser Film vollständig mit Handykameras gedreht wurde. Dem geübten Auge fällt das zwar auf, dennoch ist es beeindruckend zu sehen, dass man mittlerweile auch mit einem iPhone eine ansehnliche Filmoptik erreichen kann.
imdb / Trailer
4,5

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