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Filme gesehen #127

Diese Woche mit Indiana Jones und der Tempel des Todes, Indiana Jones und der letzte Kreuzzug, Four Rooms und Heil.

Indiana Jones und der Tempel des Todes (Indiana Jones and the Temple of Doom, Steven Spielberg, USA 1984)
Vergangene Woche der erste Teil, nun also die beiden Fortsetzungen. Und zumindest Der Tempel des Todes ist doch ein merklicher Rückschritt. Beginn gut, Ende okay, im Mittelteil hingegen schwächelt es erheblich. Die hochnotpeinlichen Dinnerszene, die vor kulturellen Klischees geradezu trieft, steht symptomatisch für einen Film, der deutlich klamaukiger als sein Vorgänger und primär eine Vorlage für eine Disneyland-Attraktion sein will. Die Frauenfigur geht einem mit ihrem permanenten, sirenenhaften Gekreische bereits nach wenigen Minuten auf den Geist. Größter Kritikpunkt jedoch: Die fehlende Story-Dynamik, die sich darin äußert, dass Der Tempel des Todes lediglich mit vier Schauplätzen auskommt, von denen einer über eine Stunde für sich beansprucht. Der Film ist dadurch zwar noch weit von einer Katastrophe entfernt – is‘ halt Indy – aber der unbestreitbar schwächste der Original-Trilogie.
imdb / Trailer
Indiana Jones und der letzte Kreuzzug (Indiana Jones and the last Crusade, Steven Spielberg, USA 1989)
Wie man das alles viel, viel besser macht, zeigt der krönende Abschluss der Schatzjäger-Trilogie. Dabei wurde mir bereits zu Beginn schmerzlich klar, dass ich Indiana Jones 3 schon ewig nicht mehr gesehen hatte: Der Prolog um die Jugendjahre des Archäologen war eine komplette Neuheit für mich, machte den Film aber nur umso besser. Im Folgenden wechselt der Film seine Schauplätze in höherer Frequenz, als manche Leute ihre Unterhosen – die Dynamik stimmt hier also. Ebenso wie der deutlich reduzierte, dafür umso pointiertere Humor, der besonders in den herrlichen Sticheleien der Vater-Sohn-Beziehung zur Geltung kommt. Seine Komplettierung erfährt Der letzte Kreuzzug durch ein Finale, das mit sämtlichen anderen Abenteuerfilmen den Boden aufwischt. Klassiker, der auch ohne Nostalgiefaktor blendend funktioniert.
imdb / Trailer
Four Rooms (Allison Anders/Alexandre Rockwell/Robert Rodriguez/Quentin Tarantino, USA 1995)
Episodenfilme sind eine schwierige Sache, vor allem, wenn jedes Kettenglied von einem anderen Regisseur insziniert wird. Dass viele Köche den Brei verderben – so weit will ich mich im Hinblick auf Four Rooms gar nicht aus dem Fenster lehnen. So richtig passen die einzelnen Zutaten dieses Breis dann aber doch nicht zusammen. Tim Roth spielt einen Hotelpagen, der innerhalb einer Nacht in vier verschiedenen Zimmern vier verschiedene, abstruse Geschichten erlebt: Er begegnet einer Gruppe von Hexen sowie einem Paar mit seltsamen sexuellen Neigungen, muss den Babysitter für zwei Satansbraten spielen und darf schlussendlich Quentin Tarantino beim Schwadronieren zuhören. Auf zwei schwache Episoden folgen zwei gute, aus den Latschen haut einen aber gar nichts. Man spürt: Hier wollten ein paar hungrige Regisseure einfach nur ihren Spaß haben und den alten Zeiten frönen. Geht schon in Ordnung, zwangsläufig gesehen haben muss man das aber nicht.
imdb / Trailer
Heil (Dietrich Brüggemann, DEU 2015)
Während Er ist wieder da mich im letzten Jahr wirklich überzeugen konnte, war Heil, der nur wenige Monate zuvor erschien und im selben humoristischen Feld grast, nun eine herbe Enttäuschung. Klassischer Fall von „zu viel vorgenommen“, denn hier soll wirklich alles abgedeckt werden: Nazis, Antifa, Hipster, Kulturkritiker, Talkshows, Polizei, Verfassungsschutz, Bundeswehr – alle sollen ihr satirisches Fett wegkriegen. Doch wie es sooft läuft: Wer alles will, bekommt am Ende gar nichts. Und so folgt hier ein platter und erzwungener Gag auf den nächsten (Stichwort: Auf dem rechten Auge blind), Schnitte und Szenenübergänge sind teils miserabel, lassen – ebenso wie die Handlung – kaum Gespür für Kontinuität und Kohärenz erkennen. Es fehlt an guten Ideen ebenso wie an einer Hauptfigur. Finger weg.
imdb / Trailer

18 Kommentare zu „Filme gesehen #127 Hinterlasse einen Kommentar

  1. Schön, schön. Dein Post erinnert mich daran, dass ich die Indy-Filme, mit Ausnahme des ersten und natürlich des vierten, wohl zuletzt als Kind so richtig gesehen habe. Der Tempel des Todes war dabei für mich, als – bin mir nicht sicher – vielleicht Zehnjährigen, der Beste, während ich dem Letzten Kreuzzug damals nicht so recht folgen konnte. 😀

    Zwei Tippfehler sind mir aufgefallen: Bei „ein Finale, mit sämtlichen anderen Abenteuerfilmen den Boden aufwischt.“ fehlt ein Wort und bei „Heil“ hast du „vergenommen“ geschrieben. 😉

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    • Dass dir der zweite Teil damals so gut gefallen ist, ist ein gutes Anzeichen dafür, dass damit vornehmlich ein junges Publikum angesprochen werden soll. Das merkt man schon an Indys „Sidekick“, der öfter nutzlos als nützlich ist.
      Und danke für die Hinweise – ich sollte in Zukunft doch nochmal genauer drüber blicken ^^

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  2. Mit TEMPEL DES TODES stehst du fast allein da. Aber im Grunde stimme ich dir zu.
    FOUR ROOMS finde ich eine unterschätzte Perle von Rodriguez bzw. Tarantino.

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  3. Lustiger (?) indiana Jones Fakt: Steven Spielberg kam zu dem Projekt, weil Albert Broccoli ihm nie erlauben wollte einen Bond-Film zu drehen. Indy sollte eine Art verschwitzte, amerikanische Version des Superagenten sein. Deswegen beginnt jeder Film auch mit dem Ende einer anderen Geschichte. Beim Tempel wurde es dann besonders deutlich: http://www.jamesbondlifestyle.com/sites/default/files/ckeditor/images/news/150902-sean-connery-goldfinger-white-tuxedo-dinner-jacket-red-carnation-indiana-jones.jpg
    Kreuzzug, mit seiner Rückblende bricht ein wenig mit der Tradition, hat aber dann eine viel direktere Verbindung zu Bond. 😉

    Deinen Wertungen stimme ich voll zu. Tempel hat ein paar sehr coole Szenen aber insgesamt… Willie fällt besonders negativ auf, da der erste Film mit Marion eine so coole Frauenfigur hatte. Und dann die Dinnerszene, für die noch ganz neue Vorurteile erfunden werden mussten… Naja, dafür macht Kreuzzug dann ja fast alles besser.

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    • Ja, das Bild lässt doch einige Parallelen erkennen ^^
      Marion – das ist mir letzte Woche aufgefallen – ist allerdings auch keine kohärente Figur. Einerseits wird sie uns in der ersten Szene als knallharte Frau präsentiert, die gestandene Männer unter den Tisch trinkt, später dann muss sie als typische, schreiende und wenig nützliche Damsel in Distress herhalten. So richtig haut das erst bei der Damen aus Teil 3 hin (wie auch immer sie heißt…)
      Oh ja, die Dinnerszene… Affenhirn auf Eis? Ehrlich?

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      • Stimmt schon, Marion ist weit von perfekt entfernt. Das war für „gestandene“ Frauencharaktere bis in die 80er und frühen 90er aber durchaus trauriger Standard. Wird eingeführt als „kann alles was der Kerl auch kann“ aber sobald der Bösewicht sie schnappt sind wir wieder in den 30ern… 😉 Immerhin führte das zu der sehr schönen Szene, wenn Thoth sein scheinbares Foltergerät auspackt, das sich als Klapp-Kleiderbügel entpuppt. Aber sie zurück zu bringen war eine der wenigen guten Entscheidungen aus Teil vier.

        Oh, hätte fast meine Reaktion aufs Affenhirn vergessen, ähem: AAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHH, INDYYYYYYYYYY!!!!!

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      • Dass sie den Forscher unter den Tisch trinkt um zu fliehen, passt ja wieder zur ersten Szene. Wenn sie dann aber zu Indy in den Kartenraum geworfen wird und wie die Dame aus dem zweiten Teil, panisch anfängt zu kreischen, dann stellt sich schon die Frage, wo die anfängliche Härte hin ist…

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  4. Ja, die Tempel-des-Todes-Debatte. Ich finde ihn von der Original-Trilogie auch am schwächsten, aber immer noch sehr unterhaltsam… aber es fühlt sich nicht so ganz an wie Indy, was meiner Meinung nach aber auch viel an diesem einem Setting liegt. Teil 1 und 3 sind ja wirklich auf der ganzen Welt verteilt. Das ist eine richtige Schatzsuche. Tempel des Todes hat diesen Aspekt nicht so sehr, sondern setzt mehr auf Spektakel… ich gucke ihn zwar auch immer noch gerne, aber bei weitem nicht so gerne wie 1 oder 3… wobei „Der Letzte Kreuzzug“ auch mein absoluter Favorit ist. Der Film ist einfach der perfekte Abenteuer-Film, der wirklich alles hat.

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    • Na da sind wir ja absolut einer Meinung. Ich stehe gerade noch vor der schwierigen Entscheidung, ob ich mir den Vierer auch nochmal antun soll – aus Gründen der Vollständigkeit und der zeitlichen Distanz…

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      • Ja… muss man wahrscheinlich wirklich machen. Irgendwann will ich das der Vollständigkeit halber auch noch machen.

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