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Filme gesehen #128

Diese Woche mit Into the Wild, Ghost in the Shell und Sie leben.

Into the Wild – Die Geschichte eines Aussteigers (Into the Wild, Sean Penn, USA 2007)
Mit Anbruch des Frühlings hat sich die perfekte Stimmung für Into the Wild bereits verabschiedet: Diesen Film genießt man am besten auf der Couch, unter der Decke, mit einem warmen Getränk in der Hand. Wer sich auf die mal bedrückende, mal luftig-leichte, aber immer berührende Stimmung dieses Film einlässt – und das gelang bei mir problemlos – für den kann Into the Wild zu einem wahren Erlebnis werden. Die zweijährige Reise respektive Flucht ein freigeistigen Jünglings aus wohlhabendem Hause überzeugt sowohl optisch wie auch schauspielerisch und narrativ. Wunderschöne Landschaftsaufnahmen aus dem Westen der USA. Ein Hauptdarsteller, der sämtliche Facetten menschlicher Emotionen geradezu ausschwitzt. Eine Erzählstruktur, die ein konventionelles Ende andeutet, dann aber in eine überraschende Richtung abbiegt. Wer nach Klischees sucht, wird diese auch finden – mich aber hat Sean Penn mit dieser Arbeit von seinen Regie-Fähigkeiten absolut überzeugt.
imdb / Trailer

Ghost in the Shell (Kōkaku Kidōtai, Mamrou Oshii, JPN 1995)
In Vorbereitung auf das mit Spannung erwartete US-Remake des Anime-Klassikers musste ich dringend in den Tiefen meines DVD-Regals kramen, um das Original, das mich vor zehn Jahren ein wenig überforderte, noch einmal anzusehen. Optisch spürbar gealtert kann Ghost in the Shell zumindest inhaltlich noch immer überzeugen. Denn die Gedankenspiele, die hier zum Thema Identität im Zeitalter der Digitalisierung aufgemacht werden, sind vielen aktuellen Sci-Fi-Produktionen weit voraus. Wodurch definiert sich der Mensch, wenn Bewusstsein künstlich erschaffen werden kann? Und wie kann ich mir dann noch meiner eigenen Existenz sicher sein? Ghost in the Shell verliert sich dabei ein paar mal zu oft in ausschweifenden philosophischen oder wissenschaftlichen Abhandlung und büßt dadurch erheblich an Dynamik ein. Die Klasse eines Akira oder einer Prinzessin Mononoke erreicht er dadurch leider nicht. Lasst uns hoffen, dass die Neuauflage das besser macht, ohne an Geist (pun intended) einzubüßen. Der Soundtrack ist aber noch immer die Bombe.
imdb / Trailer

Sie leben (John Carpenter’s They Live, John Carpenter, USA 1988)
John Carpenter ließ in schon seinen frühen Werken schon immer mehr oder minder große Gesellschaftskritik durchblicken. Mit Sie leben hat er sich beinahe in den Bereich des Satirischen bewegt: Ein Bauarbeiter sucht in der großen Stadt nach einem Job und findet eine besondere Brille, mit der er die subliminalen Botschaften hinter Werbung und Fernsehen erkennt. Ach, und obendrein auch noch, dass die Menschheit von Aliens unterwandert wurde, die für diese riesige Verschwörung verantwortlich sind. Wirklich ernst zu nehmen ist dieser Film an keiner Stelle: Inhaltlich platt wie eine Flunder, in seinen Actionsequenzen trashig wie in den (sehr frühen) 80ern. Und viel zu oft sieht man den Helden einfach nur durch die Straßen laufen. Macht das Ganze dennoch Spaß? Auf jeden Fall.
imdb / Trailer

16 Kommentare zu „Filme gesehen #128 Hinterlasse einen Kommentar

  1. GitS muss ich auch mal wieder aus dem Regal holen. Ich habe den aber im Großen und Ganzen ganz ähnlich in Erinnerung, wie Du hier schreibst.

    Oh hey, ich sehe gerade einen kleinen Fehler. Unter ‚Sie Leben‘ sehe ich nur drei Sterne anstatt sechs! Vielleicht liegts auch nur daran, dass ich meine Sonnenbrille nicht aufhabe… 😉

    Ich liebe ‚Sie Leben‘! Nein, man kann ihn nicht ganz ernst nehmen aber das tut er selbst auch nicht! Und ich mag Carpenters herrlich unprätentiösen, gänzlich unsubtilen Ansatz der Gesellschafts-/Konsumkritik. Und ich mag die Schlägerei/Wrestlingmatch aufm Parkplatz.

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      • Wenn Du ihn nicht gerade nachmittags gesehen hast sollte das kein Problem sein. Der ist ab 16 und nix besonders schnittwürdiges drin.

        Und ich versteh schon, dass der nix für jeden ist, er ist nicht Carpenters Bester.

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  2. „Into the Wild“ – zu erwähnen sei hier Jon Krakauers intensive Recherche zu dem Buch. Er wanderte auf McCandless Spuren, folgte dem Weg, den der Tramper 1992 in Alaska ging, besah den Bus, in dem Chris den Tod fand und führte ausgiebige Gespräche mit Chris‘ Familie, ehemaligen Freunden und Mitschülern und Personen, die ihn auf seinem Weg durch die USA begegneten.

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      • Der Film kann seinen Helden nicht kritisch erörtern, wie das Krakauer es in seinem Buch macht, aber er kann etwas anderes: den Rausch des Löstgelöstsein in der Wildnis nachvollziehbar machen. Der Stolz des erfolgreichen Jägers. Und schliesslich die Angst um die nachlassenden Kräfte.

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  3. Okay,ich falle aus dem Rahmen. GitS ist ein perfektes Gesamtkonstrukt (Film 1- SAC 1- SAC 2-Film 2). Für mich der Anime- Klassiker schlechthin. Chihiro finde ich auch besser als Monoke.
    „Sie leben“ ist eine unterschätzte Perle von Carpenter,den ich persönlich nicht mag, und vermeintlich sogar einen Stern mehr abgezogen hätte.

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    • Von der Serie habe ich damals im TV nur einige Folgen gesehen, vermutlich sollte ich das jetzt nochmal nachholen und dann auch nochmal den zweiten Film nachschieben. Der steht bei mir auch im Regal, ich erinnere mich aber genau, dass ich damals die Handling absolut nicht verstanden habe ^^ Als Gesamtkonstrukt ist das Ding vermutlich wirklich viel besser.
      Und ja, Chihiro finde ich persönlich auch ein ganzes Stück besser als Mononoke.

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  4. „Into the Wild“ ist toll. Ist bei mir aber auch schon länger her.

    „Ghost in the Shell“ werde ich mir heute abend noch einmal anschauen, damit ich dann für meinen Freitagskinotermin gewappnet bin für das Remake, auf das ich sehr gespannt bin. Mal schauen, ob das was wird.

    „Sie leben“ steht schon lange auf meiner Liste, habe ich aber noch nie gesehen.

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