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Filme gesehen #129

Diese Woche mit Arrival, Ghost in the Shell 2: Innocence und Ararat.

Arrival (Denis Villneuve, USA 2016)
Arrival ist einer dieser Filme, die von einer zweiten Sichtung absolut profitieren. Nicht nur lassen sich Anfang, Mittel- und Endteil im Wissen um den finalen Twist deutlich besser lesen. Auch ästhetisch kann man Denis Villeneuves ersten Ausflug ins Science-Fiction-Metier mehr genießen – die Brillanz von Kameraarbeit und Soundkulisse kommt nochmals besser zur Geltung. Der größte Vorteil einer Zweitbetrachtung ist jedoch, dass ich nun endlich die überfilmische Bedeutung dieses kleinen Meisterwerks verstanden habe – oder das zumindest glaube. Arrival lässt sich zwar auch als Plädoyer für Frieden und globalen Zusammenhalt lesen, im Kern versucht er aber, eine Erklärung dafür zu liefern, warum dies scheinbar unmöglich ist. Ganz großes Kino.
imdb / Trailer
Ghost in Shell 2: Innocence (Inosensu, Mamoru Oshii, JPN 2004)
Nachdem ich mir in der vergangenen Woche des ersten Anime-Film der Cyberpunk-Anthologie angesehen hatte, musste ich doch auch nochmal den Nachfolger aus dem Regal kramen. Das hat sich gleich in doppelter Hinsicht gelohnt: Erstens, weil das US-Remake (Kritik folgt in den nächsten Tagen) auch ausgiebig Gebrauch von Elementen aus Innocence macht, und zweitens, weil mir dieser Film noch einen Tick besser gefiel, als der Vorgänger. Zwei Nebenfiguren aus dem Erstling werden zu Protagonisten erhoben und begeben sich, nachdem einige Sex-Roboter durchdrehen, auf die Spurensuche nach dem Urheber. Das ist nicht nur visuell erheblich stärker, sondern auch erzählerisch: Innocence ist ein überaus spannender Cyberpunk-noir-Krimi, der mir deutlich runder erscheint. Die thematische Schwerpunktverlagerung tut ihr übriges: Wo es im ersten Teil noch um die Frage ging, wie sich der Mensch in einem künstlichen Körper definiert, dreht sich Innocence darum, ob Maschinen zur Menschlichkeit fähig sind. Sehr gelungen.
imdb / Trailer
Ararat (Atom Egoyan, CAN/FRA 2002)
Atom Egoyan gelingt mit Ararat ein kleines Kunststück: Er liefert einen hochpolitischen Film ab, ohne sperrig zu sein oder sich in blinder Moralisierung zu verlieren. Thematisiert wird der Völkermord der Türken an den Armeniern, überlagert wird dies jedoch durch ein anderes Motiv: Geschichten als Medium der Erinnerung. Der Kniff: Ararat ist ein Film, in dem ein Film über diesen Genozid gedreht wird. Sämtliche Szenen, die in der Vergangenheit spielen, heben sich deshalb von klassischen Re-enactments ab, weil sie klar als Schauspiel zu erkennen sind und gar nicht vorgeben, etwas anderes zu sein. Schwierig ist Ararat einzig durch die sehr verschachtelte Handlung, in der munter zwischen den Zeit- und Erzählebenen hin und her gesprungen wird. Das geschieht allerdings nie planlos und findet seine Auflösung einem einzigen, bedeutungsschweren Satz: Danach gefragt, warum eine der Hauptfiguren denn eine gewisse, für seine Situation aber unerhebliche Geschichte erzählt hat, antwortet er: „Weil sie mir wichtig ist.“ Sehenswert.
imdb / Trailer

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