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Kritik: „Fast & Furious 8“

Fast & Furious 8 (The Fate of the Furious, F. Gary Gray, USA 2017)

Im achten Teil der Fast & Furious-Reihe müssen sich Vin Diesel und die „Familie“ mit ihrem bisher schwersten Gegner anlegen: Stagnation.

1,5 Millionen deutsche Kinobesucher am Osterwochenende, mit 530 Millionen US-Dollar Umsatz ein weltweiter Startrekord. Nach dem überwältigenden Erfolg des Vorgängers ist das Erwartbare eingetreten: Der achte Teil der Auto-und-Agenten-Action-Reihe ist ein kommerzielles Brett. Ist es da noch relevant, was irgendein Film-Blogger schreibt? Wohl eher nicht. Trotzdem gibt es eine Menge zu Fast & Furious 8 zu sagen.

Machotum und Gemeinschaftssinn
Es ist schon beachtenswert, was in den vergangenen 16 Jahren aus Fast & Furious geworden ist. Waren die ersten Filme noch Point Breakähnliche Undercover-Cop-Geschichten im Straßenrenn-Milieu, folgte mit Teil vier eine Neuausrichtung durch eine signifikante Steigerung aller wesentlichen Merkmale. Die Action wurde breiter und intensiver: Weniger Wettrennen, dafür immer mehr Prügeleien und Schießereien. Die Gesetze von Logik und Physik wurden nach und nach aufgeweicht, das Figurenensemble wurde immer umfangreicher, die Schauplätze immer illustrer, die Handlung – auch wenn stets nach gleichem Muster agierend – immer komplizierter respektive verworrener.

Fast & Furious 8 will da nur konsequent sein und beginnt deshalb mit einem Rennen durch die Straßen Havannas. Die thematische Rückbesinnung verblasst jedoch im Angesicht des protzigen Tonfalls, der hier aufgeboten wird: „Wenn du einen Deal eingehst, solltest du dich daran halten“, erklärt Serien-Urgestein Dominic Toretto (Vin Diesel) da seinem kleinen Cousin. Es geht – was auch sonst – um eine Auto. Als der Kubaner auf der anderen Seite dieses Deals aus dem „solltest“ ein „musst“ macht, folgt sogleich der böse Blick: „Ach, so einer bist du also?“, fragt der Muskelprotz rhetorisch (und mit gänzlich unnötiger Aggressivität). Ein Rennen soll die Situation klären. Wer da gewinnt, ist natürlich klar. Danach folgt der Schulterschluss der beiden Kontrahenten: „Du hast mein Auto gewonnen – und meinen Respekt.“ – „Behalt das Auto, dein Respekt genügt mir.“ Alle lachen, feiern und sind best buddies.

Diese unverhohlene Zurschaustellung von Machotum und Gemeinschaftssinn, verpackt in banale, leicht zitierbare und reichlich pathetische Phrasen, war von Anfang an die Essenz von Fast & Furious und ist insofern genau das, was die Fans wollen. Eine Defintion von Männlichkeit in Form von dicken Muskeln, wackelnden Frauenhintern und röhrenden Automotoren trifft auf simple, aber universelle Moralvorstellungen: Ehre, Ehrlichkeit, Anstand, Standhaftigkeit und – natürlich – Familie. Ich kann die Faszination für so etwas verstehen – und zum Teil auch nachvollziehen.

Blut ist dicker als Wasser
Was die Serie von allen anderen Krachbumm-Streifen im Kino-Äther abhebt, das große Leitmotiv der Familie, bildet auch in F&F8 die thematische Essenz. Diesmal wird das Ganze umso mehr auf die Probe gestellt: Eine gewisse Cipher (Charlize Theron) zwingt Toretto dazu, seine Crew bei ihrem nächsten Job für die US-Regierung zu verraten. Fortan versucht die Bande den Vater auf Abwegen zur Besinnung zu bringen und zugleich die neue, überlebensgroße Antagonistin, eine heimtückische Hackerkönigin, zu entmachten.

Ziemlich wenig Inhalt, der natürlich mal wieder hochkompliziert verpackt wird. Da jagt eine Wendung die nächste, und zumeist ist das vorhersehbar oder absurd-unlogisch. Letzteres trifft dann auch auf den Rest des Filmes zu – zu seinem Leidwesen. Dass sämtliche physikalischen Gesetze außer Kraft gesetzt werden – geschenkt. Dass in dieser Welt jeder Computer mit nur drei Klicks gehackt werden kann – geschenkt. Doch wenn ein Panzer und ein U-Boot genau so schnell wie Hochgeschwindigkeitsrennwagen sind, leidet die innere Logik und damit die Glaubwürdigkeit der Actionszenen erheblich. Immerhin sind die Fahrpassagen mitreißend inszeniert und vermitteln sehr schön die Geschwindigkeit des Geschehens. Sobald jedoch Faust auf Faust trifft, zerreißt der hektische Schnitt jegliche Übersicht. Regisseur F. Gary Gray (FridayStraight outta Compton) muss in dieser Hinsicht noch ein Menge lernen.

Immer schneller, immer weiter – aber nicht genug
Auch das, was er eigentlich kann – das Zusammenspiel der Figuren – gelingt ihm nur gelegentlich. Zum Teil ist das natürlich der Tatsache geschuldet, dass Justin Lin und James Wan ihm nicht sehr viel charakterliche Substanz vererbt haben. Und da, wo es etwas zu holen gibt, macht Gray auch das Beste draus: Wie sich Dwayne Johnson und Jason Statham verbal beharken, ist ein Fest für Freunde des gepflegten Beleidigungsfechtens. An anderen Stellen kämpft F&F8 hingegen mit seinem inzwischen zu großen Figurenarsenal: Viele kommen zu kurz und vor allem Helen Mirrens Auftritt ist vollkommen verschenkt. Ach ja, und Tyrese Gibson, der größte Clown Gag-Geber des Films, nervt mit seiner debilen Attitüde nun noch mehr, als schon in den vergangenen Teilen. Wenn er wenigstens für die Handlung relevant wäre…

Woran Fast & Furious 8 letztlich aber am meisten leidet, ist der unvermeidliche Druck, noch mehr, noch schneller, noch härter, noch krasser zu sein als seine Vorgänger, ohne das wirklich zu schaffen. Diese Steigerung hat vom fünften bis zum siebten Film wunderbar funktioniert, nun aber geht dem Ganzen langsam die Puste aus. Die Reihe gleicht einem Pokerspieler, der durch immer höhere Gebote die Aufmerksamkeit aller im Raum auf sich gezogen hat – nun aber kurz davor steht, seine mittelmäßigen Karten aufdecken zu müssen. So verliert sich Teil acht in Monotonie und Stagnation: Weder besinnt er sich auf einen neuen Realismus (warum auch immer das tun sollte), noch ist die Schippe, die er drauflegen müsste, schwer genug beladen. Da hilft auch der verstärkte Einsatz von Computereffekten nicht, welche zwar gut ausgeführt sind, viele Bilder aber insgesamt zu leicht erscheinen lassen.

Fazit
Fast & Furious 
hat vor drei Filmen erfolgreich den Sprung von „durchschnittlich“ zu „höchst unterhaltsam“ geschafft. Nun zeigt sich, dass dem Konzept allmählich die Luft ausgeht. Action-Setpieces kann die Reihe nach wie vor – beim Rest vergalloppiert sie sich langsam Richtung Eintönig- und Bedeutungslosigkeit. Das Ergebnis ist ein Film, der am Zuschauer vorbeirauscht wie einer der vielen Wagen, die hier im Minutentakt zerlegt werden. Damit der Reihe in einigen Jahren nicht das gleiche Schicksal droht, bleibt ihr nur, eine neue Ausrichtung zu wählen – oder der Schritt ins gänzlich Absurde.

Übrigens: Alternativ zum Kinobesuch kann man sich auch einfach den Trailer anschauen, in dem (mal wieder) alle sehenswerten Passagen verbraten werden.

Bilder & Trailer: (c) Universal

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4 Kommentare zu „Kritik: „Fast & Furious 8“ Hinterlasse einen Kommentar

  1. Ich hab jetzt gelesen, dass sie ja tatsächlich Spin-Offs planen. Das ist dann wohl die Neuausrichtung. 😉

    Aber ja, der Film war so verdammt absurd, das tat zwischendurch schon ganz schön weh. Ich finde auch, dass sie zu abgedreht geworden sind. Teil 5 mochte ich ja wirklich noch, aber mit jedem neuen Film verabschiedet sich da ja leider auch jeder Sinn. Teil 9 kann dann ja wirklich nur noch im All spielen und Teil 10 ist dann der Infinity War gegen die Avengers, weil sich nämlich herausstellt, dass Dwayne Johnson in Wirklichkeit Thanos ist 😀

    Gefällt 1 Person

    • Auf die Idee mit dem All bin ich auch schon gekommen – das ist dann wohl tatsächlich das einzige, was ihnen noch übrig bleibt…
      Ich fand ja Teil 6 am stärksten, aber auch da erinnere ich mir nur noch an Bruchstücke. Der Panzer auf der Autobahn war schon ein echtes Highlight

      Gefällt 1 Person

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