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Filme gesehen #132

Diese Woche mit Inglourious Basterds, James Bond 007: In tödlicher Mission, Die Croods, Vaiana und Deepwater Horizon.

Inglourious Basterds (Quentin Tarantino, USA/DEU 2009)
Nach der Lektüre von Georg Seeßlens sehr empfehlenswertem, weil gut zu lesendem und zugleich hochinterssantem Buch „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über Inglourious Basterds, war mal wieder eine Sichtung meines persönlichen Lieblingsfilms des Kultregisseurs angesagt. Keine Überraschung: Inglourious Basterds ist noch immer ein Meisterwerk in Bezug auf Figuren, Dialoge, Spannung und Aussage. Das Kino besiegt hier die Wirklichkeit, verweigert den Nazi-Größen den Freitod und entzaubert damit den unheimlichen Mythos, den dieses Regime in der Weltgeschichte hinterlassen hat. Wie wichtig Tarantino diese symbolische Entmachtung ist, zeigt sich an dem großen Opfer, das er erbringt. Er zerstört sein persönliches Heiligtum: Das Kino. Die letzten Worte des Films, die auch ein Bruch mit der vierten Wand sind, könnten dann kaum treffender sein: „Ich glaube, das ist mein Meisterstück.“ In der Tat, Mr. Tarantino, in der Tat.
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James Bond 007: In tödlicher Mission (For your eyes only, John Glen, UK 1981)
Der Anfang von In tödlicher Mission ist schon mal etwas besonderes: Da wird James Bond von seinem Erzrivalen Blofeld in eine Falle gelockt, kann den Spieß jedoch umdrehen und pustet dem glatzköpfigen Katzenfreund fast beiläufig das Licht aus, indem er ihn in einen Schornstein fallen lässt. Und das alles noch vor dem Vorspann. Danach geht es um die Bergung eines Supercomputers, der mitsamt eines Schiffes auf dem Grund des Meers gelandet ist, was den Geheimagenten in die malerischen Landschaften Griechenlands führt. Absolutes Highlight ist die berühmte Verfolgungsjagd auf Skiern, die extrem abwechslungsreich und handwerklich überragend inszeniert ist – im Kontrast dazu steht wenig später eine behäbige Unterwasser-Keilerei. Im Ergebnis wieder ein Bond, der sich zwischen „gut“ und „sehr gut“ einpendelt – Tendenz positiv.
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Die Croods (The Croods, Kirk DeMicco/Chris Sanders, USA 2013)
Es fällt immer schwerer, Ideen und Settings zu finden, die noch nicht in einem 3D-Animationsfilm umgesetzt wurden. Die Croods widmet sich dem etwas abstrusen Thema „Höhlenmenschen“ und nimmt das allzu wörtlich: Die Familie Crood versteckt sich tagein tagaus in einer Höhle, um sich vor den zahlreichen Gefahren der Außenwelt zu schützen. Aber natürlich muss es ein Mitglied geben (in diesem Fall die Tochter), die – vom Entdeckerdrang getrieben – die Höhle verlässt und schließlich den Rest der Familie dazu bewegt, es ihr gleich zu tun. Es folgt eine Reise nach bewährtem Erzählmuster mit einigen netten Gags und witzigen Tier-Designs, aber auch wenigen wirklich guten Einfällen. Was die Macher aber vollkommen verhauen, ist die weibliche Hauptrolle: Die soll zwar die Protagonistin sein, dient letztlich aber nur als Vehikel für einen Wettstreit zwischen zwei Männern (ihrem Vater und ihrem Angebeteten) und hat absolut nichts zur Handlung beizutragen. Starke Frauenfiguren gehen definitiv anders.
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Vaiana – Das Paradies hat einen Haken (Moana, Ron Clements/Jon Musker, USA 2016)
Wie das auch ganz anders gehen kann, zeigt Disney mit Vaiana. Auch hier steht eine junge Frau im Mittelpunkt, die in die Welt hinausziehen will, um ihre Insel (irgendwo im Pazifik) vor einer dunklen Macht zu beschützen. Ihr Begleitung besteht aus einem minderbemittelten Huhn (klassischer Comic-Relief) und dem Halbgott Maui, der vor allem eins ist: verdammt überheblich. Darin besteht dann auch schon die erste Stärke von Vaiana: Die Frau behauptet sich gegenüber dem männlichen Heldentypus, indem sie dessen stereotypes Charaktermerkmal – den Drang nach Ruhm und Ehre – gegen ihn ausspielt. Konsequenterweise muss Vaiana im Laufe der Reise ihrem übermächtigen Begleiter öfter zu Hilfe eilen als umgekehrt. Weitere Pluspunkte sind die guten Songs (darunter auch ein sehr guter) und die atemberaubend schöne, verspielte Optik. Leider verläuft sich Vaiana am Ende dann doch im Dschungel der altbewährten, um nicht zu sagen: langweiligen und vorhersehbaren Erzählmuster. So mindert das letzten Viertel den positiven Gesamteindruck dann doch um einiges.
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Deepwater Horizon (Peter Berg, USA 2016)
Um ehrlich zu sein hätte ich nicht gedacht, dass ein Film über die Ölbohr-Katastrophe von 2010 derart gut werden könnte. Deepwater Horizon reißt qualitativ beileibe keine Bäume aus: Die Figurenzeichnung ist rudimentär, genügt aber, um den Zuschauer um das Schicksal der Beteiligten bangen zu lassen, die soliden Leistungen von Mark Wahlberg, Kurt Russel und John Malkovich tragen ihr Übriges dazu bei. Auch subtiler Spannungsaufbau geht anders und von etwaigen historischen Unkorrektheiten sollte man ebenfalls absehen können – ist ja schließlich ein Spielfilm und keine Dokumentation. Dass die dramaturgischen Überzeichnungen aber durchaus gerechtfertigt sind, beweist die zweite Hälfte des Films. Sobald nämlich das Chaos losbricht, weiß Peter Berg nicht nur visuell und akustisch (was für eine grandiose Soundkulisse!) zu überzeugen, dann kann Deepwater Horizon auch seine erzählerischen Qualitäten vollkommen ausspielen, die sich aus simplen, aber überaus mitreißenden, intensiven Sequenzen und einem Überlebenskampf ganz nah am Rande des qualvollen Feuertodes speisen. Das Ergebnis ist ein gelungener Katastrophenfilm, der zwar nichts für die Ewigkeit (sprich: für’s DVD-Regal) ist, aber für einen sehr guten Filmabend sorgt.
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