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Filme gesehen #135

Diese Woche mit Passengers, Wholetrain und Gangs of New York.

Passengers (Morten Tyldum, USA 2016)
Er bekam’s ja ganz schön ab, dieser erste große Science-Fiction-Film des Jahres: Passengers musste zu seinem Release ein ziemlich kritisches Medienecho einstecken. Zu Unrecht, wie ich nun feststelle. Das beginnt bereits bei der vielversprechenden Prämisse: Auf einem Raumschiff, das mit mehr als 5000 schlafenden Passagieren auf einer 120-jährigen Reise zu einer menschlichen Kolonie ist, wacht Chris Pratt aufgrund eines technischen Defekts auf – 90 Jahre zu früh und ohne die Chance, noch einmal einzuschlafen. Zu ihm gesellt sich später noch Jennifer Lawrance – die Romanze ist beschlossene Sache. Erster Pluspunkt: Das Design des Schiffs ist über alle Zweifel erhaben. Zweiter Pluspunkt: Chris Pratt schafft es tatsächlich, diesen Film über eine halbe Stunde hinweg gänzlich alleine zu tragen. Dritter Pluspunkt: Eine Handlung, die mich von Anfang an gepackt hat. Vierter Pluspunkt: Das biblische Motiv von Adam und Eva wird hier auf interessante Weise in einem modernen Setting re-interpretiert und in eine lebensbejahende Liebesgeschichte umgedeutet. Einzig über das Ende lässt sich streiten. Vielleicht lag es nur an meinen gedämpften Erwartungen – doch ich bin von diesem Film sehr angetan.
imdb / Trailer
Wholetrain (Florian Gaag, DEU/PLN 2006)
Deutscher Film? Mäh. Deutscher Film über eine Graffiti-Crew? Da wird’s schon interessanter. Wie gut das Endergebnis tatsächlich ist, das kann man vielleicht nur zu würdigen wissen, wenn man ein Freund der Subkultur Hip-Hop und dieser einen, sie konstituierenden Säule namens Graffiti ist. Eine Garde von Jungschauspielern (darunter auch Elias M’Barek) kämpft hier mit einer anderen Crew um Respekt, die besten Sprayer-Plätze und das geilste Piece. Ziel: Der namensgebende Wholetrain, ein komplett besprühter Zug. Eine kleine Träne muss man schon verdrücken, wenn man realisiert, dass diese subversive Kunstform allmählich von der Straße (wo sie ja eigentlich hingehört) in die Museen wandert. Zum Glück verliert sich Wholetrain aber nicht in blinder Vergangenheitsverklärung, sondern zeichnet in authentischem Handkamerastil ein ebenso authentisches Bild einer anti-konformen Jugend, die sich mal zu Recht, mal zu Unrecht der Repression der Staatsgewalt ausgesetzt sieht. Illegal, legal, egal: Es geht um die Idee, um den Spirit, um die künstlerische und kreative Freiheit. Diese zu leben, darf doch wohl noch gestattet sein. Dass Wholetrain dabei größtenteils gängige Hip-Hop-Klischees umschifft, ist umso besser – und dass, obwohl er zu einer Zeit entstand, als in Deutschland gerade die Hetzjagd auf Hip-Hop in voller Blüte stand. P.S.: Geiler Soundtrack!
imdb / Trailer
Gangs of New York (Martin Scorsese, USA/DEU/ITA 2002)
An einen Martin Scorsese darf man hohe Erwartungen haben. Gangs of New York erfüllt diesen Anspruch zumindest hinsichtlich seiner Ausstattung: Das ausufernde Detailreichtum von Kostümen und Kulissen ist schlicht der Wahnsinn. Daniel Day-Lewis als Antagonist selbstverständlich auch. Bei der Handlung verliert sich die Geschichte um verfeindete Gangs und einen Aufstand aufgrund von Zwangsrekrutierungen im Zuge des Sezessionskrieges allerdings ein wenig in nebensächlichen Details sowie der exorbitanten Anzahl an Figuren und Fraktionen, die nur schwerlich auseinander zu halten sind. Gangs of New York will dem kulturellen Schmelztiegel, der diese Stadt seit jeher ist, auf den Grund gehen und obendrein ein wenig wie ein Theaterstück wirken – was ihm auch gelingt. Ob ihm letzteres aber auch gut tut, steht auf einem ganz anderen Blatt. Die Scorsese-typische Überlänge von 165 Minuten ist in jedem Fall erneut sehr nervenzehrend.
imdb / Trailer

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