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Kritik: „Alien: Covenant“

Alien: Covenant (Ridley Scott, USA 2017)

Das große Monster-Revival von Ridley Scott entpuppt sich als Film, an den man die richtigen Erwartungen stellen muss. Dann kann er – trotz diverser Schwächen – tatsächlich zufriedenstellend sein.

Ridley Scotts letzte herausragende Arbeit auf dem Regiestuhl ist schon eine ganze Weile her. Seit Königreich der Himmel herrscht da eher Dürre, auch wenn er mit Der Marsianer einen soliden Crowd-Pleaser vorlegte. Ob man ihm nach dem durchwachsenen Prometheus aber wieder an das Set eines Alien-Films lassen sollte, daran hatten viele – auch ich – so ihre Zweifel.

Berechtigte Zweifel – und notwendige
Diese Zweifel waren, wie sich nun nach meinem Kinobesuch von Alien: Covenant herausstellte, berechtigt und notwendig. Denn der sechste Eintrag in die Xenomorph-Franchise ist zwar ein solideres Stück Kino als sein direkter Vorgänger. Zugleich zeigt er aber auch, dass Scott noch immer im Tal der Mittelmäßigkeit festhängt. Dabei macht er in Covenant auf den ersten Blick gar nicht mal so viel falsch: Die Crew des titelgebenden Kolonieschiffs wird durch eine Eruption aus dem Kälteschlaf gerissen, der Kapitän segnet dabei das Zeitliche. Nach einigen Reparaturen empfängt die Mannschaft ein unverständliches Funksignal menschlichen Ursprungs von einem nahegelegenen Planeten. Bewährter Story-Aufhänger also.

Klar, dass eine Expedition auf den abgelegenen, aber bewohnbaren Felsbrocken ansteht. Und dass es dort zu Verlusten infolge von Alien-Einwirkungen kommen muss. Scott lässt sich eine gute Dreiviertel Stunde Zeit, bis sich die Spannung entlädt – bis dahin plätschert die Handlung aber äußerst sachte vor sich hin. Das kann man wahlweise öde oder als geduldigen Handlungsaufbau empfinden – mit Tendenz zu ersterem, da die Charakterzeichnung äußerst oberflächlich stattfindet.

Was dann auch schon eine der größten Schwächen des Films ist: Bis auf zwei, drei Ausnahmen bleiben die Figuren uninteressante Stereotypen, die zudem mehr als nur einmal ziemlich fragwürdig agieren. Noch schlimmer wird das durch einen simplen Drehbuch-Trick, der die Crew aneinander binden soll: Allesamt sind sie liebende Pärchen, weshalb jeder Verlust zu einer persönlichen (aber für den Zuschauer eben nicht nachvollziehbaren) Tragödie wird.

Ripley-Rip-off und fantastischer Fassbender in den Hauptrollen
Überhaupt muss man bei Alien: Covenant ein gehöriges Maß an Toleranz für inhaltliche Lücken und dümmliches Verhalten aufbringen. Lässt sich das noch verzeihen, so ärgert man sich nichtsdestotrotz über den verschenkten Charakteraufbau, den Scott anstatt in den fertigen Film lieber in zwei internet-exklusive Prologschnipsel packt. (Doch ganz ehrlich: Auch das hätte nicht viel genützt.)

Dass der wankelmütige Ersatz-Captain (Billy Crudup), der in seinem Verhalten mal so gar keine Kohärenz zeigt, eine der schwächsten Figuren ist, wird nur noch durch die menschliche Hauptakteurin unterboten: Daniels (Katherine Waterston) ist ein freches Ripley-Rip-off – allerdings nur optisch. Charakterlich herrscht auch hier blasse Einöde. Zum Glück vermag ein Mann diese Chose noch zu retten: Michael Fassbender. Den darf man hier gleich in zwei Rollen bewundern, die er herrlich nuanciert voneinander abzugrenzen weiß. Ob als Walter oder David: Fassbender verkörpert das unberechenbare und zentrale narrative Element des Films – und sorgt damit für die besten und spannendsten Momente.

Selbstzitate statt neuer Ideen
Ganz im Gegensatz zum eigentlich Monster. Sobald das nämlich auf den Plan tritt, verweilt Scott nur kurz im Moment der Spannung, den er dann ganz schnell der Panik und der Action opfert. Das sieht sehr gut aus, hat durchaus seine kleinen Höhepunkte – ist letztlich aber auch ziemlich beliebig. Scott zitiert sich lieber – inhaltlich wie visuell – selbst und verpasst damit die Chance, etwas Neues, Bleibendes auf die Leinwand zu bannen. Alien: Covenant bietet nichts, was seine Vorgänger oder andere Genre-Vertreter nicht schon einmal genau so gut oder besser gemacht hätten. Außer vielleicht die Special Effects.

Eine große Enttäuschung ist Covenant deshalb wohl für all jene, die sich endlich die große Enträtselung der Mysterien, die in Prometheus aufgebaut wurden, erhofft hatten. Stattdessen wird all das durch eine deplatziert wirkende Rückblende und ein paar kurze Erklärungen mal eben beiseite gewischt. Als Ersatz gibt’s immerhin die Auflösung eines anderen erzählerischen Motivs, das in Prometheus bereits mit dem Titel angedeutet wurde und das für einen interessanten Richtungswechsel in der Filmmitte sorgt. Die Ansätze und Ideen, die Scott damit in die Reihe einfließen lässt, sind das Beste an Alien: Covenant, bekommen aber auch gleich wieder einen bitteren Beigeschmack: Anstatt einen runden Abschluss zu bilden, schreit das Ende geradezu nach einem weiteren Film, der dann wohl (diesmal aber wirklich!) die Lücke zwischen den Prequels und dem Ur-Alien schließen soll. In Covenant geschieht das jedenfalls nicht.

Fazit
Dennoch kann der Film unter den richtigen Bedingungen zufrieden stellen. Vor allem ästhetisch weiß Covenant zu überzeugen, stellenweise sogar zu begeistern. Inhaltlich und erzählerisch ist das alles die gleiche, sogar noch ein wenig verdünnte Soße wie in Alien 1 und Prometheus – minus den Horror. So wird aus Alien: Convenant ein solider, schön anzusehender Science-Fiction-Thriller, dessen Rezeption noch mehr als sonst durch die Erwartungshaltung bestimmt wird, mit der man ins Kino geht. Der ultimative Alien-Film, der endlich alle Antworten liefert? Keinesfalls. Ein weiterer, wenn auch recht generischer Eintrag in eine sechsteilige Reihe, der nach ihrem zweiten Teil eigentlich schon die Luft ausgegangen ist? Das eher.

Bilder & Trailer: (c) 20th Century Fox

7 Kommentare zu „Kritik: „Alien: Covenant“ Hinterlasse einen Kommentar

  1. Danke für die Besprechung! Ich mochte Ridley Scott’s „Alien“ von 1979 vorallem wegen der visuellen Gestaltung von HR Giger; ein düsterer Surrealismus, der die Verschmelzung von Organischem und Mechanischem feiert. Giger hatte dafür den Begriff „Biomechanoide“ geprägt.

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      • Ich habe „Alien“ Anfang der 1980er Jahre gesehen und möchte mir hier kein Urteil über den Film erlauben. Aber ich schätze die Arbeiten des Schweizer Künstlers HR Giger, dessen Gesamtwerk keineswegs nur aus menschenfressenden Monstern bestand. Ja, leider basiert auch Ridley Scotts „Alien“- Nachzügler zum Teil auf alten Giger-Entwürfen…

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    • Ich habe den seit ich im Kino war nicht mehr gesehen, kann also gut sein, dass er mir dich besser gefällt, wenn ich ihn mir jetzt nochmal anschaue. Ich weiß aber noch, dass ich damals sehr enttäuscht aus dem Kino kam – und das, obwohl ich kein Überfan bin. Aber interessant zu sehen, dass auch Fans von Prometheus sich nicht so sehr für Covenant begeistern können.

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  2. Ich fand den jetzt besser als „Prometheus“, aber nicht viel… Ich fand’s halt irgendwie so unausgegoren. Erste Hälfte Quasi-Fortsetzung zu „Prometheus“, dann Entzauberung des Xenomorph und zweite Hälfte „Alien“-Rip-Off. Fand ich ein bisschen schade, aber ich glaube, ich werde einfach kein Freund von Scotts Prequel-Reihe.

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