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Kritik: „Plan B – Scheiß auf Plan A“

Plan B – Scheiß auf Plan A (Ufuk Genc/Michael Popescu, DEU 2017)

Vier coole Jungs ziehen durch die Stadt, vermöbeln Bösewichte und sehen dabei richtig gut aus. Und so was aus Deutschland!

Was dabei herauskommt, wenn drei deutsche Kampfsport-Profis und Stuntmen Bock auf einen eigenen Film haben und einfach mal machen, das lässt sich seit letzter Woche im Kino bestaunen: Plan B – Scheiß auf Plan A ist ein lockere Action-Komödie mit viel Herz, die sich als stilsichere Hommage auf das Actionkino der 80er versteht. Und das ist trotz einiger Schwächen äußerst sehenswert.

Upps, falsche Tür!
Die vier Freunde Can (Can Aydin), Cha (Cha-Lee Yoon), Phong (Phong Giang) und U-Gin (Eugene Boateng) sind auf dem Weg nach oben. Oder versuchen zumindest, in die Spur zu kommen. So richtig will es nämlich nicht laufen, da im Stuntman-Business. Manager U-Gin bekommt nur mäßige Aufträge rein und ist obendrein richtig schlecht mit Zahlen, seine drei in Martial-Arts geschulten Kollegen leiden deshalb unter akuter Geldnot. Ein neues Casting-Angebot soll endlich ein wenig Knete in die Kasse spülen. Doch wegen eines Zahlendrehers bei der Adresse stolpern die vier stattdessen in den Unterschlupf einiger Kleinganoven. Die nehmen Phong gefangen und zwingen den Rest, einer Hinweisklette nachzugehen, die sie zum Tresor des lokalen Gangster-Bosses und Konkurrenten Gabriel (Henry Meyer) führen sollen. Und dann ist da auch noch die Polizei. Eine Schnitzeljagd voller Fressbrettgekloppe beginnt.

Viel Fantasie steckt hinter dieser Geschichte nicht. Ist aber auch gar nicht nötig, wenn man stattdessen so viel Herz mitbringt. Denn tatsächlich – und das macht das Ganze so sympathisch – scheint die Ausgangslage unmittelbar dem Leben ihrer Protagonisten zu entspringen. Was sich nicht zuletzt darin zeigt, dass die Hauptfiguren so heißen, wie ihre Darsteller. Und dass man es selbst als hochtalentierter Stuntman und Kampfchoreograf in der deutschen Filmlandschaft, die zu 90 Prozent aus Tatorten und Til-Schweighöfer-Produktionen besteht, ziemlich schwer hat, kaufe ich den Herren ohnehin sofort ab.

Humor und Keilerei
Umso wichtiger ist es deshalb, jene Filme, die so mutig sind, aus dem deutschen Schema auszubrechen und in die tiefsten Tiefen des gepflegten B-Movie-Genre-Kinos vorzustoßen, zu würdigen. Paradoxerweiser erfreut sich ja genau diese Art Kino hierzulande enormer Popularität – die dazugehörigen Filme aber kommen beinahe ausschließlich von der anderen Seite des großen Teichs. Leider, leider wird auch Plan B, trotz eines Vertriebsdeals mit Branchenriese Fox, wohl ein kommerzieller Flop werden. Beim Kinobesuch zur besten Zeit waren meine Begleitung und ich nämlich tatsächlich die einzigen im Saal.

Das ist umso ernüchternder, weil Plan B eben nicht nur ein – für deutsche Verhältnisse – herrlich unkonventioneller Film, sondern darüber hinaus auch ein wirklich gelungener ist. Trotz des, gelinde gesagt, bescheidenen schauspielerischen Talents seiner Protagonisten macht er nämlich sehr, sehr viel Spaß. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass auch die Akteure ihren sichtlichen Spaß beim Dreh hatten, durften sie doch endlich mal das tun, was sie am besten können: Sprüche und Leute klopfen und dabei gut aussehen.

Humor und Keilerei – das sind die beiden, massiven Säulen, auf denen Plan B fußt. Ersterer speist sich vor allem aus klassischen One-Linern im Stil von Schwarzenegger, Stallone und Russel, teils sind sie sogar direkt aus deren Filmen „entlehnt“. Plan B entfacht dabei ein leidenschaftliches, inhaltliches wie visuelles Zitatefeuerwerk und präsentiert sich ganz offenkundig und -herzig als Tribut an die Vorbilder und Ikonen der Hauptakteure. Echte Action-Nerds werden sich daran noch mehr erfreuen, als es das bei mir schon der Fall war.

Draufhalten beim Draufhauen
Die Fressbrett-Poliererei legt da aber noch mal eine Schippe drauf. Wer hätte gedacht, dass Martial Arts made in Germany derart packend, wuchtig und gut inszeniert sein könnte? In diesen Szenen nimmt sich der Film ernst, ohne seinen humorvollen Esprit zu verlieren. Durchdachte Choreografien unterlegt mit tollen Soundeffekten, abwechslungsreiche Schauplätze, übersichtliche Einstellungen, unkonventionelle Kamerawinkel und -bewegungen, eine überaus gelungene Schnittarbeit, die einem nie die Orientierung nimmt – da muss man einfach ganz, ganz viel Lob für Darsteller, Kameraleute und Cutter aussprechen.

Zumindest, wenn Faust auf Gesicht (oder noch öfter: Fuß auf Gesicht) trifft. Sobald hingegen Schusswaffen im Spiel sind, schwinden Glaubwürdigkeit und visuelle Qualität der Action: Die digitalen Special Effects sind in diesen, zum Glück wenigen Szenen deutlich als solche erkennbar.

Natürlich hinkt es auch an anderen, aber immerhin erwartbaren Stellen. Die Handlung will zunächst nicht greifen, zieht nur langsam an und endet überladen. Stellenweise tun sich vier Handlungsstränge parallel auf, was einfach zu viel ist. Und auch wenn diese Plots zusammengelaufen sind, verstolpert sich Plan B in einigen überflüssigen bis konfusen Twists. So wird die Story, die eigentlich nur von Kampf zu Kampf tragen müsste, unnötig aufgebläht und ist letztlich eine gute viertel Stunde zu lang. Immerhin: Die Figuren sind toll inszeniert und – allen voran die Nebenhandlungsträger – auch gespielt.

Fazit
Da haben vier Jungs einfach mal gemacht, worauf sie Lust hatten – und das Ergebnis ist eine verdammt unterhaltsame, handwerklich überragende Action-Komödie, bei der man zu jeder Sekunde die Leidenschaft ihrer Macher spürt. Der fertige Film erinnert im besten Sinne an Jackie Chan und die humorvolleren Stücke der Planet-Hollywood-Protagonisten. Dass Plan B so offen damit umgeht, eine Hommage an die Ikonen der Kindheit seiner Protagonisten zu sein, verleiht dem Film eine erfrischende Offenherzigkeit – was zusammen mit dem Genre in einer Kinolandschaft, die sich gern des gleichen, ausgelutschten Schemas bedient, doppelt positiv auffällt. Bitte, lieber Leser, bitte geh in diesen Film, bevor er aus den Kinosälen verschwindet. Ansonsten wird der Mut zum Anderen hierzulande abermals im Keim erstickt.

Bilder & Trailer: 20th Century Fox

2 Kommentare zu „Kritik: „Plan B – Scheiß auf Plan A“ Hinterlasse einen Kommentar

  1. Ich überlege schon die ganze Zeit, ob ich den gucken soll oder nicht. Die Stunts und Kämpfe sehen ja schon verdammt gut aus, aber ich weiß nicht, ob ich diese Proll-Typen die ganze Zeit aushalte 😀 die Witze im Trailer sind ja schon eher ziemlich flach.

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