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Filme gesehen #140

Diese Woche mit Headshot, Top Gun, Hidden Figures und Tootsie.

Headshot (Kimo Stamboel/Timo Tjahjanto, IDN 2016)
Ein neuer Martial-Arts-Film mit The Raid-Star Iko Uwais in der Hauptrolle, ultrabrutal und hierzulande gleich auf Netflix verfügbar? Bin ich dabei! Doch Headshot plagen zwei große Probleme: Erstens wird der Schema-F-Handlung rund um Plot-Amnesie, eine Damsel in Distress und eine Bande von Killern, die von einem geisteskranken Verbrecher aufgezogen wurden, zu viel Platz eingeräumt, obwohl sie diesen bei Weitem nicht ausfüllen kann. Und zweitens werden einem die eigentlich guten Kampf-Choreografien durch die unnötig herumzuckelnde Wackelkamera ganz schön madig gemacht. Schade, denn so landet der Film leider nur im Mittelfeld.
imdb / Trailer
Top Gun – Sie fürchten weder Tod noch Teufel (Top Gun, Tony Scott, USA 1986)
Harte Gitarrenriffs, Kondensstreifen bei Sonnenuntergang, Bromance, Machismus und US-Militarismus in seiner reinsten Form: Top Gun schwitzt die 80er geradezu heraus. Die Handlung dreht sich um Tom Cruise, der als Jet-Pilot an einem Elite-Ausbildungsprogramm der Army teilnimmt. Und das – so traurig es ist – ist über weite Strecken genau so dröge, wie es klingt. Zwei Stunden Laufzeit beansprucht Top Gun für sich und bildet in den ersten drei Vierteln ausschließlich den infantilen Wettstreit zwischen dem Hauptakteur und seinem Konkurrenten (Val Kilmer) ab. Erst in der letzten halben Stunde kommen Action und damit so etwas wie Spannung auf. Immerhin: Die Jet-Gefechte und -kunstflüge sind handwerklich spektakulär inszeniert – und das (fast) ganz ohne Computeranimationen. Am ehesten ist Top Gun noch als Zeit-Dokument brauchbar. Und vielleicht noch als Studienobjekt für homoerotische Untertöne in Kinofilmen.
imdb / Trailer
Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen (Hidden Figures, Theodore Melfi, USA 2016)
Also das ist mal wirklich eine hochinteressante Geschichte: Auf wahren Begebenheiten beruhend dreht sich Hidden Figures um drei afro-amerikanische Frauen, die in den 60ern ganz entscheidend am Weltraumprogramm der NASA beteiligt waren. Das ist von den Beteiligten – allen voran den Hauptdarstellerinnen – großartig gespielt, mit herrlich anachronistischer Musik untermalt und thematisiert, trotz eines locker-fluffig-humorvollen Erzähltons, sowohl Rassismus als auch Sexismus. Woran liegt es also, dass mich Hidden Figures nicht vom Hocker hauen konnte? Vor allem daran, dass die drei Damen, die anfangs noch beste Freundinnen sind, ab dem zweiten Drittel kaum noch gemeinsame Screen-Time haben. Stattdessen werden uns fortan drei parallele Handlungsstränge präsentiert, die nicht mal mehr am Ende zusammengeführt werden. Zeitgefühl ist ein weiteres Problem. Denn obwohl es so wirkt, als würde sich die Handlung über mehrere Monate, wenn nicht gar Jahre erstrecken, darf man gegen Ende feststellen, dass lediglich einige Wochen vergangen sind. Ein ambitionierter Film, ein ziemlich sehenswerter sogar, allein wegen seiner Handlung. Aber eben auch einer, der sein Potential nicht ausschöpft.
imdb / Trailer
Tootsie (Sydney Pollack, USA 1982)
Hier habe ich Großes erwartet. Denn ein Film, der bei einer Umfrage unter Hollywoods Schauspielern auf Platz 1 landet, der sollte besser richtig gut sein. Tatsächlich ist Tootsie auch richtig gut, schrammt aber knapp am „sehr gut“ vorbei. Immerhin kann ich nun verstehen, wie dieser erste Platz zustande kam: Ein langzeitarbeitsloser, provokanter Sturkopf von einem Theaterschauspieler (Dustin Hoffman) verkleidet sich als Frau, um endlich einmal eine Rolle abzukommen und wird zum neuen großen Star einer belanglosen Daily Soap – quasi Hardcore-Method-Acting. Das Ganze ist eine teils absurde, teils bodenständige Romantic Comedy, die den Zuschauer nicht von einer Pointe zur nächsten prügelt, sondern die Gags ganz organisch in Handlung und Dialoge einfließen lässt. Eine Sezierung der US-Medienbranche und sicherlich hochinteressantes Stück für Gender Studies: Ein Mann, der sich als Frau verkleidet und sich für eine faire, anständige Behandlung der Frauen am Set einsetzt? Paradoxer wird’s wohl kaum. Abzug gibt’s für den zu ernsten bis trübsinnigen Durchhänger im Mittelteil – auch wenn der für die Figurenzeichnung nötig ist.
imdb / Trailer

3 Kommentare zu „Filme gesehen #140 Hinterlasse einen Kommentar

  1. Tja, auf Headshot war ich ein bisschen gespannt aber da sind irgendwie fast alle Besprechungen ähnlich verhalten wie Deine. Den schieb ich dann wohl auf die „wenn er mal bei Prime ist“ Liste.

    Top Gun ist so ein Film der in Kindheit und Jugend an mir vorbei gegangen ist und, als ich ihn dann schließlich gesehen habe, einen mäßig aufregenden Militär-Werbespot in Überlänge zu sehen bekam. Muss man wohl zu seiner Zeit gesehen haben.

    Gefällt 1 Person

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