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Filme gesehen #142

Diese Woche mit Die Taschendiebin, All is Lost, In der Hitze der Nacht und Rakka.

Die Taschendiebin (Ah-ga-ssi, Park Chan-wook, KOR 2016)
Ob Park Chan-wook mit seinem jüngsten Film das Niveau seiner beiden Meisterstücke – Oldboy und Stoker – halten könnte, daran hatte ich in der ersten Stunde von Die Taschendiebin so meine Zweifel. Denn so interessant die Story-Idee über eine Trickbetrügerin im Japan der 1930er, die in die Villa eines Kunstfälschers eingeschleust wird, auch ist, so dröge gestaltet sich anfangs die Umsetzung. Das ändert sich aber schlagartig, sobald der erste von drei Akten abgeschlossen ist und die Geschichte inhaltlich wie auch erzählperspektivisch in ein ganz andere Richtung gedrückt wird, die man am besten selbst erleben sollte. Nur so viel: Chan-wook beweist mal wieder, dass Erzählen in erster Linie die Kunst ist, Informationen zum richtigen Zeitpunkt, in richtigem Maße und auf geeignete Weise an den Zuschauer zu vermitteln. Und dass er verdammt gut darin ist. Empfindliche Gemüter sollte sich von Die Taschendiebin im Übrigen fernhalten, denn die Omnipräsenz von Sexualität in Verbindung mit sadomasochistischer Gewalt – oftmals auch sehr explizit dargestellt – ist nicht für jeden was. So entsteht jedoch ein komplexes Porträt einer Gesellschaft, die von ihren Mitgliedern Beherrschung und Askese fordert, dadurch aber dazu treibt, all ihre Triebe im Geheimen auszuleben. Thematisch vielfältiger, ästhetisch überzeugender, erzählerisch überwältigender Film.
imdb / Trailer
All is Lost (J.C. Chandor, USA 2013)
Filme, die das Überleben einer in Not geratenen Person zeigen, gibt es viele. Man denke nur an Cast Away. Im Gegensatz zum Gestrandetendrama mit Tom Hanks und dem Volleyball zeichnet sich All is Lost allerdings dadurch aus, dass er nahezu stumm ist. Kaum 100 Wörtern kommen in diesem Film vor, „Show don’t tell“ ist die alte Maxime, nach der hier stattdessen verfahren wird. Robert Redford mimt einen Segler, der in Seenot gerät und dem das Glück gänzlich abgeschworen zu haben scheint, treibt es ihn doch von einer prekären Situation in die nächste. Dass wir dabei so gut wie nichts über seine Figur erfahren (außer das, was wir in sie hineinprojizieren), dass es keinen Sidekick braucht, dass selbst die Musik nur ganz selten zum Einsatz kommt, zeigt, wie minimalistisch man eine gute, spannende Geschichte erzählen kann. Einzig Robert Redford spielt seine Rolle ein wenig zu zurückhaltend – da er hätte ruhig noch mehr Ausdruckskraft hineinlegen können. Doch allein schon, weil sich dieser Film traut, still zu sein, sollte man ihn gesehen haben.
imdb / Trailer

In der Hitze der Nacht (In the Heat of the Night, Norman Jewison, USA 1967) 
Ganze fünf Oscars konnte In der Hitze der Nacht im Jahre 1968 abstauben – darunter den als Bester Film und den für den Besten Hauptdarsteller. Dass letzterer ausgerechnet an den (weißen) Nebendarsteller Rod Steiger ging, bestätigt genau das, was der Film auf elegante Weise anprangern will: Den allgegenwärtigen Rassismus der amerikanischen Gesellschaft. In der Kleinstadt Sparta sorgt der Mord an einem Geschäftsmann für Unruhe. Die Polizei nimmt den erstbesten Schwarzen (Sidney Poitier) fest, der sich lediglich auf der Durchreise befindet – lässt ihn aber ganz schnell wieder frei, als sich herausstellt, dass er selbst Polizist und in Philadelphia als Experte für Mordfälle bekannt ist. Die Folge: Er nimmt selbst an den Ermittlungen teil. Die Auflösung des Falls fällt dann recht unspektakulär aus, wichtiger ist vielmehr, was davor passiert: Immer wieder werden Klischees und bekannte Sujets aus der Zeit der Sklaverei und Rassentrennung dekonstruiert und die Rollen von Weiß und Schwarz umgekehrt. In der Hitze der Nacht nimmt seine Thematik zum Glück nicht auf die leichte Schulter und sucht auch keine einfachen Lösungen. Das Ergebnis: Ein verdammt sehenswerter Film.
imdb / Trailer

Rakka (Neill Blomkamp, CAN/USA 2017)
Neill Blomkamp hat genug von den großen Hollywood-Studios und macht kurzerhand sein eigenes auf, das fortan Kurzfilme produzieren will. Rakka ist eine der ersten Arbeiten der „Oats Studios“ und wildert dort, wo Blomkamp am ehesten zu Hause ist: Dystopische Science Fiction. Aliens, die die Menschen unterjochen und zu Experimenten missbrauchen, Widerstandskämpfer, die sich notfalls in die Luft sprengen. Auch eine politische Komponente ist also wieder an Bord – District 9 lässt grüßen. Für einen Kurzfilm, der auf YouTube zu bestaunen ist, gehen sogar die Computereffekte mehr als in Ordnung. Der eigentliche Höhepunkt des Ganzen ist aber der Auftritt von Sigourney Weaver. Einstieg gelungen – mal sehen, wo es die Oats Studios noch hinführt.
imdb / Ganzer Film auf YouTube

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