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Kritik: „Der dunkle Turm“

Der Dunkle Turm (The Dark Tower, Nikolaj Arcel, USA 2017)

Verfilmung von Stephen Kings Opus Magnum, das mit heftigen Drehbuchproblem kämpft und die Vorlage bis zur Banalität zusammenpresst.

Ich war wirklich gespannt auf Der Dunkle Turm. Wirklich gespannt. Nicht, weil ich einen guten Film erwartete – das hatte sich schon mit dem ersten Trailer erledigt. Nein, ich war gespannt, weil es für mich ein Premiere war: Erstmals erscheint eine Buchverfilmung (abseits von Harry Potter), deren Vorlage ich bereits gelesen habe.

*Räusper* Nun gut, nicht ganz. Zurzeit stecke in der Mitte des dritten Bandes von Stephen Kings achtteiligem Opus Magnum. Zumindest aber habe ich eine grobe Vorstellung davon, worum sich die Geschichte des Revolvermanns dreht, mit welchen Symbolen und Stilmitteln King erzählt, was der mythologische Kern dieses Epos ist. Endlich könnte also auch ich mal die Nase rümpfen und verlauten lassen: „Im Buch ist das aber ganz anders!“

Dass die Verfilmung tatsächlich einen anderen Weg einschlagen würde, das war schon bei der Wahl des neuen Protagonisten und der Hautfarbe seines nun zur Nebenrolle degradierten Partners klar. Dass zahlreiche Handlungselement und Details, die King so genüsslich auswälzt, gestrichen wurden, ist prinzipiell ja erst einmal nicht schlimm. Dass Der Dunkle Turm ein vollkommen banaler, Highlight-armer Sommerblockbuster geworden ist, allerdings nicht.

Herr Roland kam (nicht) zum finstren Turm
Zunächst einmal zum erwähnten Perspektivwechsel: Während Roland Deschain (Idris Elba), der letzte verbleibende „Revolvermann“, in der Vorlage der wichtigste Handlungsträger ist, kommt diese Aufgabe im Film dem zehnjährige Jake (Tom Taylor) zu: Lebend im New York der Gegenwart, nächtens von Visionen und Albträumen geplagt, die ihm eine fremde Welt zeigen und ihn fast in die Irrenanstalt bringen.

Stattdessen aber verschlägt es Jake via Portal in jene Welt, von der er geträumt hat: Mittwelt, in der er Roland begegnet, welcher dem „Mann im Schwarz“ Walter (Matthew McConaughey) hinterherjagt, um Rache zu üben. Letzter versucht derweil den namensgebenden Dunklen Turm zu zerstören – und braucht dafür Jake.

Dass nicht Roland, sondern Jake die Hauptrolle zukommt, ist nicht Ursache, sondern lediglich Symptom des eigentlichen Problems von Der Dunkle Turm: Er will eine jugendliche und vermeintlich anspruchslose Zielgruppe erreichen. „Generation  Transformers„, die Nachschub für Panem, Divergent, Twilight will. Die sich nach fremden Welten und mythischen Wesen sehnt, nach simplen Geschichten mit klarer Gut-Böse-Struktur. Im Gegensatz zu oben genannten hat Der Dunkle Turm aber nicht mal innere Konflikte zu bieten.

Unmotiviert auf 90 Minuten zusammengedampft
Kurzum: Die Vorlage wird hier derart unmotiviert auf 90 Minuten zusammen gestampft, dass das Ergebnis in absoluter Banalität versinkt. Fast noch schlimmer: Mittwelt selbst, diese so faszinierende Dystopie voller Mysterien, nimmt nur ein gutes Drittel der Laufzeit ein. Zu sehen gibt es dabei – bis auf Ödnis (was der Vorlage ja durchaus gerecht wird) und Dunkelheit – nichts. Was man über diese fremde Welt lernt, was man von ihr zu sehen bekommt, bewegt sich im minimalen Rahmen – und wenn es mal ein paar Häppchen gibt, dann werden sie ungelenk in die Handlung geworfen. Auf den Nachfolger, mit dem hier Zaunpfahl-artig gewunken wird, macht das keine Lust.

Zurück zu den Figuren: Während sämtliche Nebenrollen flach wie Papier und auch der Jung-Protagonist ziemlich profillos bleiben, können McConaughey und Elba das zumindest halbwegs kompensieren. Ersterer begnügt sich zwar mit einer ziemlich monotonen Mimik, gibt aber tatsächlich einen passablen Mann in Schwarz ab.

Und Elba – nun der macht das, was er sonst auch am besten kann und füllt die Leinwand sowohl physisch als auch charismatisch aus. Das ändert wenig daran, dass auch diese Figur weit unter ihren Möglichkeiten bleibt, weil sie ebenfalls jeglicher Komplexität beraubt wird. Zumindest aber kann Roland in den raren Action-Szenen überzeugen. Die überschreiten die Grenze zur Unglaubwürdigkeit mehrfach, haben aber zumindest eines: Style. Was man vom vom Rest des Films nicht behaupten kann. Trailer-Gucker haben jedoch abermals die A-Karte gezogen: Die besten Action-Momente wurden schon kompromisslos im Trailer verbraten.

Fazit
Eigentlich schätze ich es, wenn Adaption versuchen, ihren eigenen Weg zu gehen und neue Ansätze aus bewährtem Material schöpfen. Der Dunkle Turm jedoch schlägt den genau falschen Pfad ein: Er dampft das Ausgangsmaterial zusammen, presst es in ausgetretene Erzählmuster und banalisiert das Ganze so sehr, dass es – auch ohne Kenntnis der Vorlage – eigentlich nur eines Wortes bedarf, um diesen Film zusammenzufassen: Egal. Und das ist so ziemlich das Schlimmste, was man Kings Werk antun kann.

Bilder & Trailer: (c) Sony Pictures Entertainment

6 Kommentare zu „Kritik: „Der dunkle Turm“ Hinterlasse einen Kommentar

  1. Warum ein Magnum Opus wie The Dark Tower als Filmemacher überhaupt angehen, wenn man von vornherein weiß, dass man damit sämtliche Fans vor dem Kopf stößt und der Vorlage nicht im Geringsten gerecht wird. Wie künstlerisch anspruchslos muss man sein, um das mitzumachen, bzw. um nicht zu sagen, seine kostbare Zeit zu opfern.

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    • Um ehrlich zu sein, habe ich da jetzt ein bisschen Angst (und nicht die Angst, die die Macher bei mir hervorrufen wollen). Einmal hat’s schon geklappt, der Neuversuch könnte versuchen, die gleich Zielgruppe wie Der Dunkle Turm zu erreichen….

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      • Das habe ich bisher noch nicht bedacht…ich hoffe dass die Produzenten nicht versuchen wollen diese Zielgruppe zu erreichen …

        Sonst wird die Tradition mäßiger Kingverfilmungen fortgesetzt ..

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