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Filme gesehen #152

Diese Woche mit Stephen Kings Es, Into the Woods und xXx 3 – Die Rückkehr des Xander Cage.

Stephen Kings Es (Stephen King’s It, Tommy Lee Wallace, USA/CAN 1990)
Ein großer Stephen-King-Fan sagte mal zu mir, Es sei „das King-Werk schlechthin“. Da nun bald die Neuverfilmung ansteht, bestand für mich also die Pflicht, mir endlich mal die alte Version anzusehen. Und siehe da: Trotz vieler, nicht wegdiskutierbarer Schwächen ist Es noch immer ein guter Film. Zwar ein sehr trashiger, der heutzutage noch älter aussieht, als er eigentlich ist. Aber auch einer, der die Faszination für die Vorlage gut vermittelt. Die sporadischen Auftritte von Tim Currys Pennywise sind brillante dramaturgische Spitzen, die selbst das Gefasel der Protagonisten erträglich machen. Vor allem aber ist es die Atmosphäre, die überzeugt: Sowohl in den Kindheits-Rückblenden als auch im Hauptplot herrscht permanentes Unwohlsein – solch ein Horror, der metaphorisch für den Vertrauensverlust in Eltern und Institutionen steht, funktioniert für mich deutlich besser, als die berechenbaren Jump-Scare-Paraden der Moderne. Okay, die meisten Figuren kann man getrost in die Tonne kloppen. An genau diesem Punkt könnte ja aber die Neuauflage ansetzen. Auf die jedenfalls bin ich nun wirklich gespannt.
imdb / Trailer

Into the Woods (Rob Marshall, USA/UK 2014)
Neben Marvel und Star Wars sieht das dritte große Standbein von Disney derzeit wie folgt aus: All die erfolgreichen Märchenklassiker von Dornröschen bis König der Löwen als CGI-überflutete „Realfilme“ neu auflegen und damit einen Einspielrekord nach dem nächsten brechen. Eines der frühen Werke dieser Welle war die Musical-Verfilmung Into the Woods, die, so behaupte ich mal, niemand gebraucht hat. Da werden vier klassische Märchen zu einer Melange vermengt und auch wenn das Ergebnis etwas tatsächlich Neues ist, so ist es doch nichts von Belang. Das fängt schon mit Hauptdarsteller James Corden an, der mal lieber bei seiner Late-Night-Show geblieben wäre, denn hier kann man ihn getrost in der Pfeife rauchen. Die Kulissen wirken niemals überzeugend. Die Gesangseinlage der beiden Prinzen soll vielleicht witzig sein – ist sie aber nicht. Und die Handlung ist mindestens 30 Minuten zu lang. Da versuchen die Autoren dann noch den Märchen-typischen Determinismus zugunsten einer moderneren Metapher aufzulösen, kommen damit aber einfach zu spät. Einzig Meryl Streep, wer hätte es anders gedacht, macht ihren Job fantastisch. Aber selbst als böse Hexe kann sie diese überflüssigen 120 Minuten Filmgeschehen nicht retten.
imdb / Trailer

xXx 3 – Die Rückkehr des Xander Cage (xXx – The Return of Xander Cage, USA 2017)
War Teil eins noch das prollige, aber auf seine Weise trashig-unterhaltsame Abfeiern von James-Bond-Klischees im damals so hippen Extremsportmilieu, ist Teil drei nur noch eine Kopie der Kopie, die verzweifelt versucht, ihre stümperhafte Handlung und die fürchterlich inszenierte Action durch möglichst viele Figuren zu vertuschen. Nun wird aus der One-Man-Show um Vin Diesel also eine Art Ensemble-Stück, von denen es aber bereits viel zu viele gibt – genau so gut hätte hier auch „Fast & Furious Teil X“ drüber stehen können. Das große Problem: xXx 3 kann mit den charakterlichen Neuzugängen nichts anfangen. Jeder bekommt zwar seine Aufgabe, doch die meisten werden vom Drehbuch äußerst stiefmütterlich behandelt. Der Extremsport-Anteil wird zugunsten uninspirierter Ballereien minimiert, die Rückgriffe auf den ersten Teil wirken bemüht. Die Reihe wurde damit schlicht ihrer Identität beraubt – wenn sie denn jemals eine hatte.
imdb / Trailer

5 Kommentare zu „Filme gesehen #152 Hinterlasse einen Kommentar

  1. Deine wöchentliche Filmauswahl ist immer wieder höchstinteressant.

    Suchst du die Filme nach System aus, oder ist es einfach der spontane Zufall? Oder doch tatsächlich persönliches Interesse (xXX, echt!?)?

    Auf jeden Fall lese ich deine Kurzreviews mittlerweile richtig gern und bin echt froh diesen Blog entdeckt zu haben.

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    • Vielen vielen Dank für das Lob, so was liest man doch immer wieder gern 🙂
      Die Filmauswahl ist immer eine Mischung aus Laune, Kompromiss und Zufall. Dass ich mir einen Film ganz gezielt raussuche, kommt eher selten vor. Meist schaue ich abends durch meine DVD-, Netflix- und Amazon-Bibliothek und entscheide nach Stimmung und verfügbarer Zeit (deshalb habe eher selten Filme von 2,5h oder mehr drin). Oft trifft auch meine bessere Hälfte die Auswahl, weil sie an der Reihe ist (da kam dann Into the Woods raus). Und xXX war einfach dem geschuldet, dass ich einen alten Freund zu Gast hatte, mit dem ich früher liebend gern den ersten Teil gesehen hatte. Da musste wir uns einfach den neuesten Teil antun 🙂

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  2. Bei ES fand ich immer die Teile mit den Kindern viel besser als die Teile mit den erwachsenen Charakteren. King ist mMn immer dann am Besten, wenn er vom Verlust irgendeiner Art von Unschuld schreibt. Seien es Kinder, die mehr von der Welt verstehen oder Andy Dufresne in die Verurteilten. Letztendlich trägt aber vor allem Curry den Zweiteiler.

    Ich fand das Marketing zu XXX3 derart albern. Wie alle Welt (vor allem natürlich die Damenwelt) mit angehaltenem Atem auf die Rücker von Vin Diesel gewartet hat… Ich bezweifle, dass sich irgendwer überhaupt noch an die Marke erinnert hat. Diesel ist eh am Besten, wenn er nicht zu sehen ist. Sei es der Iron Giant oder „I am Groot“. 😉

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    • Ach, ich hatte tatsächlich halbwegs positive Erinnerungen an den erste Triple X – vom Marketing zu Teil 3 habe ich bis auf die Trailer auch nix mitbekommen. Aber ja, ich glaube niemand hat nach diesem Film gekräht. Seine Anziehungskraft auf die Damenwelt wird dann ja sogleich mit meinen flotten Siebener untermauert – hochnotpeinlich dieses Getue

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