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Filme gesehen #159

Diese Woche mit Das Glück an meiner Seite, Sieben Minuten nach Mitternacht, Das Mädchen, das durch die Zeit sprang und Funny Games.

Das Glück an meiner Seite (You’re not you, George C. Wolfe, USA 2014)
Das US-Remake von Ziemlich beste Freunde ist eigentlich noch in Arbeit. Mit Das Glück an meiner Seite hat Hollywood aber bereits vor drei Jahren einen Film abgeliefert, der dem großartigen französischen Werk über einen Querschnittsgelähmten aus guten und seinen Pfleger aus ärmlichen Verhältnissen aber ziemlich nahe kommt. Zumindest inhaltlich. Qualitativ allerdings nicht. Statt zwei Männern geht es diesmal um zwei Frauen: Hillary Swank leidet an ALS, ihre neue Pflegerin (Emmy Rossum) ist eine chaotische Rumtreiberin, die nichts auf die Reihe bekommt, außer sich gut mit ihrem neuen Schützling zu verstehen. Dabei entstehen ein paar nette, mal witzige, mal emotionale Situationen. Der ganz große Gefühlskick bleibt aufgrund scherenschnitthafter Figuren, langweiliger Dialoge und unspektakulärer Ästhetik allerdings aus. So zieht Das Glück an meiner Seite am Zuschauer vorbei, ohne einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. Vielleicht liegt es aber auch nur an einem ganz grundsätzlichen Problem, das ich mit Das Glück an meiner Seite habe (nämlich dass ich Hillary Swank als Schauspielerin auf den Tod nicht ausstehen kann). Wahrscheinlich aber eher daran, dass dieser Film im letzten Drittel zu einer gefühlsduseligen, berechenbaren Pampe wird. So oder so: Weiterempfehlen kann ich ihn nicht.
imdb / Trailer

Sieben Minuten nach Mitternacht (A Monster Calls, J.A. Bayona, USA/ESP/UK 2016)
Wie man es anders und deutlich besser macht, zeigt dieser Film. Auch in Sieben Minuten nach Mitternacht geht es um einen todkranken Menschen und sein Umfeld: Der 12-jährige Conor steht kurz davor, seine Mutter an den Krebs zu verlieren. Hier dreht sich die Handlung allerdings nicht um die Krankheit oder das Leiden selbst, sondern um den schweren Weg zur Akzeptanz jenes Verlustes. Sieben Minuten nach Mitternacht bedient sich deshalb einer Allegorie im Fantasy-Milieu und konfrontiert Conor mit einem riesigen Baummonster, das ihm drei wunderschön illustrierte Geschichten erzählt, die den Jungen schließlich zu einer entscheidenden Erkenntnis führen sollen. Eine Erkenntnis, die schlussendlich ein emotionaler Leberhaken ist. Charmant geschrieben, großartig animiert, toll inszeniert. Und dennoch fehlt Sieben Minuten nach Mitternacht dieses letzte, gewisse Etwas um mich gänzlich vom Hocker zu hauen. Der vollkommen überflüssige Epilog tut diesem eigentlich sehr guten Film leider auch keinen Gefallen.
imdb / Trailer

Das Mädchen, das durch die Zeit sprang (Toki o kakeru shōjo, Mamoru Hosoda, JPN 2006)
Schon wieder ein Anime, diesmal jedoch nicht aus dem Hause Ghibli. Dass Das Mädchen, das durch die Zeit sprang nicht der kultigen Anime-Schmiede entstammt, sieht man sofort: Der Stil ist kantiger, dynamischer, unknuddeliger, Farben und Kontraste sind weniger intensiv. Der überragenden visuellen Qualität tut das jedoch keinen Abbruch. Erzählerisch zwar ein wenig inkohärent und durcheinander, trotzdem mitreißend: Ein Schulmädchen entdeckt ihre Fähigkeit, wenige Sekunden bis mehrere Tage in die Vergangenheit zurückspringen zu können und nutzt dies natürlich mit vollster Wonne aus. Schlechte Punktzahl in der Klassenarbeit? Kleines Malheurs beim Kochen? Alles kein Problem mehr. Angereichert wird diese Geschichte durch sehr viel – vor allem physischen – Humor. Doch allmählich muss die hoch sympathische Protagonistin feststellen, dass jede Handlung unabsehbare Konsequenzen hat. Und dass man besser nicht mit den Gefühlen anderer Menschen herum experimentiert. Das letzte Drittel ist etwas wirr, der Kernbotschaft des Films schadet das aber nicht: Bedenke die Folgen deines Handels.
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Funny Games (Michael Haneke, AUT 1997)
Dass Michael Hanekes Filme alles andere als zimperlich sind, dürfte bereits bekannt sein. Einer seiner berüchtigtsten Filme – Funny Games – steht seit einiger Zeit in meinem DVD-Regal und wird dort auch verbleiben. Nicht, weil er ein Meisterwerk wäre, im Gegenteil: Funny Games kommt für mich nicht über ein „gut“ hinaus. Das liegt einerseits an den über weite Strecken hölzernen Darstellern, die erst in der zweiten Hälfte aufblühen dürfen. Und andererseits daran, dass es Haneke im entscheidenden Moment mit diesem „Vierte Wand durchbrechen“-Quatsch schlicht übertreibt. Worum geht’s? Zwei Psychopathen fallen im abgelegenen Haus einer wohlhabenden Familie ein und foltern sie – vielmehr psychisch denn physisch – bis zur totalen Eskalation. Dass Haneke mit diesem Film dem Zuschauer und dessen Gewalt-Voyeurismus einen Spiegel vorhalten und ihn damit unmittelbar adressieren will, wird schnell deutlich – aber eben überdeutlich. So belässt es der Regisseur nicht bei einem kurzen Blinzeln in die Kamera, nein, da müssen noch zwei, drei direkte Ansprachen ans Publikum folgen. Und dann eben dieser Rückspul-Moment, den man entweder genial oder – so wie ich – einfach nur vollkommen deplatziert finden kann. Schon klar, Haneke will mit den Sehgewohnheiten seines Publikums brechen, Konventionen unterlaufen, schockieren und zur Selbstreflexion anregen. Das geht aber auch feinfühliger und eleganter. Warum Funny Games trotzdem in meiner Sammlung verbleiben wird? Weil allein dieser Ansatz interessant und mutig genug ist, um ihm einen kleinen Ehrenplatz zu sichern.
imdb / Trailer

10 Kommentare zu „Filme gesehen #159 Hinterlasse einen Kommentar

  1. Was habe ich Funny Games gehasst als ich den das erste Mal gesehen habe. 😉 Den Fernseher angeschrien und alles. „Ziel erreicht“, würde Haneke wohl sagen. Inzwischen kann ich durchaus mehr mit dem anfangen, finde aber immer noch, dass Haneke einem hier doch arg mit dem erhobenen Zeigefinger im Auge rumpiekst.

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  2. Mensch, „Das Mädchen, das durch die Zeit sprang“ liebe ich aber sehr. Summer Wars vom selben Regiesseur kann ich auch sehr empfehlen, falls du den nicht schon gesehen hast.
    Funny Games wollte ich ewig schon mal nachgeholt haben …

    Gefällt 1 Person

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