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Filme gesehen #160

Diese Woche mit Get Out, Montags in Dresden und Das Salz der Erde.

Get Out (Jordan Peele, USA 2017)
Da führte kein Weg dran vorbei: Ich musste Get Out einfach nochmal sehen. Jordan Peeles Horror-Thriller über rassisches Denken, Vorurteile und das seltsam bedrückende Gefühl, als Schwarzer in einer weißen Menge unterzugehen, profitiert bei der zweiten Sichtung naturgemäß davon, dass man die Hintergründe sowie die Auflösung bereits kennt und deshalb die zahlreichen Zeichen, Andeutungen und Symbole der ersten Hälfte noch besser deuten kann. Außerdem muss ich mich ein bisschen dafür schämen, dass mir die Großartigkeit von Allison Williams schauspielerischem Können erst jetzt wirklich aufgefallen ist. Meine Meinung von damals hat sich dadurch aber nicht geändert: Get Out ist für mich weiterhin einer der besten und intelligentesten Psychothriller mit Horrorelementen, die in den vergangenen Jahren das Licht der Leinwand erblickt haben – auch wenn die Metapher hier eindeutig mehr Gewicht hat als die Logik der Handlung.
imdb / Trailer
Montags in Dresden (Sabine Michel, DEU 2017)
Dokumentarfilm zum Ersten: Auf dem Papier klingt Montags in Dresden wirklich spannend. Der Name verrät’s schon: Es geht um Pegida. Regisseurin Sabine Michel hat es doch tatsächlich geschafft, drei Sympathisanten der islamfeindlichen Bewegung über drei Jahre hinweg mit der Kamera zu begleiten und zu porträtieren. Die erzählerische Prämisse stieß allerdings nicht bei allen auf Verständnis: Anstatt die Aussagen der Protagonisten kritisch zu hinterfragen, lässt Michel alles unkommentiert stehen. Meines Erachtens ein mutiger und löblicher Ansatz, die Umsetzung allerdings hat zwei große Probleme: In der ersten Filmhälfte taucht Michel derart tief in den Alltag der Protagonisten ein, dass er stellenweise die Schwelle zur Banalität überschreitet; in der zweiten, in der es deutlich politischer wird, verrät er uns nichts, was wir nicht längst wüssten. Dass hinter den „Volksfahrräder“-Parolen oft Menschen mit schwierigen Biografien stecken, beispielsweise, oder dass deren Weltbild von sehr engen, sehr klaren Grenzen umrissen wird. Zwar entblößen sich die drei Porträtierten auch ohne kritischen Off-Kommentar immer wieder selbst – dennoch bleibt Montags in Dresden weit hinter seinen Möglichkeiten zurück und von einem Erkenntnisgewinn entfernt.
Trailer

Das Salz der Erde (The Salt of the Earth, Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgado, FRA/BRA 2014)
Dokumentarfilm zum Zweiten: Wim Wenders porträtiert einen Fotografen, der im Laufe seines Lebens nicht nur verdammt eindrückliche Bilder produziert hat, sondern auch mindestens genau so eindrückliche Geschichten zu berichten hat. Von Hungersnöten und Flüchtlingsströmen in Afrika. Von Goldschürfern, die zu Hunderten in einer Grube buddeln. Von der Zerstörung eines Regenwaldes und seines sukzessiven Wiederaufbaus. Das Salz der Erde ist deshalb nicht nur eine ästhetische Wohltat, die einen Großteil ihrer Laufzeit jenen höchst beeindruckenden Schwarz-Weiß-Aufnahmen und Sebastião Salgado widmet, sondern auch ein Film, der soziale und ökologische Probleme ganz bewusst in den Vordergrund hebt. Wenders hätte dabei ein wenig mehr die narrative/moderative Kontrolle übernehmen können, denn die letzte Stunde besteht im Wesentlichen nur aus untertitelten Talking-Heads-Beiträgen, was auf Dauer ein wenig ermüdend ist. Und dennoch ist dies ein Film, der mit voller Wucht ins Auge und ins Herz trifft.
imdb / Trailer

3 Kommentare zu „Filme gesehen #160 Hinterlasse einen Kommentar

  1. Get Out feiere ich ebenso. Klar – letzten Endes ist der Film etwas offensichtlicher als der Trailer, aber trotzdem irre gut gemacht und creepy.
    Montags in Dresden hatte ich gar nicht auf dem Schirm, aber schade, dass bei einem so schwierigen Thema der Funke nicht ganz überspringt. Ich habe Familie in Dresden und die würden sich wünschen, dass Dresden nicht immer nur mit Pegida verbunden wird wie es seit ein paar Jahren der Fall zu sein scheint.

    Gefällt 1 Person

    • Komme ja auch aus der Gegend und kenne auch sehr viele Dresdner, die eine gegenteilige politische Meinung haben. Aber leider gibt es dort einen großen Bevölkerungsanteil, der für dieses schlimme Image nicht ganz zu unrecht verantwortlich ist

      Liken

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