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Filme gesehen #162

Diese Woche mit America is the greatest Country in the United States , Indie Game: The Movie und Tiger Girl.

America is the greatest Country in the United States (Judah Friedlander, USA 2017)
Ich bin aktuell extrem angefixt von amerikanischen Stand-Ups, von denen es auf Netflix ja glücklicherweise zur Genüge gibt. Eigentlich dürften die hier gar keinen Platz finden, doch wenn ein Programm so gut ist wie Judah Friedlanders America is the greatest Country in the United States, dann komme ich nicht umhin, das an dieser Stelle weiter zu empfehlen. Die rund 80-minütige Zusammenstellung mehrer Auftritte des bärtigen Riesen ist puristisch inszeniert (schwarz-weiß, keine Aufnahmen vom Publikum) und betont deshalb umso mehr die inhaltlichen Qualitäten. Mit einem Höchstmaß an Sarkasmus zerreißt Friedlander die Überzeugung vieler seiner Landsleute, Amerika wäre das beste Land der Welt, prangert auf mal mehr, mal weniger subtile Weise Missstände und falsche Weltvorstellungen an, indem er sie überhöht, und spricht sehr, sehr viele unbequeme Wahrheiten aus. Die große Klasse dieser Nummer besteht jedoch darin, dass er nicht einfach einen Monolog herunter spult, sondern sich Themen und Stichpunkte vom Publikum geben lässt und damit großes Improvisationstalent beweist. Freilich trifft da nicht jede Pointe in Schwarze, ganz selten wirkt ein Gag auch weit hergeholt oder bemüht lustig. Aber meine Güte, was habe ich gelacht.
imdb / Trailer

Indie Game: The Movie (James Swirsky/Lisanne Pajot, CAN 2012)
Dokumentation über von großen Publishern unabhängige Videospiel-Entwicklung, die drei (bereits etwas ältere) Games und ihre Programmierer in den Fokus rückt. Nur etwas für Leute vom Fach und inzwischen auch ein wenig überholt, denn der Indie-Markt ist schließlich längst keine Nische mehr. Was Indie Game: The Movie aber auch heute noch sehr gut zu vermitteln weiß, das ist die Passion, die die Entwickler in ihre Werke stecken. Gelegentlich wirken sie dabei auch manisch bis unsympathisch – aber stets menschlich. Kurzweilig, informativ und solide produziert. Kann/sollte man als Videospiel-Interessierter machen.
imdb / Trailer

Tiger Girl (Jakob Lass, DEU 2017)
Zum Glück gibt es noch junge, hungrige Filmemacher aus Deutschland, die dem RomCom-/Dramedy-Einheitsbrei von Til Schweiger und Matthias Schweighöfer etwas entgegen setzen. Zu solchen nicht immer gelungenen, aber stets lobenswerten Produktionen wie Victoria, Der Nachtmahr und Under the Bridge gesellt sich nun auch Tiger Girl, der die Freundschaft zweier gänzlich unterschiedlicher, junger Frauen porträtiert: Die eine – Vanilla genannt – ein anfangs noch zurückhaltendes Mauerblümchen, das sich an einer Ausbildung in einer Sicherheitsfirma versucht; die andere – Tiger genannt – eine anarchische Alternative, die Freigeistigkeit in das Leben der ersten trägt. Natürlich muss das irgendwann schief laufen. Das Ergebnis ist ein unkonventioneller Coming-of-Age-Film, eine interessante Milieu-Studie und ein mitreißendes, authentisches Werk über Freundschaft, Treue und den Drang, sich als Frau aus einer von männlichen Autoritätspersonen dominierten Welt freizukämpfen. Sehr zu empfehlen.
imdb / Trailer

4 Kommentare zu „Filme gesehen #162 Hinterlasse einen Kommentar

  1. Ich glaube das ist das erste mal seit ich diese Kategorie verfolge, dass ich noch nicht mal von einem deiner Filme zumindest gehört habe. Ich spiele übrigens mit dem Gedanken dein Format demnächst zu übernehmen. Entweder monatlich oder immer nach 5 Filmen oder so.

    Gefällt 1 Person

  2. „Tiger Girl“ sehe ich etwas kritischer: Die Entwicklung der schüchternen Frau zur Kampfmaschine ist zu holzschnittartig und nicht schlüssig genug erzählt. Der Film hat aber auch seine starken Momente: Der rauhe Ton des Ausbilders im Security-Lehrgang, an dem „Vanilla“ teil nimmt, ist sehr realitätsnah getroffen. Auch der Machtrausch, in den sich die beiden kriminellen Aggro-Frauen hineinsteigern, ist im Mittelteil sehr gut dargestellt, als sie ihre Uniformen nutzen und sich am Eigentum und den Körpern ihrer Opfer vergreifen.
    https://daskulturblog.com/2017/04/09/tiger-girl-jakob-lass-mischt-das-deutsche-kino-auf/

    Gefällt 1 Person

    • In der Tat ist diese Entwicklung ein bisschen sprunghaft und nicht ganz nachvollziehbar. Kann ich aber verzeihen, weil der Rest stimmt, zum Beispiel die erwähnte Security-Ausbildung. Selten hat ein einzelner Faustschlag so sehr weh getan 🙂

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