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Filme gesehen #171

Diese Woche mit Die Jury, Super Dark Times und Falsches Spiel mit Roger Rabbit.

Die Jury (A Time to Kill, Joel Schumacher, USA 1996)
Dank der großartigen ersten Staffel von American Crime Story, die nun endlich auf Netflix verfügbar ist und den Fall O.J. Simpson aufrollt, bin ich derzeit ein wenig im Gerichtsfilm-Rausch. Wie The People vs. O.J. Simpson widmet sich auch Die Jury einem Fall, der aus dem US-amerikanischen Rassismus resultiert: Zwei Hillbillies vergewaltigen ein junges schwarzes Mädchen und werden von deren Vater (Samuel L. Jackson) noch im Gerichtsgebäude erschossen. Ein mittelloser Anwalt (Matthew McConaughey) nimmt sich dessen Verteidigung an, muss dabei gegen Windmühlen, einen befangenen Richter, einen heimtückischen Staatsanwalt (Kevin Spacey), eine weiße Jury und sogar den Ku-Klux-Klan ankämpfen. Dabei ist der eigentliche Fall nicht viel mehr als eine Kulisse für das große Thema des Films (Rassismus). Und der macht zwei große Fehler. Zum einen ist das Verhalten von Jacksons Figur, trotz aller emotionalen Nachvollziehbarkeit, moralisch und juristisch derart verwerflich, dass die eigentlich als Opfer/Sympathieträger angelegte Figur von Beginn an mit einer nicht weg zu redenden Schuld beladen ist. Zwar will uns der Film davon überzeugen, dass ein Freispruch moralisch vertretbar wäre – jeder Laie erkennt jedoch, dass dem keinesfalls so ist. Zweiter großer Patzer: Der Prozess an sich ist derart schludrig und unauthentisch inszeniert, dass es weh tut. Das ist mir vielleicht nur so negativ aufgefallen, weil ich noch kurz zuvor American Crime Story gesehen habe – ändert aber nichts an der Tatsache, dass das Verhalten sämtlicher Beteiligten (auch der Anwälte) während der Verhandlung ziemlich unglaubwürdig ist und jeder Ordnung der Juristerei widerspricht. Wäre dies ein Prozess, ich würde Einspruch gegen Die Jury erheben.
imdb / Trailer

Super Dark Times (Kevin Phllips, USA 2017)
Klingt und sieht auf den ersten Blick wie ein Projekt aus, das im Fahrwasser von Stranger Things entstand und weist tatsächlich auch einige Ähnlichkeiten zur Coming-of-Age/Mystery-Serie auf – ist dann aber doch etwas ganz anderes. Super Dark Times schildert das super-normale Kleinstadtleben von vier super-normalen Typen mitten in der Pubertät, die in super-schlimme Bredouille geraten, als sie mit einem Katana-Replikat spielen. Bei der Hauptfigur hinterlässt dieses Ereignis deutliche seelische Narben: Emotionale Abschottung, Paranoia und Albträume sind die Folge und werden noch dadurch verstärkt, dass der Junge mitten in der Pubertät steckt und deswegen hart mit seinen Hormonen zu kämpfen hat. Kühle, triste Bilder bestimmen die erste Hälfte des Films, die zweite hingegen ist geprägt von Dunkelheit und Schatten, Verwirrung und Verstörung. Atmosphärisch top, schauspielerisch ebenso, die Spannungskurve schraubt sich allmählich und effektiv nach oben und auch das Ende weiß (trotz kompletter Eskalation) zu punkten. Super Dark Times ist alles andere als ein Meisterwerk – dafür fehlt es dem Regiedebüt von Kevin Phillips vor allem an einprägsamen Elementen und Momenten. Dennoch empfehlenswert.
imdb / Trailer

Falsches Spiel mit Roger Rabbit (Who frames Roger Rabbit, Robert Zemeckis, USA 1988)
Die Verknüpfung von Realfilm und Zeichentrick ist prinzipiell schwierig. Wenn das aber handwerklich derart überzeugend und inhaltlich derart unterhaltsam wie bei Falsches Spiel mit Roger Rabbit geschieht, kann man nur seinen Hut ziehen. Allerdings ist das auch wenig überraschend, wenn Robert Zemeckis auf dem Regiestuhl Platz nimmt. Im Los Angeles der späten 40er Jahre leben also Menschen und Toon-Figuren zusammen und jeder nach seinen Regeln. Heißt: Toons sind so gut wie unsterblich und handeln nur nach einer Maßgabe: Gags. Ein Detektiv (Bob Hoskins) soll nun der Frau von Roger Rabbit hinterher spionieren und löst damit eine Verschwörung aus, bei der letztendlich das Schicksal aller Toons auf dem Spiel steht. So entsteht eine erstaunlich stimmige Mischung aus Komödie und Film Noir, bei der sämtliche Klischees bedient werden, nur um mit ihnen zu brechen. Fast noch beeindruckender ist da nur die Tatsache, dass zahlreiche Disney-Figuren neben den Looney Toons in Erscheinung treten. Wann hat man schon mal Mickey Mouse und Bugs Bunny in ein und derselben Szene bewundern können? Das Drehbuch kratzt an der Grenze zur Perfektion, die Technik ebenfalls, der Unterhaltungsfaktor ist erstaunlich hoch, ohne anspruchslos zu werden. Toller Film.
imdb / Trailer

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