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Filme gesehen #172

Diese Woche mit Bad Neighbors 2, Fack Ju Göhte, 12 Monkeys und Dredd.

Bad Neighbors 2 (Neighbors 2: Sorority Rising, Nicholas Stoller, USA 2016)
War der erste Teil noch eine halbwegs solide Komödie mit dem für Seth Rogen typischen, infantilen Slapstick-Kiffer-Humor, hat sich daran in Teil zwei wenig geändert – außer dass die Qualität einen extrem großen Schritt nach unten gemacht hat. Anstatt mit einer Studenten-Bruderschaft müssen es Rogen und seine Frau nun mit einer Schwesternschaft aufnehmen, bekommen dabei Schützenhilfe von ihrem ehemaligen Antagonisten Zac Efron und müssen sich durch allerhand peinliche und unangenehme Situationen kämpfen. Nur scheinen sich die Autoren diesmal ein wenig zu sehr im Drogenrausch gewälzt zu haben, denn humoristisch ist Bad Neighbors 2 schlicht eine Vollkatastrophe. Ein Lächeln kann einem der Film höchstens im Zehn-Minuten-Takt entlocken, die pro-feministische Botschaft wirkt aufgesetzt und entpuppt sich nach genauerer Überlegung als pseudo-moralische Luftnummer. Über den grauenhaften Schnitt, der sich halbherzig an einer Musikvideo-Ästhetik versucht, müssen wir gar nicht erst reden. Finger weg.
imdb / Trailer

Fack Ju Göhte (Bora Dagtekin, DEU 2013)
Zeki Müllers (Elias M’Barek) erster Auftritt beweist sich auch bei der zweiten Sichtung als ungewöhnlich gute, moderne Komödie aus deutschen Landen und macht zugleich deutlich, warum der zweite Teil im direkten Vergleich ein absoluter Rohrkrepierer ist: Die Stärke von Fack Ju Göhte liegt im Konflikt zwischen Lehrern und Schülern und der sukzessiven Annäherung beider Parteien. So wird – mal mehr, mal weniger subtil – zugleich ein Licht auf die Probleme im deutschen Bildungssystem geworfen: Gestresste Lehrer treffen auf widerspenstige Schüler und schreiben sie ab, anstatt ihre Stärken herauszukitzeln. Diese sozialkritische Note fließt ganz organisch in die Geschichte ein, wird mit einem subversiven, angenehm rotzigen Humor kombiniert und ergibt in Summe einen Film, der einerseits als unterhaltsames Zeitdokument, andererseits beinahe als Milieustudie gelesen werden kann. Wäre das bloß nicht diese grauenhafte Fortsetzung, die die kommerziellen Bestrebungen hinter dem Projekt offen legt (und einige unnötige Szenen, in denen Fremdschamfaktor rapide ansteigt).
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12 Monkeys (Twelve Monkeys, Terry Gilliam, USA 1995)
Die surreal-dystopische Zeitreisegeschichte 12 Monkeys zählte in jüngeren Jahren zu meinen absoluten Lieblingsfilmen – schön nun zu sehen, dass er im Gegensatz zu anderen Werken, die ich damals so sehr mochte, über die Jahre wenig von seiner Brillanz und Faszination verloren hat. Bruce Willis, der in die Vergangenheit reist, um die Herkunft eines tödlichen Virus zu ergründen, legt hier eine seine besten schauspielerischen Leistungen vor. Noch beeindruckender ist da nur die Performance von Brad Pitt. Okay, der triste Look hat mittlerweile ein wenig Staub angesetzt und viele Figuren wirken stark überzeichnet. Gerade letzteres passt ja aber bestens in Œuvre von Terry Gilliam, diesem Meister des surrealen Mainstream-Kinos, der seine Protagonisten hier an den Rand des Wahnsinns und sogar ein Stück darüber hinaus treibt. 12 Monkeys meistert elegant den Spagat zwischen unterhaltsamer Mind-Fuck- und systemkritischer Sci-Fi-Story: Es reicht ein einzelner Wahnsinniger in der falschen Position, um den Untergang der Menschheit heraufzubeschwören. Props gehen raus an Mr. Trump.
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Dredd (Pete Travis, ZAF/UK 2012)
Ich habe wahrlich nicht viel erwartet von Dredd: Ein, wenn überhaupt, solider Science-Fiction-Actionfilm mit derbem Trash-Faktor – mehr nicht. Umso überraschter war ich über das Ergebnis. Ja, das mit dem Trash-Faktor mag vor allem zu Beginn zutreffen, danach aber wird der Film zu einer rasanten Hatz im Stile von The Raid: Zwei Judges – in dieser dystopischen Welt zugleich Polizei, Geschworene, Richter und Henker – werden in einem riesigen Gebäudekomplex eingeschlossen und von sämtlichen Anwohnern gejagt. Die erste und wichtigste Sache, die Dredd richtig macht: Er ist rücksichtslos brutal. Da hat jemand (im Gegensatz zum Robocop-Remake) ganz bewusst auf eine PG-13-Freigabe geschissen und verleiht der Geschichte damit den nötigen Druck, der zum Glück auch nicht durch aufgesetzten Humor oder billige One-Liner entwertet wird. Zweiter Pluspunkt: die Hauptfiguren. Karl Urbans stoische Rolle ist vielleicht nicht die ausdrucksstärkste, wird jedoch perfekt ergänzt von seiner Partnerin/Schülerin (Olivia Thirlby), sodass ein gleichsam greifbares wie interessantes Duo im Mittelpunkt steht. Schön auch, dass Thirlbys Figur sowohl einen Hauch moralischer Ambivalenz in die sonst so gnadenlose Justizarbeit der Judges hinein bringt, als auch dem Klischee der Damsel-in-Distress entgeht. Dritter Pluspunkt: Visuelle Höhepunkte in Form von Zeitlupensequenzen, die nicht einmal Selbstzweck, sondern narrativ begründet sind. Dem gegenüber stehen nur zwei auffällige Schwachpunkte: Die zuweilen recht unechte Optik (Stichwort: CGI-Blut) und die räumliche Orientierung, die öfter fehlt als dass sie vorhanden ist. Dredd ist kein Meisterwerk, aber trotzdem ziemlich empfehlenswert.
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18 Kommentare zu „Filme gesehen #172 Hinterlasse einen Kommentar

  1. Mhhh, ich bin mir nicht sicher, ob ich Deinem letzten Satz zu Dredd zustimmen kann. Also dem „kein Meisterwerk“ Teil, beim „empfehlenswert“-Teil sind wir uns einig!
    Dredd ist ein Film, der mir bei jedem Ansehen besser gefallen hat. Insbesondere auch, wie er satirische Elemente der Comics umsetzt ohne in den Billig-Humor der Stallone Verfilmung zu verfallen.Wie auch immer, definitv empfehlenswert! 😉

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    • Also den Titel Meisterwerk würde ich nach wie vor nicht geben. Dafür ist das Ganze dann doch zu… ich nenn es mal banal. Ich kenne weder die Comics noch den Stallone Film, mag sein, dass einem der Film in Kenntnis dessen deutlich besser gefällt. Allerdings sind mir keine wirklich satirischen Elemente aufgefallen. Kannst du ein Beispiel nennen?

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      • Wenn Dredd und die Kriminellen anfangs z.B. das Fastfood Restaurant zerlegen, kommt eine Lautsprecherdurchsage, dass Essensalternativen auf anderen Ebenen verfügbar sind, weil solche Schießereien in der Judge-Welt so normal sind, dass es wichtiger ist wo die nächste Cola herkommt.
        Die Toten werden dann zum „recyc“ gebracht, dafür muss man die Comics kennen, dann ist klar, dass sie bald wieder in dem restaurant landen als Menü…
        Aber der auffälligste Punkt ist sicher

        SPOILER SPOILER SPOILER

        Wenn Dredd Ma-Ma am Ende derselben Strafe unterzieht, die sie ihren verräterischen Unterlingen zukommen lässt, entpuppt sich der faschistische Judge-Statt als quasi dieselbe Verbrecherorganisation nur auf viel größerer Ebene.

        Aber jetzt wo ich drüber nachgedacht habe, fällt mir wieder ein, was mir am Film missfällt: Dredd müsste ein viel größeres Arschloch sein! (Comic-)Dredd ist jemand, der jedes noch so unwichtige Gesetz mit absoluter Härte durchsetzt. Wenn (Film-)Dredd zu dem Obdachlosen, der unter der Blastdoor sitzt sagt, er solle weg sein, wenn er wiederkommt ist das etwas, das im Comic nie passieren würde. Der Mann käme direkt in den Knast.

        Du hast sicher recht mit kein Meisterwerk… Ich will den nur hypen, damit’s vielleicht doch ne Fortsetzung gibt. Aber vermutlich sind Karl Urban und ich die einzigen, die die Hoffnung noch nicht aufgegeben haben.

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  2. 12 Monkeys gehört zu einem meiner Lieblingsfilme und wird für mich wohl niemals Staub ansetzen : )
    Bei Fuck Ju Göthe bin ich damals zum ersten Mal (freiwillig) aus dem Kino gegangen 😀
    Dredd muss ich noch nachholen. Bad Neighbors 2 eigentlich auch, aber das ist wohl eher ein Film für ne lockere Runde und viel Bier.

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    • Nur mit Bier sollte man sich da nicht begnügen – der ist nüchtern oder auch „nur“ alkoholisiert nicht zu ertragen.
      Kann ich verstehen, wenn einem Fack Ju Göhte nicht zusagt, ging mir beim zweiten Teil wie gesagt ähnlich

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  3. Ich fand Dredd auch ziemlich beeindruckend und konnte überhaupt nicht verstehen war der damals an den Kinokassen so gefloppt ist!

    Fuck ju Göthe fand ich den ersten ganz amüsant aber bei weitem nicht so gut wie die meisten und Teil 2 und 3 hab ich mir dann sowieso geschenkt 😉.

    12 Monkeys ist und bleibt ein genialer Film…egal wie viele Jahre vergehen 😉

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      • Wenn du dich damit auf Dredd beziehst, dann würde mich wirklich mal interessieren, was die Leute an dem Film auszusetzen hatten. Er macht ja nun wirklich nicht viel falsch… Vielleicht ist es dieser sehr ernste Ton, den damals keiner haben heute, der heute angesichts der Humorverwässerung in Marvelfilmen wieder so gern gesehen ist…

        Liken

      • Ich bezieh mich tatsächlich auf Dredd…der hat damals an den Kinokassen furchtbar performt und ich glaube mich sogar daran zu erinnern, dass der auch in det Presse nicht gut wegkam! Wie gesagt, ich kann das auch nicht verstehen glaube aber es hatte auch etwas mit komplett fehlgeleitetem Marketing zu tun…der Trailer suggerierte damals wohl so eine Art müdem Aufguss des ziemlich in die Jahre gekommen humoristisch angehauchten Originals mit den bunten Zeitlupesequenzen zusammengemurkst mit aus dem Kontext genommenen Onelinern🙄

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  4. Dredd fand ich richtig gut. Echt schade, dass der keine Fortsetzung bekommen hat. Zu so vielen Filmen werden zweite Teil gedreht, Dredd hat in meinen Augen definitiv einen verdient.

    Und 12 Monkeys muss ich auch mal wieder schauen. Mir ist erst letztens wieder aufgefallen, dass es dazu ja auch eine Serie gibt. Weiß nur nicht, ob ich mir die mal anschauen sollte 🙂

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