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Filme gesehen #173

Diese Woche mit Die Schöne und das Biest, The Circle und The Room.

Die Schöne und das Biest (Beauty and the Beast, Bill Condon, USA 2017)
Das altbekannte Märchen von der wunderschönen Bauerntochter Belle und dem verfluchten Prinzen in Bestiengestalt bekam im vergangenen Jahr die Real-Remake-Kur verpasst, die derzeit alle Disney-Klassiker durchlaufen müssen. Inhaltlich hat sich dabei wenig geändert, lediglich die homoerotischen Tendenzen einer Nebenfigur sind auffällig, wirken allerdings auch recht aufgesetzt. Technisch ist das Ding auf gewohnt hohem Niveau, bei dem überaus hohen CGI-Anteil ist das auch vonnöten. Und sogar musikalisch überzeugt die Neuauflage, was aber ausschließlich an der Qualität der kräftigen, mitreißenden Songs des Originals liegt – die wenigen Stücke, die neu hinzugekommen sind, fallen hingegen als banale und schnell vergessene Popmelodien auf. Was lässt sich noch sagen? Der Cast (unter anderem Emma Watson, Ian McKellen, Luke Evans, Emma Thompson, Stanley Tucci) ist stark, das Drehbuch reißt nicht vom Hocker, lässt am Ende einige Handlungsstränge ungenutzt liegen, die Beziehung der beiden Hauptfiguren aber ist glaubwürdig und symapthisch. Durchschnittsware.
imdb / Trailer

The Circle (James Ponsoldt, USA 2017)
Und nochmal Emma Watson, diesmal jedoch in einem zeitgenössischen Werk, das ein wenig an Die Truman Show im 21. Jahrhundert erinnert, obwohl man damit Jim Carreys Film Unrecht tut. Denn trotz eines starken Einstiegs fehlt es The Circle an der Feinfühligkeit und dem Charme des Vorbildes im Geiste. Mit anderen Worten: Dieser Film will dem Publikum seine „Message“ mit größtmöglicher Plumpheit einprügeln und verfehlt deshalb sein Ziel. Ein Internetkonzern versucht sich an einer Revolution der Gesellschaft, will absolute Transparenz und Offenheit schaffen, denn: „Geheimnisse sind Lügen.“ Is‘ klar… Solch krude Logik zieht sich durch jede der pathetischen Ansprachen, die im Film gehalten werden – und niemand, aber auch wirklich niemand kommt dabei auf den Gedanken, moralische oder juristische Bedenken bezüglich dieser seltsamen Sache namens Privatsphäre anzumelden, was die Glaubwürdigkeit dieser Zukunftsvision erheblich schmälert. Die wankelmütige Protagonistin, die offenbar nicht im Stande ist, sich eine eigene Meinung zu bilden und munter alles nachplappert, was man ihr in den Mund legt, macht das nicht besser. Die Krönung aber ist das vollkommen unrunde Ende, das die moralische Pointe, die 100 Minuten lang aufgebaut wird, einfach verwirft und stattdessen wie ein Teaser für eine Fortsetzung erscheint. Um es kurz zu machen: Dieser Film will eine Predigt sein, bricht im entscheidenden Moment jedoch ab und verschenkt seine durchaus interessante Exposition durch krasse Patzer beim Drehbuch. Hoffentlich kann er wenigsten ein paar Kids dazu bringen, fortan sensibler mit ihren Daten umzugehen. Obwohl… nee, dafür ist der erhobene Zeigefinger viel zu groß und zu krumm.
imdb / Trailer

The Room (Tommy Wiseau, USA 2003)
Mir fehlen wirklich die Worte. In Vorbereitung auf den Kinobesuch von The Disaster Artist wollte ich mir noch fix den Film ansehen, der als Vorlage dafür herhält. Was für ein Fehler. Denn die unterirdische Qualität dieses 95-minütigen Machwerks ist kaum in Worte zu fassen. Dass man ein simples Beziehungsdrama filmisch derart verkacken kann, ist bereits ein Kunststück. Aber meine Güte, diese Weichzeichner-Orgie macht wirklich nichts richtig: die Kamera und die Kulissen sind ein Graus, die Darsteller (allen voran Hauptakteur Tommy Wiseau, der zugleich für Drehbuch, Regie und Produktion verantwortlich zeichnet) können allesamt ums Verrecken nicht schauspielern, die nachsynchronisierten Stellen hört man sofort heraus, und das Drehbuch ist ein einziger Clusterfuck ohne irgendwelche Kohärenz oder innere Logik. Die Figuren wechseln von jetzt auf gleich ihre Überzeugungen, tauchen da auf, wo sie gerade gebraucht werden, tun Dinge, die weder einen zwischenmenschlichen noch dramaturgischen Sinn haben (Football??), und verhalten sich allgemein so glaubwürdig wie Bushido auf einer Bambi-Gala. Ich kann verstehen, dass man im alkoholisierten Zustand dabei durchaus seinen Spaß haben kann, dass man ein ganzes Buch darüber verfassen könnte, was der Film alles falsch macht, und dass er deswegen inzwischen zum Kultfilm avanciert ist. Falls nun euer Interesse geweckt ist: Tut euch selbst einen Gefallen und lasst es. Das Worst of auf YouTube ist da viel nervenschonender.
imdb / Worst of

6 Kommentare zu „Filme gesehen #173 Hinterlasse einen Kommentar

  1. Oh Gott, The Room. Ich hab versucht ihn zu gucken, nach fünf Minuten konnte ich nicht mehr und hab mir noch das „Best Of“ auf YouTube angeguckt. Man ist das schlecht…
    The Circle hab ich noch nicht gesehen, vor dem graut’s mir aber auch…

    Gefällt 1 Person

  2. Während ich „Die Schöne und das Biest“ und „the Circle“ noch nicht gesehen habe (und auch erstmal nicht sehen will) kann ich dir bei „The Room“ nur widersprechen. Die Tatsache, dass man mit relativ hohen Budget und echten Schauspielern, Kamera usw. einen so schlechten FIlm abliefern kann, fasziniert und amüsiert mich zu gleich. Ich hatte bei „The Room“ (auch nüchtern) extrem viel Spaß und habe mehr gelacht als bei vielen, vielen anderen Komödien.
    Vielleicht hast du mehr Spaß mit dem Film, wenn du „The Disaster Artist“ geschaut hast, der ist nämlich wirklich gut.

    Gefällt 1 Person

      • Ja, ich liebe Trash 😀 Also richtigen, wenn Leute versuchen einen guten Film zu machen und daran scheitern. Nicht sowas wie „Sharknado“…
        Dann bin ich mal gespannt auf deine Meinung zu „Disaster Artist“. Das ist nämlich eine Liebeserklärung an solche Filmemacher.

        Gefällt 1 Person

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