Zum Inhalt springen

Kritik: „Criminal Squad“

Criminal Squad (Den of Thieves, Christian Gudegast, USA 2018)

Böse Cops, gute Bankräuber und eine intensive, authentische Atmosphäre – einer der besten Heist-Filme der vergangenen Jahre.

Es gibt Filme, von denen erwartet man wenig bis nichts, nur um dann absolut überrascht zu werden. Criminal Squad ist einer dieser Filme. Alles was ich abseits des Titels wusste: Gerard Butler und Curtis „50 Cent“ Jackson spielen mit. Ich rechnete folglich mit einer Testosteron-Parade im Stile eines Fast & Furious – und obwohl gewisse Ähnlichkeiten bestehen, so ist Criminal Squad doch ein ganz anderes Kaliber. Und in Summe einer der besten Heist-Filme, die ich seit langer Zeit gesehen haben.

Die Handlung von Criminal Squad bestimmen zwei Parteien. Auf der einen Seite eine Gruppe ehemaliger Soldaten rund um Ray Marrimen (Pablo Schreiber), die Banken und Geldtransporte überfallen. Auf der anderen eine Spezialeinheit der Polizei rund um Nick O’Brian (Gerard Butler), die den Kriminellen hinterherjagt. Der Kniff an der Sache: Während die bösen Jungs penibel darauf achten, keine Zivilisten und wenn möglich auch keine Sicherheitskräfte zu verletzen, gehen die Mitglieder der Staatsgewalt bei ihren Ermittlungen hemmungslos und ohne Rücksicht auf Verluste vor. Die moralischen Grenzen verschwimmen also: Die Bösen sind weitaus sympathischer als die Guten.

Das liegt zum wesentlichen Teil an den Figuren und ihren Darstellern. Denn während die Verbrecher durchaus interessante Charaktere darstellen – allen voran Marrimen selbst sowie der Jüngling Donnie (richtig gut: O’Shea Jackson Jr.) – bleiben die Gesetzeshüter flach und uninteressant. Gerard Butler hatte ja bereits mit 300 seinen Zenit erreicht, und daran hat sich auch nach Criminal Squad nichts geändert. Alles was der Mann hier zu bieten hat, sind ein respektabler Bart und ein paar böse Blicke. Mehr braucht es im Prinzip auch nicht, trotzdem ist es vergeudetes Potential, wenn die vermeintliche Hauptrolle auf Oberflächlichkeiten, Klischees und Macho-Kram reduziert wird.

A propos Macho: Obwohl der Cast zu 90 Prozent aus muskelbepackten, schweren Jungs besteht (Frauen spielen hier übrigens nahezu keine Rolle) bleibt der Testosteronspiegel angenehm niedrig. Sicher, es gibt es paar platte One-Liner, doch das Ganze nimmt niemals überhand. Auch wenn es auf den ersten Blick so wirkt: Criminal Squad ist kein prototypischer Film für einen feuchtfröhlichen Abend in geselliger Männerrunde. Was auch daran liegt, dass der Actionanteil erstaunlich gering ist. Wenn es aber mal abgeht, dann ist das derart authentisch inszeniert, dass man den Protagonisten ihre Vergangenheit in der Armee gänzlich abnimmt: Keine blendenden Spezialeffekte, keine schnellen Schnitte, keine wilden Kamerafahrten, keine Hip-Hop-Musik (oder überhaupt Musik). Stattdessen schmerzt jeder Schuss im Gehörgang, die Bewegungen zeugen von absoluter Professionalität mit der Waffe.

Das erinnert stellenweise sogar an Michael Manns Heat – und auch wenn das durchaus ein Lob ist, so macht es doch zugleich das größte Problem von Criminal Squad deutlich: Er ist ein ziemlich ideenloser Film, kupfert stattdessen hemmungslos von Genre-Klassikern wie Die üblichen Verdächtigen, Point Break oder eben Heat ab. Doch wie sagt man so schön: Besser gut geklaut, als schlecht selber gemacht. Und gut klauen kann dieser Christian Gudegast auf jeden Fall.

Denn trotz dicker Logiklöcher bei der Durchführung des nächsten und letzten großen Coups, trotz flacher Figuren, die eine Menge Potential liegen lassen, trotz einer einfallslosen Geschichte und eines unfassbar überflüssigen finalen Twist, gelingt Criminial Squad eine entscheidende Sache nahezu perfekt: Eine bodenständige, intensive und glaubwürdige Atmosphäre aufzubauen, in der sich die Spannung sukzessive steigert, um schließlich in einem packenden Showdown entladen zu werden.

Fazit
Werft all eure falschen Vorstellungen über Bord: Criminal Squad ist alles andere als ein lieblos dahin gerotzter Cops-and-Robbers-Streifen. Stattdessen versucht sich der Film an einer (mehr oder minder) klugen Handlung, lebt aber besonders von seiner packenden, intensiven Atmosphäre im Herzen von Los Angeles. Kein überflüssiger Humor, der den Ernst der Situation untergräbt, keine überzogene Action, die das Geschehen ins Absurde abgleiten lässt. Wie schon gesagt: Einer der besten Heist-Movies, die ich seit langer Zeit gesehen habe.

Bilder & Trailer: (c) STX Entertainment

3 Kommentare zu „Kritik: „Criminal Squad“ Hinterlasse einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: