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Kritik: „Black Panther“

Black Panther (Ryan Coogler, USA 2018)

Back in Black: Der neue Marvel versucht sich an einer politischen Botschaft, scheitert aber am drögen Drehbuch und einem geringen Unterhaltungswert.

Der erste Gedanke, der mir nach dem Trailer zu Black Panther durch den Kopf schoss: „Toll, kaum übernehmen bei Marvel Schwarze die Hauptrollen, muss überall Rap-Musik zu hören sein.“ Als Hip-Hop-Fan sah ich darin weniger ein bewusste stilistische Entscheidung als vielmehr zielgruppenspezifisches Klischee-Gereite. Zumal Black Panther nicht in einer Hip-Hop-Hochburg sondern in Zentralafrika spielt. Je mehr ich aber darüber nachdachte, desto besser gefiel mir der Gedanke, mal einen Superheldenfilm ohne pathetischen Einheits-Musikbrei zu bekommen. Am Ende ist davon wenig übrig geblieben – was aber nur das kleinste Schwachpunkt von Black Panther ist.

Der größte ist stattdessen seine Welt. Wakanda heißt das Land im Herzen des schwarzen Kontinents, das sich – so erzählt es der Prolog – in den vergangenen Jahrhunderten zur technologisch fortschrittlichsten Nation der Welt empor gearbeitet hat. Grund dafür ist ein Meteorit aus dem unzerstörbaren Metall Vibranium, das die Erde mit einer mystischen Energie versorgt. Dass das noch niemandem aufgefallen ist, liegt an der isolationistischen Politik Wakandas, das seine futuristische Hauptstadt unter einer riesigen Tarnvorrichtung versteckt. Darunter finden sich fliegende Züge, fortschrittlichste Hologramme und all das, was man sonst nur in krassester Science Fiction bekommt.

Das wirkt auf den ersten Blick überraschend, ja geradezu überwältigend. Auf den zweiten jedoch ist es schlicht viel zu viel. Wer bisher dachte, Tony Stark wäre das technische Mastermind des MCU, der wird von T’Challas Schwester Shuri (Letitia Wright) schnell eines Besseren belehrt. Die versorgt ihren Bruder (Chadwick Boseman), der nach dem Tod seines royalen Vaters in Captain America 3 das Erbe des Throns und des Black Panthers – Wakandas Schutzpatron – antreten muss, im Stile von James Bonds Q mit allerhand Gadgets – oder stellt sie zumindest vor, ohne dass sie anschließend zum Einsatz kommen. Dabei ist eine Idee und absurder als die nächste und die schlichte Begründung dafür lautet stets: Die Magie des Vibraniums macht es möglich.

Die größte Sünde ist jedoch, dass das Land selbst, seine Hauptstadt, seine Bewohner, seine Kultur ziemlich oberflächlich behandelt werden. Lediglich drei Mal dürfen wir einen Blick die stets gleiche Straße der Hauptstadt werfen. Ein Gefühl für das Leben der einfachen Bürger bekommen wir nicht.

Im Kontrast dazu steht die erstaunlich unspektakuläre Handlung. T’Challa kommt auf die Spur des Waffenhändlers Ulysses Klaue (Andy Serkis), der vor einigen Jahren eine Wagenladung Vibranium aus Wakanda stahl. Unterstützt wird Klaue nun durch den anfangs unscheinbaren Erik Killmonger, den Regisseur Ryan Coogler mit seinem Lieblingsdarsteller Michael B. Jordan besetzt hat. Wohin die Reise geht, welche Motivation Killmonger hat und wie das Finale aussieht, das ist schon nach 30 Minuten absehbar. Immerhin machen beide Antagonisten einen soliden Job: Killmongers Motive bereichern das Geschehen um eine interessante politische Note (deren Potential jedoch bei weitem nicht ausgeschöpft wird), er selbst beeindruckt mit einer eindrücklichen Ausstrahlung, die zwischen entspannter Coolness und aggressivem Dominanzgehabe schwankt. Serkis wiederum verkörpert den Wahnsinn seiner Figur mit sichtbar großer Freude – bedauerlich nur, dass seine Screentime so kurz ausfällt.

Was die Qualität der an sich soliden Handlung erheblich schmälert, sind die drögen Dialoge. Die handeln von Ehre, Erbschaft, Verantwortung, Pflichtbewusstsein und allerhand anderem pathetischem Kram. Das passt zwar durchaus zur Story, die sich schließlich an komplexen Themen wie diesem hier versucht: Welche Verantwortung hat eine fortschrittliche Nation gegenüber seinen Nachbarländern, wenn dort Krieg, Armut und Leid herrschen? Während sich T’Challas Vorgänger für Isolation entschieden, will Killmonger größtmögliche Offenheit schaffen – auch um die Staaten der ersten Welt ins Chaos stürzen.

Black Panther will in Zeiten politischer Extreme ein Plädoyer für die goldene Mitte sein, scheitert jedoch daran, dass er sich auf Oberflächlichkeiten beschränkt: Die Dialoge sind weder mitreißend noch spannend oder clever, sondern schlicht einschläfernd. Und fast schon wollte ich Black Panther dafür loben, dass er auf die typischen Marvel-Witzchen verzichtet – bis sich Winston Duke kurz vor Schluss dazu herablassen muss, zum Klassenclown zu werden. Ach ja, Martin Freeman und Forest Whitaker spielen irgendwie auch noch mit, sind aber ziemlich egal.

Aber hey, wer geht denn in einen Marvel-Film und erwartet eine anspruchsvolle Handlung? Hauptsache die Action knallt, richtig? Sorry, aber auch hier macht Black Panther wenig richtig. Schon die erste Szene enttäuscht: Ein Gerangel im Dschungel wird zu einer unübersichtlichen, viel zu dunklen, viel zu schnell geschnittenen Bildpampe, was sich auf die meisten anderen Actionszenen übertragen lässt. Und dann auch noch dieses mäßige, teils katastrophale CGI, von dem viel zu viel Gebrauch gemacht wird… Ja, es gibt diese zwei, drei Momente, die im Kopf bleiben, allem voran eine ansehnliche Plansequenz in einem Casino. Doch davon abgesehen bekommen Freunde des ordentlichen Fratzengeballers wenig geboten.

Und noch etwas muss ich kritisieren: die Hauptfigur. Denn obwohl Chadwick Boseman – wie all seine Mitstreiter – eine ordentliche Leistung liefert, bleibt seine Figur passiv, distanziert und uninteressant. Beinahe hat man das Gefühl, der Film könnte auch ohne T’Challa auskommen. Präsenz zeigen sieht jedenfalls anders aus, was für einen Superhelden eine Todsünde ist.

Fazit
Ja, ich habe viel zu meckern an Black Panther. Während ich aber vielen Marvel-Filmen trotz kritischer Worte abschließend aber einen hohen Unterhaltungswert attestierte, kann ich das hier nicht tun. Black Panther ist tatsächlich der erste MCU-Film, der mich gelangweilt hat. Alles in diesem Film kratzt höchstens an der Oberfläche. Das ist doppelt schade, weil Ryan Coogler mit seinen ersten beiden Werken (Fruitvale Stationd und Creed) wirklich abgeliefert hat. Vielleicht sollte man einem solch charakterfixierten Regisseur kein derart langweiliges, oberflächliches Drehbuch vorlegen.

 

 

Bilder & Trailer: (c) Walt Disney Studios

9 Kommentare zu „Kritik: „Black Panther“ Hinterlasse einen Kommentar

    • Ich habe die Vermutung, dass der Film vor allem dafür da ist, um die Rolle von Wakanda in Infinty War zu erklären. Konnte mir vor dem Film schwer vorstellen, was ein afrikanisches Land gegen Thanos zu bieten hat – zumindest das ist mir jetzt klar

      Gefällt 1 Person

  1. Ich kann deine Kritik zwar nachvollziehen, aber ich finde nicht, dass man von Wakanda alles wissen muss, schließlich ist der Film eine Origin-Story. Du schreibst, dass man von den einfachen Bürgern in diesem fremden Land nichts mitbekommt. Die Frage, die ich mir da stelle, ist: Muss ich das Leben der Bürger von Wakanda verstehen um Wakanda zu verstehen? Meine Antwort lautet nein. Der innere Konflikt von T’Challa reicht vollkommen aus um den Film mit Leben zu füllen.

    Hier meine Kritik: http://adoringaudience.de/black-panther-omu-2018/

    Gefällt 1 Person

    • Also zunächst finde ich nicht, dass Black Panther eine echte Origin Story ist. Die Figur ist ja bereits bekannt und war ja schon in Civil War als Superheld tätig. Unter einer Origin Story stelle ich mir eine Schilderung des Werdegangs von der normalen Person hin zum Superhelden vor. Aber egal ^^
      Wenn dir T’Challa selbst genügt, kann ich natürlich nichts dagegen sagen. Aber Wakanda ist einfach kein Land, das für mich persönlich greifbar ist. Dazu gehören nach meinem Empfinden mehr als eine Miene, ein paar Nashörner, ausgefallene Klamotten, technische Spielereien und ein paar Rituale. Ich weiß nicht, wie die Menschen dort leben, was sie essen, wie sie arbeiten, sich organisieren, was sie in ihrer Freizeit tun. Es ist für mich nur eine Kulisse, vor der ein paar Hochwohlgeborene Stammeskrieger agieren, aber kein lebendiger, authentischer Ort. Wenn der Schauplatz New York ist, ist das auch gar nicht nötig. Aber von Afrika habe ich leider sehr wenig Ahnung – insofern hätte ich mir doch deutlich mehr gewünscht. Du schreibst ja auch selbst, dass die gesellschaftliche Struktur unzureichend erklärt ist.

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