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Filme gesehen #180

Diese Woche mit Jurassic World, The Dark Knight und The Boss Baby.

Jurassic World (Colin Trevorrow, USA 2015)
Meine Kinokritik zu Jurassic World war eine der ersten, die ich seinerzeit auf diesem Blog veröffentlichte. Damals war ich noch vom durchaus hohen Unterhaltungsfaktor des Kinobesuchs euphorisiert – der ist inzwischen jedoch verflogen. Man muss nicht einmal den direkten Vergleich mit dem ersten Teil von Steven Spielberg heranziehen, um Jurassic World ein bestensfalls durchschnittliches Ergebnis zu attestieren: Der Film ergeht sich in einem belanglosen Effektgewitter, die Handlung ist ein vorhersehbarer Flickenteppich, sämtliche Hauptfiguren (inklusive des Monsters) tauchen einfach dort auf, wo sie gerade gebraucht werden (heißt: dort, wo wieder etwas kaputt gehen soll), das Sicherheitspersonal scheint das unfähigste aller Zeiten zu sein. Inhaltliche Kohärenz und innere Logik sind Dinge, mit denen hier überaus flexibel umgegangen wird, echte Spannungsmomente sind eine Rarität. Und das Ende (Raptor reitet auf T-Rex) zieht dem Ganzen wahrlich die Schuhe aus. Unterhaltsam ist alles zwar immer noch – allerdings sollte man wahrlich nicht hinterfragen, was man hier zu sehen bekommt. Andernfalls fällt das gesamte Konstrukt in sich zusammen. Nun ist mir auch die Vorfreude auf den Nachfolger vergangen…
imdb / Trailer

The Dark Knight (Christopher Nolan, USA/UK 2008)
Muss ich wirklich noch viel zu The Dark Knight schreiben? Meines Erachtens Christopher Nolans Meisterstück und zugleich der beste Superheldenfilm, der das Kinopublikum bis heute zu sehen bekommen hat? Der einen vielschichtigen Protagonisten mit einem der besten Antagonisten der Filmgeschichte konfrontiert? Der auch ästhetisch eine absolute runde Angelegenheit ist? Der auf so faszinierende und einnehmende Weise eine komplexe und dennoch verständliche Geschichte über Gerechtigkeit, Chaos und Ordnung, Nihilismus und Idealismus, zwischenmenschliche Moral und die Labilität unserer gesellschaftlichen Ordnung erzählt? Ist wahrscheinlich nicht notwendig – haben ja schließlich schon andere in zahlreichen Text- und Video-Essays getan.
imdb / Trailer

The Boss Baby (Tom McGrath, USA 2017)
Oh Mann, was für ein qualitativer (Ab-)Sprung… Dass The Boss Baby tatsächlich für den Oscar als bester Animationsfilm nominiert war, ist eine bodenlose Frechheit, sagt aber immerhin einiges über den gegenwärtigen Zustand des Genres aus. Tatsächlich lässt sich The Boss Baby in vielerlei Hinsicht als symptomatisch für die aktuellen Probleme des computergenerierten Animationsfilms sehen: Eine durchschnittliche Optik trifft auf eine hanebüchene Handlung, die irgendwie als Metapher herhalten will und deshalb extrem konstruiert daherkommt. In diesem Fall kommen die Babys nicht aus dem Bauch der Mütter, sondern von einer überirdischen Firma, in der einige der Neugeborenen als Verwalter eingesetzt werden. Einer dieser Mini-Anzugträger wird nun quasi undercover in eine irdische Familie eingeschleust, um das Geheimnis hinter einer neuen Hundewelpen-Art zu lüften, die die gesamte Liebe der Menschheit auf sich ziehen soll und deshalb droht, den Bedarf nach menschlichem Nachwuchs auf Null zu reduzieren und die Baby-Produktions-Firma in den Ruin zu treiben. Und während ich das hier so aufschreibe, spüre ich, wie ich langsam immer dümmer werde… Dieses seltsame Story-Konstrukt ist nicht nur überaus schwachsinnig, sondern auch moralisch extrem fragwürdig, denn Liebe und Fortpflanzung werden hier zu einer Massenmarktware degradiert. Darüber hinaus ist nicht mal die Gag-Dichte hoch, weshalb The Boss Baby vergeblich versucht, sich mit visuellen und inhaltlichen Referenzen auf andere Filme zu retten. In diesem Ding stecken weder Liebe noch Verstand – stattdessen kommt das Ding direkt aus der Animationsfilm-Legebatterie. Furchtbar.
imdb / Trailer

9 Kommentare zu „Filme gesehen #180 Hinterlasse einen Kommentar

  1. Jurassic World ist einer dieser Filme, der mir weniger gefällt, je weiter die Sichtung zurückliegt. Und ich fand ihn schon direkt danach höchstens mittel. Im Gedächtnis bleiben aber nur die blödesten Sachen. Wie das T Rex Raptor Team Up. Oder die Tatsache, dass diese Praktikantin, oder was immer sie war, den bizarr, grausam ausgedehntesten Tod zugedacht bekam, warum auch immer. Oder die „hey, erinnert ihr euch an Jurassic Park?“ Garage oder…

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    • Ja, genau diese Stellen sind mir nun auch negativ aufgefallen, wobei ich im Kino noch darüber hinwegsehen konnte. Da war noch der Überwältigungseffekt da. Die Dummen Kinder haben mich allerdings auch schon beim ersten Mal tierisch genervt…

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  2. „Jurassic World“ oder auch „wie viele dumme Menschen können gleichzeitig in einem Park sein, wenn die Dinokalypse ausbricht“. Ganz deiner Meinung – unterhaltsam, aber kein wirklich guter Film.

    Dark Knight – Joker überragend! Der Rest zwar auch gut, aber für mich tatsächlich einer der nicht so guten Nolan Filme. Wobei das Niveau hier auch sehr hoch ist.

    Mal was ganz anderes: Wie schaffst du es, dass die Sterne-Bewertungen nicht im Reader als Bild angezeigt werden? Bei werden immer alle Bilder angezeigt und das sieht… naja, unschön aus 😀

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    • Immerhin hatte mein dreieinhalb-jähriger Neffe sehr viel Spaß. Meine Meinung ist aber, dass gute Kinderfilme nur solche sind, die man sich auch als Erwachsener problemlos antun kann. Und das ist hier defintiv nicht der Fall ^^

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