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Kritik: „Pacific Rim: Uprising“

Pacific Rim: Uprising (Steven S. DeKnight, USA 2018)

Der Nachfolger von Guillermo del Toros Monsterfilm-Hommage stellt alle Regler auf billige Popcorn-Unterhaltung.

Guillermo del Toros Pacific Rim gehört zu meinen absoluten Guilty Pleasures: Ein Film, so arm an Substanz und Logik, der jedoch die Schönheit der Zerstörung, des Gigantischen und Monumentalen, des Kampfes riesiger Wesen aus verschiedenen Welt, kurzum: des Trashs hemmungslos zelebriert. Eine westliche Ode an das Kaiju-Genre, an die japanische Pop-Kultur, bedeutungsschwer und sich zu jeder Zeit absolut ernst nehmend, obwohl da nichts ist, was man ernst nehmen könnte oder sollte. Geiles Ding.

Der unvermeidliche Nachfolger dieses Werkes macht da auf den ersten Blick wenig anders – tut es schlussendlich aber doch. Die Passion für das Medium und das Thema, die der Erstling noch aus jeder Pore versprühte, ist im Zuge der popcorn-haften Disney-isierung zu belanglosem Blendwerk geworden. Immerhin ein (wenn auch zweifelhaftes) Element blieb unverändert: die hauchdünne Handlung.

Zehn Jahre nach den Ereignissen von Pacific Rim ist die Menschheit mit dem Wiederaufbau der verwüsteten Küstenstädte beschäftigt. Inmitten dieser Trümmer schlägt sich Jake Pentecost (John Boyega) als Schrottsammler durch, bis er über einige Umwege in das Pilotenprogramm für die so genannten Jaeger – jene riesigen Kampfroboter, mit denen den außerirdischen Invasoren einst Widerstand geleistet wurde – zurückgeholt wird. Damals wurde er aufgrund mehrerer Vergehen von seinem eigenen Vater (im ersten Teil verkörpert durch Idris Elba) heraus geschmissen.

Von Beginn an ist dieser Film komplett vorhersehbar. Klar, dass die Pläne für das Drohnenprogramm einer chinesischen Firma in einer Katastrophe münden. Klar, dass die Kaijus zurückkehren und dass es die menschlichen Piloten richten müssen. Während Teil eins aber noch wenigstens Charaktere und Dialoge bot, die sich trotz allen Trashs angenehm ernst nahmen und zumindest ein wenig Aufmerksamkeit verlangten, ist nun nichts mehr davon übrig.

Einzig Charmebolzen John Boyega kann da noch ein wenig retten. Der restliche Cast – unter anderem Scott Eastwood und Cailee Spaeny – bildet eine Armee nichtssagender, irrelevanter und profilloser Pappkameraden, die sich Plattitüden und krampfhaften Gags verlieren. Und wenn es mal nicht witzig sein soll, dann ist das Ergebnis entweder belanglos oder redundant. Schneller als einem lieb ist, schaltet man ab.

Möglicherweise eine bewusste Entscheidung, um Uprisings übrige inhaltliche Vergehen zu verschleiern. Beispielsweise diese ominösen Pläne, die die Helden zu einer mysteriösen Anlage in Sibirien führen, welche dann aber keine Rolle mehr spielt, weil sie einzig für einen Wechsel im Szenario sorgen sollte. Oder die finale Erkenntnis über das Ziel der Kaijus, die allem, was im Vorgänger geschah, zuwider läuft.

Aber hey, wir sind hier ja in einem Hollywood-Blockbuster. Da geht es nicht um Sinn und Verstand, sondern um dicke Action und tolle Optik. Und zumindest hier hat Pacific Rim 2 ein wenig zu bieten. Zwar muss man bis zum Auftauchen der Monster bis zur letzten halben Stunde warten (bis dahin kann man sich lediglich an zwei Robo-Fights ergötzen). Dann aber macht Uprising zumindest bedingt Spaß, zumal diesmal auch mehr verschiedene Jaeger in Action zu erleben sind.

Der große Schwachpunkt dieses Finales ist aber nicht der Verzicht auf physikalische Regeln (who cares about that?), die visuelle Orientierungslosigkeit oder die vergleichsweise unspektakuläre Optik (anstatt sich eines nächtlichen Ambietes mit schönen Lichtern zu bedienen, hat man sich für die sterile Optik des Tageslichts entschieden). Sondern das hohe Tempo.

Das mag banal klingen, sorgt aber für deutlich spürbare Unterschiede. Denn wo Roboter und Monster unter der Regie von del Torro ihrer Größe entsprechend träge und damit wuchtig wirkten, wecken die Kämpfe nun Erinnerungen an die Transformers. Spielzeug statt Epos. Noch so ein Ärgernis: Da präsentiert man uns zahlreiche neue Jaeger-Waffen, die meisten davon entpuppen sich jedoch schnell als wirkungslose Luftnummern. Wie der Film also.


Fazit
Allen Unkenrufen zum Trotz war ich bis zum Ende optimistisch. Doch selbst, obwohl ich nichts von Pacific Rim: Uprising erwartet hatte, wurde ich enttäuscht. Nicht von der dünnen Handlung oder dem krampfhaften Humor, nicht von den platten Figuren oder den diversen Logiklöchern. Nein, vor allem ist es die Action, die durch ein solch kleines Detail wie das schnellere Tempo massiv an Wirkung verloren hat. Was bleibt, ist ein banaler und wirrer B-Movie aus der Hollywood-Legebatterie ohne Sinn und Verstand – vor allem aber ohne Herz.

Bilder & Trailer: (c) Universal

7 Kommentare zu „Kritik: „Pacific Rim: Uprising“ Hinterlasse einen Kommentar

  1. Ich war kurz davor mir ein Kinoticket zu kaufen, habe mich dann aber doch für Ready Player One entschieden. Es scheint die richtige Wahl gewesen zu sein 😀
    Schade das die guten Aspekte nicht übernommen wurden. Scheint wieder eine Fortsetzung zu sein, die keiner braucht.
    Würde der Streifen denn als Trashfilm durchgehen? Also dass er so schlecht ist, dass man drüber lachen kann? 😀

    Gefällt 1 Person

    • Ready Player One ist definitiv die bessere Wahl! ^^
      Und diese Art von Trash ist er leider auch nicht. Wie gesagt, handwerklich ist er ja tatsächlich gut. Aber er drückt die Handlung und das Szenario in eine Richtung, die dem Ganzen echt nicht gut tut, weil die ganze Atmosphäre nicht mehr stimmt.

      Gefällt 1 Person

  2. Bei dem war ich stark am Überlegen ob ich ihn mir im Kino anschau aber irgendwie wurde dann doch nix draus…offensichtlich hab ich ganz gut daran getan und nix verpasst😉

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