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Kritik: „The Marvelous Mrs. Maisel“ – Staffel 1

The Marvelous Mrs. Maisel (Amy Sherman-Palladino, USA 2017)

Passend zum Männertag der ultimative Serientipp für alle daheim bleibenden Hausfrauen – den sich aber auch die Männerwelt zu Herzen nehmen sollte.

The Marvelous Mrs. Maisel  – was für ein Titel! Ein Wunderwerk der Alliteration und zugleich ein echter Zungenbrecher für alle nicht-englischen Muttersprachler. Hinter diesem sperrigen Namen verbirgt sich eine Serie, die von Amazon produziert wurde, nur dort zu sehen ist und die sich mehr als lohnt.

New York City in den späten 50ern. Die namensgebende Migde Maisel (Rachel Brosnahan) ist eine junge Dame Mitte 20, verheiratet, zwei Kinder, ganz die Hausfrau. Dank ihrer Familie und der ihres Mannes lebt sie in sehr guten Verhältnissen, also kein Grund für irgendwelche Beschwerden. Eigentlich sollte das auch für ihren Mann gelten, den sie stets nach vollen Kräften unterstützt. Der will sich nun von seinem langweiligen (aber gut bezahlten) Bürojob verabschieden und seinen Traum von einer Karriere als Stand-Up-Komiker verwirklichen. Problem: Der Kerl ist eine ziemliche Lusche und kann ums Verrecken keine Witze erzählen – außer er klaut sie.

Als es eines Abends auf der Bühne besonders schlecht für ihn läuft, verlässt er seine Frau. Frustriert und betrunken zieht Mrs. Maisel durch die Straßen und landet schlussendlich auf derselben Bühne, auf der ihr Mann zuvor versagte. Und entpuppt sich dort als echtes Naturtalent, die die Menge zum Toben bringt. Nun strebt sie ihrerseits eine Stand-Up-Karriere an.

Das alles geschieht bereits innerhalb der ersten Folge, die den gemächlichen Beginn einer Serie markiert, die schnell an Tempo, Dramatik und Unterhaltungswert gewinnt. Federführend ist hierbei Amy Sherman-Palladino, die bisher vornehmlich für Gilmore Girls bekannt ist. Ihre Handschrift ist hier kaum zu verkennen: starke Frauenfiguren, messerscharfe Dialoge, eine großartige Balance zwischen Humor und Dramatik.

Im Kern ist Mrs. Maisel die Geschichte einer Frau, die sich von ihrer Familie und den gesellschaftlichen Vorstellungen über Frauen, die zu dieser Zeit (und teils auch noch heute) existieren, emanzipieren will. Dass ihr dabei immer wieder Steine in den Weg gelegt werden, versteht sich von selbst. Ihre repressiven, konservativen Eltern (Marin Hinkle und – fantastisch – Tony Shalhoub) sind dabei die größten Steineleger, gefolgt von den eitlen Nachtclubbesitzern, für die ein weiblicher Stand-Up vollkommen undenkbar ist. Dank viel Charme und Selbstbewusstsein gelingt aber ein schrittweises Vorankommen. Und dank einer scharfen Zunge: Mrs. Maisels Humor geht teils derbe unter die Gürtellinie, bleibt aber stets niveauvoll und subtil sozialkritisch. Stark auch Mrs. Maisels Amateur-Managerin (Alex Borstein), die auf positive Weise ein gänzlich konträres Frauenbild verkörpert.

Die Dialoge – eher verbale Schlagabtäusche – teilen sich eine Eigenschaft mit Gilmore Girls: Sie klingen artifiziell – niemand redet derart schnell, scharfsinnig und eloquent. In diesem Falle ist das aber deutlich erträglicher, da hier nicht permanent mit (pop-)kulturellen Zitaten um sich geworfen wird. Darüber hinaus funktioniert der Wechsel zwischen bitterernsten, zwischenmenschlichen, emotionalen Momenten und extrem witzigen Situationen (allem voran die Stand-Ups) schlicht perfekt und verleiht dieser Serie einen angenehmen Erzählfluss.

Mrs. Maisel gewinnt im Vergleich zu seiner Vorgängerserie zusätzlich dadurch, dass das Setting im New York der frühen Nachkriegszeit beste Schau- (stilvolle Kulissen, bunte und ausladende Kleider) und Hörwerte (ein jazzig-gelassener Soundtrack) bietet. Kurzum: Die Atmosphäre ist perfekt.

Fazit
The Marvelous Mrs. Maisel 
überzeugt nicht sofort, sondern braucht leider zwei bis drei Folgen Anlaufzeit. Dann jedoch zeigt sich, wie intelligent und zugleich unterhaltsam Amy Sherman-Palladino ihre Ideen verwirklicht: Mrs. Maisel transportiert eine pro-feministische Botschaft, ohne anklagend oder plakativ zu sein und mischt das mit sehr gutem Humor, tollen Figuren und einer Kulisse, die schlicht großartig ist. Da muss einfach eine zweite Staffel kommen.

Die erste Folge von The Marvelous Mrs. Maisel gibt’s umsonst auf YouTube.

Bilder & Trailer: (c) Amazon Studios

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