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Kritik: „Solo: A Star Wars Story“

Solo: A Star Wars Story (Ron Howard, USA 2018)

Die Vorgeschichte von Han Solo – erzählt als klassischer Western im Sci-Fi-Gewand.

Die Vorzeichen standen alles andere als gut für Solo: Nur fünf Monate nach Episode 8 und in selben Monat mit den Blockbustern Avengers 3 und Deadpool 2 zu erscheinen, zeugt von einer eher suboptimalen Veröffentlichungspolitik seitens Disney. Und die Häme im Vorfeld groß: Fans wollten mit Han-Solo-Darsteller Alden Ehrenreich nicht warm werden, und über all dem thronte die größte aller Fragen: Brauchen wir wirklich einen Film über die Vorgeschichte von Han Solo?

In meinen Augen die falsche Frage. Denn weder haben wir Episode 1 bis 3 noch Rogue One oder Episode 7 gebraucht. Streng genommen hätten wir nicht mal die ursprüngliche Trilogie gebraucht. Die Fragen, die viel angebrachter wären, lauten: Weiß der Film trotz aller Unkenrufe zu unterhalten? Und was kann Solo letztlich zum Star Wars Universum beitragen? Die Antworten lauten: Ja und Wenig. Seine größte Errungenschaft aber ist, das Franchise um einen waschechten Western zu erweitern.

Angesiedelt zwischen Episode 3 und Rogue One, erzählt Solo – wenig überraschend – die Vorgeschichte des großen Fan-Favorites im Star Wars Universum. Naturgemäß mangelt es so einem Prequel an Spannung (der Protagonist muss schließlich überleben). Die soll in Solo stattdessen über die Nebenfiguren entstehen. Allem voran der Love-Interest Qi’ra (Emilia Clarke), die der Kleinganove bei der gemeinsamen Flucht von einem Ghetto-Planeten aus den Augen verliert und erst Jahre später wieder trifft.

Dazwischen verbündet sich Han mit dem Plünderer Tobias Beckett (Woody Harrelson), der im Auftrag eines Kartells unter Führung von Dryden Vos (Paul Bettany) Treibstoff vom Imperium stehlen soll. Da der erste Raub fehlschlägt, müssen Han und Beckett nach einer Alternative suchen – und brauchen dafür ein ganz spezielles Raumschiff.

Funktionieren will die Romanze zwischen Han und Qi’ra nicht, woran beide Schuld haben. Während Ehrenreich den Gefühlen seiner Figur nicht den nötigen Ausdruck verleiht, bleibt Clarkes Charakter zu blass, undurchsichtig und distanziert. Symapthieträger sehen anders aus – wie man am Beispiel von Woody erkennen kann. Dessen Beckett ist ein charmant-schmieriger Schmuggler, der deutlich mehr von Fords Han Solo hat als der Ehrenreich-Solo.

Die beiden anderen Faktoren, über die Solo funktionieren will, sind Nostalgie und Fanservice. Die werden besonders bei Lando Calrissian (Donald Glover) und Chewbacca deutlich. Beide tun dem Film mehr als gut, vor allem Glover weiß zu überzeugen. Fragwürdig sind jedoch die unzähligen versteckten Referenzen, die nur echte Star Wars Cracks (so wie das Trio, das im Kino hinter mir saß) erkennen wird, und die billiger Fanservice par excellence sind.

Die eigentlich Krux des Film ist jedoch der Protagonist. Nicht der Hauptdarsteller – der macht seine Sache tatsächlich gut, weckt stellenweise durch passgenaue Mimik und Gestik sogar Erinnerungen an die guten alten Zeiten und profitiert in der deutschen Fassung extrem von Harrsion Fords Synchronstimme. Der Figur Han Solo selbst ist der Film jedoch wenig dienlich. Beispielhaft dafür sei die Szene genannt, in der Han seinen Nachnamen bekommt und die die Grenze zur Lächerlichkeit meilenweit überschreitet. Auch die anderen charakterbildenden Momente werden eher stiefmütterlich behandelt, allem voran die eigentlich so wichtige Pilotenausbildung, die einfach mal übersprungen wird. Der größte Unterschied zur alten Trilogie besteht aber darin, dass Han Solo hier (noch) kein einzelgängerischer Held ist, sondern gänzlich im Kollektiv aufgeht – in einer Gang von Schmugglern und Outlaws.

Womit wir bei der größten Errungenschaft von Solo wären. Eine Stärke der Spin-Offs besteht schließlich darin, das Franchise durch Ausflüge in andere Genres narrativ aufzufächern. Das gelang bei Rogue One, der ein Kriegsfilm sein wollte, nur mäßig. Bei Solo hingegen handelt es sich um einen waschechten Western, der sich um eine Gruppe Gesetzloser dreht und solch genreprägende Momente wie Pokerspiele, Mexican Standoffs oder einen Überfall auf einen Zug und eine Mine bietet. Dabei kommt es Solo zugute, dass das Imperium größtenteils ausgeblendet wird und er sich ganz auf die Machenschaften der kriminellen Kartelle konzentriert.

Über das Drehbuch von Solo lässt sich streiten: Die Schwächen überwiegen in meinen Augen leider die Stärken. Es ist jedoch Regisseur Ron Howard zu verdanken, dass man über darüber hinwegblicken kann. Denn die Inszenierung ist makellos. Zum einen überzeugt die Optik, die dank entsättigter Farben einen für Star Wars ungewöhnlichen Look und angenehm viele echte Sets mit nicht-digitale Figuren bietet. Zum anderen weiß Howard einfach, wie er Action packend und stilsicher zu inszenieren hat. Schon die erste Rennsequenz weckt mit ihrem schnellen Wechsel zwischen Close-Ups und Halbtotalen sowie niedrigen Kamerawinkeln Erinnerungen an den großartigen RushDie Übersicht ist stets gegeben, das Tempo absolut mitreißend.

Fazit
Inhaltlich hinterlässt Solo einen durchwachsenen Eindruck. Auf der einen Seite bietet er ein paar tolle Nebenfiguren und einen interessanten neuen Blickwinkel auf das Universum. Auf der anderen verpulvert er seine besten Momente bereits im Mittelteil, schöpft das Potential seiner Handlungsstränge nicht aus und vernachlässigt ausgerechnet seinen Protagonisten. Solo wäre also ein mittelmäßiger Film – wäre da nicht Ron Howard. Der inszeniert Solo absolut souverän durch und sorgt damit dann doch für einen positiven Gesamteindruck. Am Ende bleibt ein unterhaltsamer Film ohne viele Höhe- und Tiefpunkte. Und das ist – wenn ich ehrlich bin – auch gut so. Denn nicht jeder Star Wars muss ein überragender Megablockbuster sein. Erst recht, wenn es kein Hauptteil ist.

Bilder & Trailer: (c) Disney

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2 Kommentare zu „Kritik: „Solo: A Star Wars Story“ Hinterlasse einen Kommentar

  1. Ich hätte ja nur zu gern die Miller-Lord-Impro-Version gesehen, ob die mich wohl eher unterhalten hätte. Ich fand bei Solo einfach, dass das zu gewollter Fan-Service war mit den plumpesten Anspielungen überhaupt.

    Ich fand den schlichtweg einfach langweilig. Die Geschichte hat mich zu keiner Sekunde wirklich fesseln können.

    Gefällt 1 Person

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