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Filme gesehen #196

Diese Woche mit The Fighter, The Disaster Artist und Docteur Knock.

The Fighter (David O. Russel, USA 2010)
Eigentlich ein Unding, dass ich als Box- und Christian-Bale-Fan diesen Film solange vor mir hergeschoben habe. Erzählt wird die wahre Geschichte zweier Brüder (Bale und Mark Wahlberg): Der ältere hat seine großen Zeiten im Ring schon hinter sich, der jüngere dient anderen Sportlern derzeit als Karrieresprungbrett – auch deshalb, weil sich sein großer Bruder beim Training alles andere als diszipliniert anstellt. The Fighter folgt der Sportfilm-typischen Erfolg-und-Niederlage-Konjunktur, ist jedoch mehr als das. Nämlich vor allem ein Portrait zweier Menschen, die gefangen sind zwischen Familien-, Kleinstadt- und Sportlerleben, weshalb Glück und Probleme hier sehr eng beieinander liegen. Dabei ist es vor allem Bale, der als cracksüchtiger Tunichtgut die Hauptlast der Handlung zu tragen hat und für diese Performance zurecht seinen Oscar bekommen hat. Gewürzt wird das Ganze durch eine Prise skurrilen Humor, der der familiären Situation (herrschsüchtige Mutter, fünf Töchter, zwei Söhne) geschuldet ist. Jedoch leidet The Fighter an einem Problem, das so viele Filme dieser Machart haben: Der Sport wird eher stiefmütterlich behandelt, sowohl quantitativ als auch qualitativ. Heißt: Die wenigen Boxszenen sind aufgrund ihres TV-Kamera-Looks zwar interessant, aber nicht authentisch genug inszeniert.
imdb / Trailer

The Disaster Artist (James Franco, USA 2017)
Die filmische Vollkatastrophe The Room habe ich vor einigen Wochen vor allem deshalb über mich ergehen lassen, um The Disaster Artist in vollen Zügen genießen zu können. Der nämlich schildert die Entstehungsgeschichte des wohl schlechtesten Films aller Zeiten, welcher gerade deshalb zum Kult-Objekt geworden ist. Und ja, man merkt The Disaster Artist zu jeder Sekunde an, dass seine Macher ebenfalls diesem Kult huldigen. Das Ergebnis ist weit entfernt von den typischen platten Komödien eines James Franco und Seth Rogen, sondern ein erstaunlich vielschichtiges Portrait von Tommy Wiseau, einer der wohl seltsamsten Gestalten, die je über die Erdoberfläche wandelten. So weiß man bis zum Schluss nicht so recht, ob man dieser Figur nun mit Sympathie oder Hass begegnen soll – The Disaster Artist bietet für beides ausreichend Gründe. Die größte Leistung erbringt dabei James Franco, dessen Wiseau-Imitation schlicht perfekt ist und eigentlich eine Oscar-Nominierung verdient hätte. Ein Film, bei dem Lachen, Staunen und Entsetzen Hand in Hand gehen und eine ungewöhnliche, einnehmende Melange aus Schwarzer Komödie und Drama ergeben. Letztlich also so ziemlich das, was Wiseau anno dazumal produzieren wollte – und was nun durch deutlich versiertere Filmschaffende vollendet wurde.
imdb / Trailer

Docteur Knock – Ein Arzt mit gewissen Nebenwirkungen (Knock, Lorraine Lévy, FRA 2018)
So recht wusste ich am Ende von Docteur Knock nicht, was ich mit diesem Film anfangen soll. Und das trotz – oder gerade aufgrund – seiner starken ersten Hälfte, in der ein frisch gebackener Arzt seine erste Praxis in einem französischem Bergdorf der 50er Jahre eröffnet. „Jetzt beginnt hier das Zeitalter der Medizin“, verkündet Knock (Omar Sy) zu Beginn. Was dann so aussieht: Knock behandelt seine Patienten zwar mit größter Hingabe, bauscht aber selbst die kleinsten Wehwehchen zu potentiell tödlichen Krankheiten auf, schließt einen Pakt mit dem örtlichen Apotheker, dem er Rekordgewinne verspricht, und teilt seine Patienten nach deren Einkommen in verschiedene Behandlungsgruppen ein. Dank enormer Kompetenz und noch mehr Charisma gelingt ihm das mühelos. Docteur Knock hält mit seiner Kritik an der Kapitalisierung der Medizin also nicht hinterm Berg, verheddert sich in der zweiten Hälfte jedoch in Widersprüchlichkeiten und seltsamen Charaktermomenten – so zum Beispiel wenn Knock gegen Ende unvermittelt den Bond-Bösewicht raushängen lässt und seinem Vorgänger erklärt, wie er diesen Ort zu einer Goldgrube gemacht hat. Auch der überzeichnete Priester und Antagonist trübt das Gesamtbild erheblich und nervt irgendwann nur noch – allerdings auf unangenehm aufdringliche Weise. Zum Schluss ist es den Patienten dann sogar egal, ob ihre Krankheiten echt oder nur eingebildet (respektive eingeredet) sind. Der kritische Unterton weicht also der banalen Harmonie einer typischen französischen Gesellschaftskomödie.
imdb / Trailer

3 Kommentare zu „Filme gesehen #196 Hinterlasse einen Kommentar

  1. Es gab doch schon mal einen Film über einen schwarzen Arzt in der französischen Provinz (Ein Dorf sieht schwarz). Ob das jetzt eine neue Filmschablone ist?
    The Fighter schieb ich auch vor mir her, obwohl ich Bale gern sehe und auch David O. Russells Filme…
    Habe letzte Woche Doctor Strange gesehen, hat mir erstaunlich gut gefallen 4,5 Sterne.

    Gefällt 1 Person

    • „Ein Dorf sieht schwarz“ klingt für mich eher danach, als würde da das Thema Rassismus eine Rolle spiele . Das war bei „Knock“ mal so gar nicht relevant…
      Was genau an „Dr. Strange“ hat dir denn gefallen? Ich möchte ja hauptsächlich die Optik, aber ansonsten hat der mit der Zeit bei mir eher gelitten

      Gefällt 1 Person

      • Ich mochte die Optik, gerade weil Marvel sonst eher nach Schema F da heran geht. Die Schauspieler waren sehr gut, vor allem der Cumberbatch. Ich fand die Story auch innovativer als sonst bei Marvel. Aber er hatte ein paar Längen in der Mitte, weswegen er nicht an die Guardians bei mir heran kommt…

        Gefällt 1 Person

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