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Im Kino: BlacKkKlansman

Spike Lee, USA 2018

Es gibt einen Sketch des afroamerikanischen Komikers Dave Chapelle, in dem er einen Blinden verkörpert, der im Glauben aufwächst, weiß zu sein und Jahre später zu einem Führungsmitglied des Ku-Klux-Klans wird. Was Chapelle nicht ahnen konnte: Jahre zuvor hatte sich tatsächlich etwas ganz ähnliches ereignet. In den 70ern infiltrierte der afroamerikanische Polizist Ron Stallworth den Klan in einer Undercover-Aktion und berichtete 2014 davon in seinem Buch Black Klansman.

Solche Geschichten brauchen nicht lange, um verfilmt zu werden. Ausgerechnet der wohl politischste aller schwarzen Regisseure, Spike Lee, hat sich dieser Aufgabe angenommen und das berüchtigte Triple-K in den Titel gemischt: BlacKkKlansman. Stallworths Geschichte beginnt bei der Polizei von Colorado Springs. Ausgerechnet während der Bürgerrechtsbewegung bewirbt sich der junge Afroamerikaner (John David Washington) dort für einen Job. Und schon beim Vorstellungsgespräch wird klar: Stallworth wird hier Rassismus erfahren, ob nun bei Einsätzen oder durch die Kollegen. Verdächtige Schwarze werden hier „Bimbos“ genannt und bald darf Stallworth wegen seiner Hautfarbe auch einen schwarzen Bürgerrechtler bespitzeln.

Auf eigene Initiative meldet sich Stallworth schließlich auf eine Anzeige des KKK und bewirbt sich um eine Mitgliedschaft. Ein persönliches Treffen scheidet logischerweise aus, also muss Kollege Flip (Adam Driver) ran. Der fällt aufgrund seiner jüdischen Wurzeln ebenfalls in Hass-Raster des Klans. Dem ungleichen Duo gelingt es, Kontakt bis zur höchsten Ebene zu knüpfen: Eines Tages meldet sich KKK-Großmeister David Duke (Topher Grace) an der anderen Seite von Stallworths Telefonleitung.

Spike Lees Film ist – man verzeihe den unfreiwilligen Wortwitz – eine tiefschwarze Komödie geworden. Mit einer erstaunlichen Leichtigkeit watet Lee durch diesen Sumpf aus Rassismus und Gewalt, Figuren und Szenen triefen vor Skurrilität, der Humor agiert auf situativer, verbaler Ebene. Doch es ist ein Lachen, das einen regelmäßig stocken lässt, weil es einem die traurige Realität so schmerzhaft vor Augen führt. Wie in jener Szene, in der Flip sagt, irgendwann werde ein Typ wie David Duke zum Präsidenten gewählt und Ron das nur mit einem Lachen quittiert. Ja, auch Donald Trump wurde ausgelacht. Der bekommt schon zu Beginn mit einer ebenso bedrohlichen wie lächerlichen Ansprache von Alec Baldwin, der für seine Trump-Parodie bekannt ist, sein Fett weg.

Ohnehin gibt es in BlacKkKlansman zahlreiche Verweise auf die Gegenwart. Wenn der Klan im Chor „America First“ skandiert oder Videoclips der rassistischen Ausschreitungen in Charlottesville (deren Jahrestag mit dem Kinostart zusammenfällt) gezeigt werden, trägt Spike Lee seine politischen Überzeugungen ganz offensiv nach außen. Gelegentlich etwas zu offensiv: Trotz der Dringlichkeit seines Anliegens hätte das auch etwas subtiler geschehen können. So demontiert Lee die Rassisten zwar als hinterwäldlerischen Haufen – jedoch nicht als schleichende Gefahr, die die Gesellschaft allmählich unterwandert.

Für Lee kommen solche Warnungen wohl ohnehin zu spät. Und deshalb haut er eben auf die Kacke. Seine Melange aus Blaxploitation, Soul- und Black-Power-Bewegung, harter Sprache (BlacKkKlansman hat die höchste N-Wort-Quote seit langem) und Medienkritik (was Birth of a Nation für den Klan war, sind die sozialen Netzwerke für Alt-Right) verschmilzt zu einer Tarantino-esken Geschichtsstunde mit politischem Filter. BlacKkKlansman erinnert deshalb atmosphärisch und stilistisch stark an Inglourious Basterds, inklusive historischer Ungenauigkeiten zugunsten des Drehbuchs. Gleichwohl fehlt ihm am Ende dessen Schärfe.

Doch trotz seiner Drehbuch-inhärenten Schwächen ist BlacKkKlansman nicht nur ein wichtiger Film, sondern vor allem ein guter, dem es gelingt, subversive politische Statements und Unterhaltung zu kombinieren, was wahrlich nicht mehr viele Filme vollbringen. Lee ist vielmehr an dem interessiert, was ist, weniger an dem, was einmal war. BlacKkKlansman ist eine Momentaufnahme und zugleich ein Film für den Moment – und sollte deshalb so schnell wie möglich von jedem gesehen werden.

Bilder & Trailer: (c) Universal Pictures Germany

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