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Im Kino: Meg

The Meg, Jon Turteltaub, CHN/USA 2018

Es muss deprimierend sein, wenn man als Filmemacher vor der Tatsache steht, selbst 43 Jahre nach Der weiße Hai höchstens den zweitbesten Hai-Film produzieren zu können. Doch sogar diese Zielstellung verfehlt Meg meilenweit. Denn das Ding hat nur anderthalb Argumente, mit denen es ins Kino locken will: einen riesigen Hai und Jason Statham.

Ersterer wird von letzterem gejagt, nachdem ein Forschungsteam ein bisher unbekanntes Biotop im Pazifik entdeckt und in Seenot gerät. Also muss Jonas Taylor (Statham) aus dem Ruhestand geholt werden, denn nur er hat bisher eine Rettungsmission in solcher Tiefe durchgeführt – und außerdem ist seine Ex-Frau (Jessica McNamee) unter den Forschern. Die Klischees geben sich also schon in den ersten 15 Minuten die Klinke in die Hand. Und es hört nicht auf.

Allem voran trifft das auf die Mannschaft der Forschungsstation zu. Da gibt es koketten, reichlich beschränkten Geldgeber (Rainn Wilson), den schwarzen Witzbold (Page Kennedy), die asiatische Forscherin (Bingbing Li) und ihre nervige, neunmalkluge Tochter (Shuya Sophia Cai). Allesamt scherenschnittartige Stereotype ohne Profil oder Sympathiepotential, weshalb auch die Spannung durchweg im Keller bleibt. Denn wie soll die aufkommen, wenn Figuren in Gefahr geraten, die einem völlig egal sind?

Bleibt nur der Hai, der namensgebende Megalodon, und zumindest hier macht Regisseur Jon Turteltaub eine Sache richtig, nämlich die erste Totale des Megs erst nach einer Stunde zu präsentieren. Dass das Vieh ausschließlich aus dem Computer kommt und dabei nicht mal besonders gut aussieht, lässt sich noch verschmerzen. Durchaus akzeptabel ist auch die Inszenierung des Finales, in dem sich der Urzeit-Hai an einem Strandbüffet labt. (Gut, er musste dafür 200 Meilen zurücklegen, hat vorher also wahrscheinlich bei Google Maps nach stark frequentierten Stränden gesucht, aber mit Logik darf man bei Meg ohnehin nicht anfangen.) Da sind dann ein paar abwechslungsreiche Kameraeinstellungen dabei und die Bedrohung für die Badenden wird gut vermittelt.

Doch der Meg lässt etwas Entscheidendes vermissen: Charisma. Also das, was gute von generischen Filmmonstern unterscheidet. Was Der weiße Hai Bruce und sogar dieser hyperaggressive Raubfisch aus The Shallows hatten. Der Meg hingegen zeichnet sich nur durch eine Sache aus: seine Größe. Aber so ist das moderne Blockbusterkino eben: Qualität ist egal, solange es nur länger, größer und breiter als alles bisher Dagewesene ist.

Meg ist schlicht kein guter Film. Er ist klischeebeladenen, hat nicht eine einzige gute Idee, einen bestenfalls durchschnittlichen Cast, ja nicht einmal die Gewalt, die nötig ist, um die Gefahr dieses Monsters filmisch zu repräsentieren (FSK 12!) Einzig eine Sache kann man ihm zugute halten: Meg ist ein Hai-Film, der mal kein Trash sein will. Aber das war The Shallows auch. Und dabei um Längen besser.

Bilder & Trailer: (c) Warner Bros.

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3 Kommentare zu „Im Kino: Meg Hinterlasse einen Kommentar

  1. Ich konnte dem Film noch ein wenig mehr abgewinnen als du. Ich mochte die Grundidee, fand’s nur schade, dass sich dieser Film einfach nie entscheiden konnte, was er denn nun sein wollte: lustig oder ernst. Und dieser Mischmasch aus beidem hat einfach so überhaupt nicht zusammengepasst. Allein als Statham ernsthaft Dorie aus „Findet Nemo“ zitiert, war’s irgendwie vorbei. 😀

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