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Im Kino: Asphaltgorillas

Detlev Buck, DEU 2018

Nach vier (!) Realfilmen über Bibi & Tina war es Detlev Buck wohl irgendwann genug. Ein Gegenentwurf musste her. Am besten eine verrückte Gangster-Klamotte. Total skurrile Figuren, die sich gegenseitig betrügen und bedrohen und auf der Jagd nach dem großen Geld sind. Alles voll stylisch und crazy. Das Drehbuch ähnelt deshalb nicht ganz grundlos den Werken von Guy Ritchie und Quentin Tarantino, erreicht jedoch niemals deren Klasse. Stattdessen verheddert sich Asphaltgorillas in Klischees und atmosphärischen Unstimmigkeiten.

Im Mittelpunkt dieser wirren Geschichte steht Atris (Samuel Schneider), der auf seiner bevorstehenden Odyssee mit allerhand seltsamen Gestalten in Kontakt kommt. Da wäre sein alter Freund Frank (Jannis Niewöhner), der einen Falschgeld-Deal abwickeln will und dafür Atris Hilfe braucht. Da wäre sein cholerischer Chef El Keitar (Kida Khodr Ramadan). Dann noch ein österreichischer Kleinkrimineller/Zuhälter (Georg Friedrich), eine mongolische Killerin (Uisenma Borchu), die Tochter eines russischen Millionärs (Stefanie Giesinger). Und natürlich das Love-Interest, die Gaunerin Marie (Ella Rumpf), mit der der Ausstieg nach dem großen Coup erfolgen soll. Zumindest wird Berlin damit schon mal erfolgreich als multikultureller Schmelztiegel inszeniert – wenn auch als Schmelztiegel des Verbrechens.

Von der temporeichen Gangster-Komödie, die der Trailer noch versprach, ist jedoch wenig übrig geblieben. Asphaltgorillas größtes Problem: Er kann in keinem der Genres, derer er sich bedient, überzeugen. Für einen spannenden Krimi ist er zu leichtherzig, für eine Komödie nicht witzig genug. Und eine Milieustudie ist er erst recht nicht – zu abgedreht und überzeichnet wirken da die Figuren. Es wird sogar krass fremdschämig, wenn der große Plan deshalb zu scheitern droht, weil der Dobermann den Schlüssel zum Gelddepot frisst und anschließend den Lamborghini vollscheißt, weil er Abführmittel bekam.

Zugegeben, der „Humor“ von Asphaltgorillas ist nicht immer derart peinlich berührend. Auch die Leistungen der Darsteller reichen von solide bis gut, besonders Kida Khodr Ramadan, der derzeit das Patent auf arabische Gangsterbosse in der deutschen Filmlandschaft zu haben scheint, bereichert jede seiner Szenen durch seine Art. Die Dialoge jedoch kranken an grauenhaftem Timing, das zu viel Zeit zwischen den Sätzen lässt. Und die beiden Actionsequenzen, in der eine hoch-mobile Kamera zwischen Slow Motion und Highspeed wechselt, sind zwar inszenatorisch mutig, fallen jedoch durch eine andere Farbgestaltung und eine miese Auflösung negativ ins Auge.

So sehr Asphaltgorillas also auch versucht, seine großen Vorbilder zu imitieren, so sehr misslingt dieser Versuch. Gleichwohl sind die eigenen Ansätze bestenfalls durchschnittlich ausgeführt. Eingeweihte erfreuen sich kurzzeitig an Gastauftritten von halb-prominenten Rappern wie Captial Bra, SXTN und SSIO, wobei vor allem letzterer sichtlich Spaß hat. Mehr als halbgares Name-Dropping ist das aber nicht. Trotz eines gewissen Unterhaltungswerts ist Asphaltgorillas also leider kein gutes Filmerlebnis.

Bilder & Trailer: (c) Constantin Film

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