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Katastrophale Katastrophenfilme

Geostorm, Dean Devlin, USA 2017 und Rampage, Brad Peyton, USA 2018

Der Katastrophenfilm ist ein undankbares Genre. Eines, in dem Dekonstruktion das bestimmende Element ist. Eines in dem das Publikum einzig Bombast ohne Tiefgang erwartet. Eines, in dem ein gutes Drehbuch, packende Dialoge und tiefe Figurenzeichnung folglich Perlen vor die Säue sind. Das war, so möchte ich behaupten, nicht immer so. So stumpfsinnig ein Independence Day auch war, so gut funktionierten hier die Figuren und ihr Zusammenspiel. Der Nachfolger von 2016 zeichnete da ein ganz anderes Bild. Bei den Figuren galt Masse statt Klasse.

Diesen Kardinalsfehler begehen auch zwei der jüngeren Genreexemplare: Geostorm und Rampage. Der erste noch der stärker als der zweite, doch beide lassen ein klares Muster erkennen: Sie präsentieren uns keine interessanten, greifbaren oder auch nur unterhaltsamen Charaktere, sondern Stereotypen ohne Glaubwürdigkeit. Oder will jemand ernsthaft behaupten, er würde Gerard Butler abnehmen, dass er ein meisterhafter Klimaingenieur sei, der im Alleingang eine Station konstruiert, die vom Weltall aus Stürme und Flutwellen verhindern kann? Eben.

Ebenfalls als Wissenschaftler, allerdings als Verhaltensbiologe, versucht sich Dwayne Johnson in Rampage. Der kümmert sich in einem Wildpark um die Tiere, allem voran um den Albino-Gorilla George, der schon bald in Kontakt mit einer Substanz kommt, die ihn in Windeseile auf acht Meter Größe anwachsen lässt. Die Behälter mit dieser Substanz sind (die Gemeinsamkeiten wollen nicht enden) infolge eines Unfalls auf einer Weltraumstation über die gesamte USA verteilt abgestürzt, weshalb nun auch ein riesiger Wolf und ein noch riesigeres Krokodil das Land unsicher machen.

Natürlich ist das hanebüchener Schwachsinn. Das ist aber gar nicht das Problem, schließlich handelt es sich um ein Genre der Extreme, das durch exakt solche Überspitzungen gesellschaftliche Ängste und Probleme in ein Blockbustergewand zu kleiden vermag. Geostorm erweist sich in dieser Hinsicht – zumindest theoretisch – als Musterbeispiel des Zeitgeistes: Durch den Klimawandel bedingte Wetterextreme sind ja das Thema der Stunde. Umso ernüchternder fällt deshalb die Umsetzung aus. Geostorm interessiert sich weder für die Ursachen des Extremwetters noch für eine realistische Lösung. Das Thema Klimawandel ist nur Mittel zum Zweck, der Aufhänger für eine substanzlose Geschichte.

Die größeren Versäumnisse sind jedoch filmischer Natur. Geostorm folgt simpelsten Blockbusterstrukturen und kompensiert die marginale Charakterzeichnung seines Protagonisten durch einen bewährten Trick: einen emotionalen Ankerpunkt (seine Tochter), der in Ermangelung an Tiefe aber einfach nicht greifen will. Am schlimmsten jedoch: Anstatt mit seinem Bullshit-Faktor hausieren zu gehen und so zumindest mit visuellem Bombast zu punkten, wird die Filmmitte in belanglosen Dialogen über Wetter, Hackerangriffe und allerhand technischen Firlefanz ertränkt, die vom dünnen Drehbuch ablenken sollen. Dieser Film macht weder Spaß noch ist er auch nur ansatzweise so klug, wie er sich verkaufen will.

Geostorm: 

Rampage wählt da einen dezent anderen Ansatz. Die bewährten Elemente – emotionaler Ankerpunkt, stereotype Figuren, ganz viel Chaos und Zerstörung, ein aktuelles Thema (Genforschung und Artenschutz) als Aufhänger – sind auch hier vorhanden, das Ganze kommt jedoch mit weniger banalem Gelaber aus. Und wo Dwayne Johnson ist, da müssen natürlich auch mehr Comedy und Selbstironie sein, was diesem Film durchaus gut tut. Doch letztlich gilt auch hier: die Dramaturgie ist vorhersehbar, die Charaktere bleiben uninteressant.

Rampage: 

Tja, die Charaktere. Und damit zurück zum Anfang. Es ist legitim, sich Filme wie Geostorm oder Rampage nur wegen der (gar nicht mal so) tollen Effekte anzusehen. Dazu braucht es auch keine tiefen Figuren – aber zumindest interessante. Figuren, um die ich mich sorge, die all der Action und visuellen Bombast emotionales Gewicht geben. Weil für den Zuschauer etwas auf die Spiel steht. Wenig zuträglich ist es da auch, wenn ganze Städte zerstört werden, die Konsequenzen aber – der Verlust an Menschenleben – weder gezeigt noch beziffert werden. Folgendes Video fasst dieses Problem sehr gut zusammen:

Filme wie Deepwater Horizon geben mir zwar ein wenig Hoffnung, doch der zeitgenössische Katastrophenfilm scheint selbst eine Katastrophe zu sein. Die Frage, die sich mir stellt: War das tatsächlich jemals anders? Bei Action und Horror – so mein Eindruck – sehnen sich viele in die „guten alten Zeiten“ zurück. Gab es so etwas auch für den Katastrophenfilm? Welche aktuellen wie älteren Genreexemplare fallen euch als positive Beispiele ein?

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7 Kommentare zu „Katastrophale Katastrophenfilme Hinterlasse einen Kommentar

  1. Der einzige Katastrophenfilm, der mir je wirklich im Gedächtnis geblieben ist ist Die Höllenfahrt der Poseidon. Den habe ich irgendwann als Kind mit den Eltern im Fernsehen gesehen. Für heutige Film-Verhältnisse ist so ein untergehender Luxusliner ja nix mehr (wenn es nicht grad die Titanic ist), aber ich hatte wirklich eine ganze Zeit Angst vor Schiffen. Und Du hast Recht, auch da machten es die Figuren und Konstellationen aus.

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    • Na da werde ich bei Gelegenheit doch mal reinschauen. Mit Gene Hackman kann man ja wenig falsch machen. Und solang er auch nicht die zeitlichen Ausmaße eine Titanic hat, ist alles gut ^^

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  2. Also wenn du Rampage als Katastrophenfilm listest, werfe ich jetzt mal den guten alten Godzilla in den Ring. Sowohl alt wie neu. (Außer der Emmerich Film) 😉

    The Impossible fand ich saustark, auch wenn du den nicht mochtest. Hier stand neben der Flutkatastrophe auf jeden Fall das persönliche Drama der Familie im Mittepunkt.

    Im weitesten Sinne würde ich vielleicht noch Contaigon mit dazu nehmen.

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    • Die alten Godzilla Filme kenne ich nur ausschnittsweise, kann zum aktuellen aber sagen, dass ich den ganz, ganz furchtbar fand – eben auch aufgrund der Holzschnittartigen Figuren.
      Und das gleiche Problem, dass ich hier hatte, hätte ich eben auch mit The Impossible: Der Film nimmt sich zu Beginn viel zu wenig Zeit, um uns die Figuren näher zu bringen. 10 Minuten vor der Katastrophe reichen da meines Erachtens nicht aus…
      Contagion setze ich aber mal auf meine Liste 😉

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  3. Katastrophenfilme waren nie meins, weil sie oft stereotypisch sind und einfältig. Irgendwie fand ich 2012 nicht schlecht und wenn der zählt The Day after tomorrow. Aber sonst war das immer reine Zeitverschwendung für mich.

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  4. Was Filme wie Contagion betrifft, muss ich mich meinen Vorrednern anschließen. Zwar bin ich überhaupt kein Fan von Katastrophenfilmen, aber wie in quasi jedem Genre, gibt es gute und schlechte Beispiele. Contagion hat mich beispielsweise ziemlich gepackt. Auch The Day After Tomorrow hat beispielsweise mich aufgrund der Charaktere mit Identifikationspotential mitgerissen.

    Aber bei Geostorm und Rampage … ehrlich, ich habe die nicht mal geschaut, weil ich die Prämisse (insbesondere bei Rampage) so blöde fand. Wie im (sehr tollen!) Video erklärt und von dir beschrieben frustrieren mich Katastrophenfilme dann sehr, wenn sie eine Materialschlacht werden und das eigentliche aus dem Auge lassen: auflären, warnen und drohende Verluste sichtbar machen.

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