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The Night comes for Us

Timo Tjahjanto, IDN 2018

Wer im Verlauf von The Night comes for Us nicht wenigstens ein Dutzend Mal schmerzverzerrt das Gesicht verzieht, dem ist nicht mehr zu helfen. Denn dieser Film – eine kühne Behauptung, aber sie drängt sich auf – ist wohl das brutalste Exemplar, dass das Martial-Arts-Kino bis dato hervorgebracht hat. Hier werden Köpfe mit Billardkugeln zermatscht, Gliedmaßen abgeschossen, Menschen an Fleischerhaken aufgehängt. Die Actionszenen verschwimmen zu einem einzigen Rausch der Gewalt, das Blut fließt literweise. Doch bald schon stellen sich drei Fragen.

Die erste: Warum stehen die Typen im Hintergrund die ganze Zeit nur herum? Protagonist Ito (Joe Taslim) darf jeden Gegner nämlich schön der Reihe nach weichklopfen. Jeder von denen scheint brav darauf zu warten, bis seine Nummer gezogen wird. So etwas gab es zwar auch in den großartigen The Raid-Filmen, dort aber wurde es geschickt kaschiert, fühlte sich deshalb deutlich glaubwürdiger an. Bei The Night comes for Us hat man sich diese Mühe nicht gemacht.

Zweite Frage: Was soll dieses halbgare Drehbuch? Eine solch klassische Heroic-Bloodshed-Geschichte um einen Triadenkiller, der seine Bosse verrät als er ein junges Mädchen rettet, ist eigentlich bewährtes Fahrwasser. Doch The Night comes for Us vergeigt es nicht nur, eine greifbare Bindung zwischen Ito und dem Mädchen aufzubauen. Er will seine simple Story auch noch möglichst komplex erzählen, nutzt Rückblenden, überflüssige Traumsequenzen und ungelenke Parallelmontagen. Bis kurz vor Schluss ist zudem nicht klar, wer nun auf welcher Seite steht.

Dritte, entscheidende Frage: Ist die Gewalt reiner Selbstzweck? Antwort: Ja. Sie hat kein emotionales Gewicht wie in The Killer, keine politische Dimension wie in Ip ManStattdessen: reine Triebbefriedigung für den Zuschauer. Man kann das verteufeln oder als eigenartige Kunstform akzeptieren. Schlecht gemacht ist die Action – bis auf die oben erwähnte Schwäche – jedenfalls nicht. Die Kamera hat interessante Winkel zu bieten, die Kämpfe haben Wucht, der Schnitt ist passgenau. An sein Vorbild The Raid kommt The Night comes for Us allerdings nicht mal ansatzweise heran.

imdb / Trailer

 

Bild: (c) Netflix

2 Kommentare zu „The Night comes for Us Hinterlasse einen Kommentar

  1. Ich glaube, du hast zu viel von diesem Hau-Drauf-Film erwartet. Ja, mich hat das auch gestört, dass sie diese einstige FReundschaft mal einmal kurz in einer Rückblende erwähnen, aber danach nie wieder drauf zu sprechen kommen. Doch letztendlich sind diese Filme einfach nur Hau-Drauf. Story ist da fehl am Platze. Für mich ist das ein bisschen Gewalt-Porno. Story ist da nebensächlich, Hauptsache, die kloppen sich gut.

    Und ja, dass die alle brav warten, fällt extrem auf. Trotzdem mochte ich den Film. Das war heftig, das war brutal, das war „The Raid 3“ ohne dass es „The Raid“ ist 😀

    Gefällt 1 Person

    • Da bin ich wohl etwas verwöhnt, aber inzwischen bin ich doch ein Fan davon, wenn das inhaltliche Kostüm passt. Sie muss ja nicht mal sonderlich ausgefallen oder anspruchsvoll sein, aber zumindest rund sollte sie sein. Und das ist hier leider nicht der Fall 😦

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