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The Ballad of Buster Scruggs

Ethan und Joel Coen, USA 2018

Sie haben es also getan. Die Coen-Brüder, die hinter solchen Klassikern wie The Big Lebowski und No Country for old Men stecken, haben das Kino verraten und sind zum Feind übergelaufen: zu Netflix. Panik im Feuilleton, Entsetzen unter den Kritikern. Doch noch während man sich The Ballad of Buster Scruggs, ihrem Netflix-exklusiven Film, anschaut, beschleicht einen langsam die Überzeugung, dass dieses Werk im Kino nicht zwangsläufig besser aufgehoben wäre.

Das liegt im Wesentlichen an der Erzählstruktur. The Ballad of Buster Scruggs ist nämlich eine Western-Anthologie. Um es weniger hochtrabend auszudrücken: Eine Sammlung von sechs unabhängigen Episoden von jeweils zehn bis 40 Minuten Länge. Was nicht heißen soll, dass so etwas nicht im Kino funktioniert. Mir ist ein solch portionierter Film ohne eine übergreifenden, epischen Rahmen dann aber doch lieber, wenn ich auf der Couch sitze. Zumal er auf weite, beeindruckende Landschafts-Panoramen verzichtet und deshalb auch optisch alles andere als überragend ist.

Was hingegen überragend ist, ist die stilistische und Genre-inhärente Vielfalt, die die Coens hier beweisen. Unter den Episoden finden sich kurze Anekdoten ebenso wie längere Erzählungen. Optimistischer Klamauk ebenso wie bedrückende Einzelschicksale. Liebes- ebenso wie Heldengeschichten. Farbenfrohe Umgebungen ebenso wie trist-graue. Es geht um singende Revolverhelden, körperbehinderte Poeten und junge Frauen, die zu wirtschaftlichen Zwecken verheiratet werden. Und trotzdem gelingt es den Brüdern, ihre markante Handschrift aus bitter-schwarzem Humor und skurrilen Figuren in all diesen Storys unterzubringen. Schade, dass dabei ausgerechnet die letzten beiden Geschichten nicht das Niveau der ersten vier halten können. Nichtsdestotrotz ist The Ballad of Buster Scruggs ein lohnender Zeitvertreib und neuer, gelungener Ansatz aus der Feder einer der markantesten Duos aus Hollywood, die ihren kreativen Freiraum hier wohl nutzen konnten, um einige lose und alte Drehbuchideen zu verwirklichen.

imdb / Trailer

Bild: (c) Netflix 

3 Kommentare zu „The Ballad of Buster Scruggs Hinterlasse einen Kommentar

  1. Steht auch noch ganz oben auf meiner Liste. Es ist schon erstaunlich, dass die Coens sich jetzt auch Netflix zugewandt haben. Aber ja, ich gebe dir schon Recht, was das mit der Kino-Tauglichkeit angeht: „Annihilation“ war da doch auch ein gutes Beispiel. Den hätte im Kino wahrscheinlich kein Mensch gesehen… da ist Netflix doch eine gute Alternative. Ich bin echt mal gespannt…

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    • Bei Annihilation bin ich mir da echt nicht sicher. Ich jedenfalls hätte ihn echt gern im großen Saal gesehen. Meine Theorie war ja, dass das Studio ihn nicht – wie es hieß – ins Kino gebracht hat, weil er zu anspruchsvoll ist, sondern weil 5 Frauen in einem SciFi-Horrorfilm nicht zielgruppenkonform war. Buster Scruggs hätte seine Zielgruppe erreicht, aber so eine Episodenstruktur finde ich im großen Saal eher suboptimal.

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      • Ich glaube, bei Annihilation könnte es durchaus beides gewesen sein. Aber ja, den hätte ich auch gerne im Kino gesehen.

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