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Willkommen in Gravity Falls (Staffel 1 & 2)

Gravity Falls, Alex Hirsch, USA (2012-2016)

Ich hätte nicht gedacht, dass mich im zarten Alter von 28 eine Zeichentrickserie noch derart begeistern könnte. Doch Gravity Falls ist genau das gelungen. Und auch, wenn diese Disney-Serie schon einige Jahre auf dem Buckel hat, möchte ich sie euch hier unbedingt ans Herz legen. Es folgt eine Liebeserklärung.

Die 12-jährigen Zwillinge Dipper und Mable Pines werden von ihren Eltern über den Sommer ins namensgebende Gravity Falls geschickt, einem abgelegenen Städtchen irgendwo in Amerika. Dort betreibt ihr Großonkel Stan eine Touristenfalle in Form eines Kuriositätenkabinetts. Der mürrische Misanthrop und wird nur langsam mit seiner aufgedrehten Nichte und seinem wissbegierigen Neffen warm. Doch gerade letzterer scheint in Gravity Falls sein persönliches Paradies gefunden zu haben. Nicht nur leben dort allerhand seltsame Gestalten: Es scheint zudem, als würden hier verstärkt paranormale Phänomene auftreten.

Das ist der Aufhänger für 41 Folgen bester Unterhaltung. Denn Gravity Falls hat alles, was eine gute Zeichentrickserie braucht. Punkt eins: Prägnante Figuren. Das ungleiche Hauptcharakter-Duo – der neunmalkluge Dipper und seine herrlich durchgeknallte Schwester – funktionieren als liebenswerte Einzelcharaktere ebenso wie als Handlungsträger-Gespann. (Insbesondere Mable hat mich mit ihrer flippigen Art und ihrem Hausschwein „Schwabbel“ sofort begeistert). Alle weiteren Figuren, seien es der knurrige Stan, der wunderbar lächerliche Antagonist Gideon, Dippers heimliche Liebe Wendy oder die diversen skurrilen Stadtbewohner, sind nicht nur einprägsam, sondern wachsen einem im Laufe der Serie ehrlich ans Herz.

Punkt zwei: Kreativität. Der Paranormalität sei Dank treffen Dipper und Mable in jeder Folge auf neue Kreaturen und Phänomene: Spukhäuser, Gestaltwandler, bodenlose Löcher, Minotauren oder – mein Favourite – Minigolf-Kobolde, die untereinander Krieg führen. Das meiste davon orientiert sich an Altbekanntem, wird aber mit so vielen Twists und Einfallsreichtum gewürzt, dass jede Geschichte einzigartig ist. Und jede von ihnen läuft auf eine angenehm unaufdringliche Moral hinaus.

Punkt drei: Eine runde Erzählstruktur. Gravity Falls funktioniert über weiten Strecken zwar als klassische „Monster-of-Week“-Serie, baut zwischenzeitlich aber immer wieder Hinweise auf spätere Ereignisse ein. Die werden am Ende in einem großen Finale eingelöst, mit dem die Serie gar einen runden Abschluss findet. Da ist es wahrlich schade, dass sich die Andeutung einer dritten Staffel bisher nicht erfüllt hat.

Schlussendlich Punkt vier: Humor. Hier: Eine großartige Mischung aus Situationskomik, visuellem Humor, Dialogen und Sprachspielen. Das funktioniert sogar auf Deutsch super: Da wird beispielsweise der „Duck-tective“ geradezu brillant zum „Ent-spektor“ übersetzt. Hinzu kommt der wunderbare Wahnsinn von Mable. Und obendrein ist das alles auch noch dezent subversiv, indem es mit Klischees und Konventionen bricht. Kurzum: genau mein Geschmack.

In all diesen Punkten ist Gravity Falls herausragend. Ich werde wohl auch in Zukunft immer wieder in diese verrückte Kleinstadt zurückkehren, denn die Serie ist sowohl der perfekte Snack für zwischendurch als auch binge-bar. Nur eine Sache muss ich ankreiden, wobei dies nicht der Serie selbst, sondern den Jugendschützern gilt: Eine Freigabe ab null Jahren ist angesichts der schauerhaften Figuren, die in Gravity Falls ihr Unwesen treiben, mindestens fragwürdig. Ansonsten: Alles richtig, nein: perfekt gemacht.

Bilder: (c) Disney

 

8 Kommentare zu „Willkommen in Gravity Falls (Staffel 1 & 2) Hinterlasse einen Kommentar

  1. Ach ja, unsere Film- und Serien-Herz schlagen doch oft sehr gleich… 😀 Ich liebe „Gravity Falls“. Die ist so unglaublich gut – und wenn man nicht wüsste, das sie von Disney ist, würde man es irgendwie nicht glauben, oder??? 😀

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    • Ach doch, das ist in meinen Augen schon sehr Disney – aber eher vom guten alten Schlag, ohne billige 3D-Animationen und belangloses Rumgeblödel. Sehr mir übrigens aktuell immer noch regelmäßig ein, zwei Folgen zum Runterkommen nach der Arbeit an ^^

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      • Also als in der ersten Folge ein Wichtel nen Regenbogen kotzt, dachte ich schon: „Das sieht nicht aus wie Disney…“
        Und ja, ich will die Serie auch noch einmal gucken, bevor die Serie dann wahrscheinlich bald zu Disney Plus wandert…

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  2. Habe schon von Arbeitskollegen viel gutes darüber gehört und wollte demnächst auch mal reinschauen 😀 Kürzlich habe ich Behind the Garden Wall geschaut (auf Netflix verfügbar) und fand den Humor dort klasse. Bisschen schwarzhumor, bisschen slapstick, wortspielreich, bisschen gruselig, bisschen mürrisch, war sehr cool.Vielleicht ist das dann auch was für dich.

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    • Musste erst mal eine Weile danach suchen, bis ich festgestellt habe, dass die Serie „Over the Garden Wall“ heißt ^^ Vielen Dank für den Tipp, ich bin immer auf der Suche nach guten, snackbaren Serien.
      Und dir viel Spaß beim Reinschnuppern – am besten noch, bevor es zweck Disney+ von Netflix verschwindet 😉

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